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Merz bei der Jungen Union : Treffen sich zwei Westfalen

Rückenstärker: Merz mit Winkel (rechts) in Fulda Bild: dpa

Der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz liefert bei der Nachwuchsorganisation einen maßgeschneiderten Auftritt für den neuen Junge-Union-Chef ab. Nur einmal brandet Widerstand auf.

          3 Min.

          Als Friedrich Merz den Saal betritt, erlischt das Licht. Scheinwerfer finden ihn schnell wieder. „Don’t stop me now“, grölt Freddie Mercury aus den Boxen, während der CDU-Vorsitzende händeschüttelnd in Richtung Bühne schreitet. Dort wartet Johannes Winkel schon. Der frisch gewählte Vorsitzende der Jungen Union (JU) klatscht den Rhythmus mit, mehr pflichtbewusst, als begeistert sieht das aus. Schnell überlasst er Merz die Bühne.

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          Merz und Winkel stammen aus Südwestfalen, beide kennen sich seit Jahren. Und tatsächlich wirkt es so, als ob der Arnsberger den Stil seiner Rede eher auf den Florettstil des Kreuztalers abgestimmt hat denn auf den robusteren Ton seines Vorgängers Tilman Kuban.

          Ausdrücklich lobt der CDU-Chef den sicherheitspolitischen Leitantrag zum „Deutschlandtag“, in dem die Jugendorganisation unter anderem die Vollausstattung der Bundeswehr als Voraussetzung für Koalitionsgespräche der Union auf Bundesebene fordert. „Fundiert“ sei das acht Seiten lange Schriftstück, so etwas finde sich bei keiner anderen Nachwuchsorganisation. Solches Lob kommt gut an unter den etwa dreihundert Delegierten.

          Die Themen, die Winkel fördern will, macht Merz am Samstag stark: die Generationengerechtigkeit, vor allem aber den Klimawandel. „Niemand in Deutschland soll noch Zweifel haben, dass wir dieses Thema ernst nehmen“, sagt Merz. Aber die Union müsse es anders beantworten als SPD und Grüne. Innovation statt Verbote, so hatte es Winkel formuliert. Und ähnlich klingt es auch bei Merz, der in der Esperantohalle unweit des Fuldaer Bahnhofs nicht nur die Innovationskraft Deutschlands mit Hilfe der Erfindung des Otto- und des Dieselmotors zu beschwören sucht, sondern auch den Geist der Trümmergenerationen, die nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg Deutschland wieder aufgebaut haben.

          Merz: „Konvertitenreden“ im Parlament

          Frenetischer Applaus brandet auf, als Friedrich Merz auf Bitten einer Fragestellerin und mit Blick auf die WM in Qatar ein Bekenntnis ablegt. „Es geht keine staatliche Institution an, wen wir lieben.“ Dabei geht im Jubel ein Stück weit unter, dass Merz das Bekenntnis auf „für uns aus Deutschland heraus und alle, die hier leben“ einschränkt, statt, wie intendiert, den WM-Austragungsort Qatar einzubeziehen.

          Und natürlich ledert Merz, so wie alle Redner an diesem Wochenende, gegen die Ampel-Regierung. Vom Sondervermögen, dass die marode Bundeswehr auf die Beine bringen soll, sei noch nichts ausgegeben worden, es gebe „nicht eine einzige Bestellung“ und „nicht eine einzige Ausschreibung“. Stattdessen werde es bei den anstehenden Lesungen des Bundeshaushalts auch um eine Vorlage gehen, die eine Absenkung des Verteidigungshaushalts vorsehe. Das sei „kein Zufall, das hat Methode“, sagt Merz. Im Parlament seien „klassische Konvertitenreden“ zu vernehmen. Politiker der Ampel hätten nach wie vor ein gestörtes Verhältnis zu den Streitkräften.

          Vor allem die SPD sei auf „einem ganz anderen Trip unterwegs“. Das kommt in den Reihen der Delegierten gut an, in denen kaum noch Krawattenträger zuhören, dafür viele Frauen. Im Streit um das Bürgergeld forderte Merz die Ampel-Koalition zu Zugeständnissen auf. „Wir erwarten von dieser Regierung, dass sie auch einen Schritt, und zwar einen großen Schritt auf uns zugeht, wenn wir eine gemeinsame Lösung für dieses sogenannte Bürgergeld in den nächsten Tagen und Wochen finden wollen.“

          Merz lieferte sich auf diese Weise ein rhetorisches Fernduell mit dem Bundeskanzler. Denn Olaf Scholz (SPD) griff im Gegenzug die Union an, beim Konvent der Südwest-SPD in Friedrichshafen. Es sei abgehoben und hochnäsig gewesen, dass CDU und CSU bei der Abstimmung für einen höheren Mindestlohn nicht „ein ganz klein wenig“ die Hand gehoben hätten, sagte Scholz. „Das hat mit ,Leistung muss sich lohnen’ überhaupt nichts zu tun.“ Die Mindestlohnerhöhung und das Bürgergeld zählten zu den zentralen SPD-Versprechen vor der jüngsten Bundestagswahl.

          Bei der Jungen Union in Fulda regt sich nur einmal regionaler Widerstand, als Winkel Merz zum Abschied einen hessischen Bembel überreicht. „Wir kommen beide aus Südwestfalen, da trinken wir normalerweise Pils“, sagt der JU-Chef. Er wisse nicht, ob man das Bier auch daraus trinken dürfe. „Nein!“, brüllt ein hessischer Delegierter empört aus den hinteren Reihen. Merz wirkt für einen Augenblick überrascht. Winkel reagiert schnell: Er freue sich, wenn er bald einmal zu ihm, Merz, auf die Terrasse nach Arnsberg komme. Dann übernimmt wieder Queen: „Don‘t stop me now.“ Die Delegierten erheben sich. Applaus.

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