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Merkels Führungsstil : Zwei Mal im Leben

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En passant: Bundeskanzlerin Angela Merkel geht im Deutschen Bundestag an Bundesumweltminister Norbert Röttgen (beide CDU) vorbei (Archivbild vom 22. März 2012) Bild: dpa

Angela Merkel hat sich von der Lebenserfahrung „Man sieht sich immer zwei Mal im Leben“ abgewandt. Nur ein Nachweis, dass sich Röttgen ihr gegenüber grob illoyal verhalten habe, würde sie glaubwürdig machen.

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          Mit ihrer Entscheidung, Norbert Röttgen als Bundesumweltminister zu entlassen, hat Bundeskanzlerin Merkel dementiert, was sie seit 2009 noch nach jeder Regionalwahl behauptet hatte: Eine Landtagswahl sei eine Landtagswahl, und darum hätten solche Wahlen auch keine Auswirkungen auf die Bundespolitik - nicht auf die CDU als Partei, nicht auf die Arbeit der CSU/CSU-Bundestagsfraktion und auch nicht auf die christlich-liberale Bundesregierung. Frau Merkel hat zudem auch ihrer - von treuesten Helfern noch am Wahlabend verbreiteten - eigenen These widersprochen, eine Niederlage in Nordrhein-Westfalen könne ohne weitere Konsequenzen bleiben, weil das nun einmal das Stammland der SPD sei.

          Es ist mit Händen zu greifen, dass es in der CDU rumort. Welche Gründe Frau Merkel bewogen, bis zum Wahltag zu Röttgen zu stehen und ihn anschließend fallenzulassen, ist unbekannt. Entsprechend fallen selbst die Merkel-loyalen Bekundungen aus dem CDU-Teil des Bundeskabinetts überaus dürftig aus. Sie beschränken sich auf die verfassungsrechtliche Selbstverständlichkeit, die Bundeskanzlerin habe die Personalhoheit in Kabinettsachen. Die Treueschwüre sind in Konditionalsätze gekleidet: Wenn Frau Merkel zu dem Ergebnis gekommen sei, die Scheidung sei nötig, habe sie handeln müssen. Eigentlich aber, schränkten sogar Wolfgang Schäuble und Ursula von der Leyen ein, habe Röttgen gute Arbeit geleistet.

          Selbst-Röttgen-Kritiker auf Distanz zu Merkel

          Andere schwiegen bis zum Wochenende ganz - wie etwa Hermann Gröhe, ein Freund Röttgens und zugleich der Generalsekretär der CDU, also zur Loyalität mit der CDU-Vorsitzenden verpflichtet. In der am Boden liegenden nordrhein-westfälischen CDU aber gehen nun selbst solche Politiker auf Distanz zur Entscheidung der Bundeskanzlerin, die Grund zur Kritik am Wirken Röttgens haben. Dass der „schwarz-grüne“ Röttgen allein an der Niederlage schuld sei, glaubt nicht einmal der konservative Flügel der CDU.

          Angela Merkel hat sich von der Lebenserfahrung „Man sieht sich immer zwei Mal im Leben“ abgewandt. Nur ein Nachweis, Röttgen habe sich ihr gegenüber grob illoyal verhalten, würde sie glaubwürdig machen. Was aber, wenn der geschasste Umweltminister nachweisen könnte, die Bundeskanzlerin selbst habe Absprachen gebrochen? Solange das Misstrauen nagt, wird es in der CDU keinen Frieden geben.

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