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Merkel zum VW-Gesetz : Vereint gegen den Leitwolf aus Stuttgart

„VW ist Deutschland”: Merkel mit einem Trikot des VfL Wolfsburg beim Besuch des Stammwerks Bild: dpa

Angela Merkel setzt sich für das VW-Gesetz ein, Christian Wulff gibt den Klassenkämpfer - 15.000 Wolfsburger feiern sie. Der nächste Bundestagswahlkampf steht vor der Tür, soziale Gerechtigkeit wird ein Kernthema sein. Die Zeiten ändern sich.

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          Er selbst braucht gar nichts zu tun. Bernd Osterloh sitzt auf seinem Platz links des Rednerpults und guckt zufrieden in die tausenden Gesichter vor ihm. Die schauen nicht auf den VW-Betriebsratsvorsitzenden, sondern auf den Mann am Mikrofon, dessen Wort von Leinwänden und Lautsprechern bis in den letzten Winkel der Halle 11 verkündet wird. Es ist der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff, und er wittert Ungerechtigkeit. „Die Welt wird nicht vom Geld allein regiert“, ruft Wulff, „die Menschen brauchen Sicherheit.“

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Osterloh schenkt sich Wasser ein. Einfach laufen lassen. Es ist ein entspannter Job, den der oberste Arbeitnehmervertreter von Volkswagen an diesem Dienstagmorgen hat. Wieso selbst auf den freien Markt, den liberalisierten europäischen Binnenmarkt und sogar auf ungeliebte Großaktionäre schimpfen, wenn das bereits die Spitze der Bundes-CDU erledigt? Der VW-Betriebsrat hat im Wolfsburger Stammwerk zur Betriebsversammlung eingeladen, und alle sind sie gekommen: Die 15.000 Beschäftigten. Der Ministerpräsident. Die Bundeskanzlerin. Es geht um das 50 Jahre alte VW-Gesetz, und den unermüdlichen Kampf von Landes- und Bundespolitik, möglichst viel davon zu retten.

          Jubel, bevor Merkel überhaupt die Halle betreten hat

          Kurz vor zehn Uhr schwebt der Hubschrauber der Flugbereitschaft über dem Sektor 2 vor dem VW-Hochhaus ein - es ist der erste Besuch eines CDU-Bundeskanzlers im Wolfsburger VW-Werk seit Konrad Adenauer. Helmut Schmidt war mal da, Lokalmatador Gerhard Schröder hatte hier Hausrecht. Besonders Wulff, der als Vertreter des VW-Anteilseigerns Niedersachsen im Aufsichtsrat sitzt, hat zu früheren Zeiten das traditionelle VW-Geflecht aus Postenschacher und Abhängigkeiten zwischen Arbeitnehmervertretern und Management kritisiert, dessen Auswüchse in der VW-Affäre um den damaligen Personalvorstand Peter Hartz gipfelten. Undenkbar, dass der CDU-Politiker damals auf einer Betriebsversammlung vom Plenum gefeiert worden wäre. Doch die Zeiten haben sich geändert. Der nächste Bundestagswahlkampf steht vor der Tür - soziale Gerechtigkeit wird ein Kernthema sein.

          In der Halle brandet schon Jubel auf, da ist Angela Merkel noch gar nicht richtig hereingekommen. Eben noch hat sie sich ins VW-Gästebuch eingetragen, in dem sich auch schon Deng Xiaoping in chinesischen Schriftzeichen verewigt hat. Jetzt drängt sie sich vor der Tür durch das Menschenspalier, schüttelt Hände und gibt Autogramme. Der Betriebsrat hat sie und Wulff eingeladen, weil sie beide für den Erhalt des VW-Gesetzes kämpfen, und damit auch für die Sicherheit der Arbeitsplätze der Menschen in Halle 11.

          Die Neuauflage des Gesetzes schmeckt der EU nicht

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