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Merkels Sommerpressekonferenz : Prosecco vor der Pause

Kanzlerin Angela Merkel am Freitag in Berlin Bild: EPA

Auch diese Sommerpressekonferenz brachte die Kanzlerin nicht in Bedrängnis. An zwei Stellen aber moussierte ihr Redefluss. Einmal redete sie sogar frei von der Leber weg.

          Auch diese Sommerpressekonferenz mit der Bundeskanzlerin perlte so fein und friedlich vor sich hin wie ein Glas Prosecco. Weder die Fragen noch die Antworten spiegelten die Aufregung wider, die in den Tagen zuvor Berlin beherrscht hatte wegen der Berufung Ursula von der Leyens zur EU-Kommissionspräsidentin und Annegret Kramp-Karrenbauers zur Verteidigungsministerin. Merkels Routiniertheit scheint immer noch beruhigend zu wirken. Im vierzehnten Jahr ihrer Kanzlerschaft lautete die Botschaft hinter ihren Aussagen über Gott und die Welt, also über Trump, das Klima, den Soli, Jens Spahn und Annegret Kramp-Karrenbauer: Macht euch keine Sorgen, ich bin ja auch noch eine Weile da – jedenfalls dann, wenn es weiter nach meinem Plan geht.

          Die Anstrengungen der langen Saison und insbesondere der vergangenen Wochen sind der Kanzlerin kurz vor der Sommerpause anzusehen; amtsmüde aber wirkte sie nicht. An dieser verdienten Müdigkeit hinderten sie zu viele Erfolgserlebnisse. Denn selbst wenn es stimmte, dass sie keinen Einfluss darauf nehme, wer ihr als Kanzler(kandidat)in nachfolge, läuft derzeit doch vieles in ihrem Sinne. Merkel hätte sich keine bessere Wächterin über ihr europapolitisches Erbe als von der Leyen wünschen können. Und nur Verschwörungstheoretiker werden glauben, die Kanzlerin habe Kramp-Karrenbauer zur Verteidigungsministerin gemacht, weil sie ihre Wunschnachfolgerin an der CDU-Spitze und im Kanzleramt in den Schützengräben des Bendlerblocks fallen sehen wolle. Möglicherweise ist Merkel – was in ihrem Karrierestadium nicht ungewöhnlich wäre – nicht mehr völlig frei von Zweifeln, ob „AKK“ den Topjob so gut machte wie sie selbst. Doch wer die Prüfung im Verteidigungsministerium besteht, kann auch Kanzlerin.

          Etwas stärker moussierte der Redefluss Merkels vor der Bundespressekonferenz an zwei Stellen. Sie sprudelte fast über vor Sorge, aber auch Verständnis, als sie nach der Stimmung im Osten Deutschlands gefragt wurde. Geradezu den Korken knallen ließ Merkel dann mit ihrer „entschiedenen“ Distanzierung von den beispiellosen Äußerungen des amerikanischen Präsidenten über vier weibliche Abgeordnete des Repräsentantenhauses. Die Kanzlerin erklärte sich sogar ausdrücklich solidarisch mit den angegriffenen Demokratinnen. So frei von der Leber weg hörte man Merkel selten.

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