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Merkel zu Besuch in NRW : Alles, nur kein Pomp

  • -Aktualisiert am

Merkel und Laschet am Düsseldorfer Ständehaus Bild: Reuters

Armin Laschet empfängt Angela Merkel in Düsseldorf und Essen: Neben der Pandemiebekämpfung geht es auch um den CDU-Vorsitz. Der Ministerpräsident erntet lobende Worte.

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          Man braucht weder Schiff noch Kutsche, um zum Ständehaus zu gelangen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) benötigt am Dienstag mit ihrer Wagenkolonne nur ein paar Minuten im Düsseldorfer Stadtverkehr, schon ist sie am Ziel. Am frühen Dienstagnachmittag begrüßt der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet seine Parteifreundin per Corona-Ellenbogen-Berührung, sodann genießen die beiden angeregt plaudernd den Blick auf den Kaiserteich vor dem Ständehaus. Das war es dann auch schon an Begrüßungszeremoniell. Keine Spur von Prunk und Pomp.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Ein Hinweis war den Beteiligten sowohl in Berlin als auch in Düsseldorf ganz besonders wichtig: Die Einladung, die Kanzlerin möge an einer Sitzung des nordrhein-westfälischen Landeskabinetts teilnehmen, sei lange vor dem Besuch Merkels auf Herrenchiemsee ergangen. Der Subtext lautete: Vergleiche sind unangebracht. Im Kreis seiner Minister hatte der bayerische Regierungschef Markus Söder (CSU) die Kanzlerin dort Mitte Juli in der Spiegelgalerie des von König Ludwig II. erbauten Neuen Schlosses empfangen. In manchen Medien deuteten Merkel-Astrologen die Begegnung im royalen Abglanz der Vergangenheit als Hinweis darauf, die Kanzlerin könne sich Söder also durchaus als Nachfolger vorstellen.

          Die Sache hat freilich gleich mehrere Haken. Erstens hat sich Söder bis heute nicht unzweideutig erklärt. Ob er wirklich wollen sollte? Vielleicht weiß er das noch nicht einmal selbst. Zweitens stellte die Kanzlerin in schönstem Merkel-Deutsch auf Herrenchiemsee klar, weil sie bei der nächsten Wahl nicht mehr als Bundeskanzlerin antrete, lege sie sich in dieser Frage eine besondere Zurückhaltung auf. Und deshalb werde sie „dazu in keiner Weise und in keinem Umfeld etwas kommentieren“.

          Laschet aber hat sich schon Anfang des Jahres erklärt. Er möchte CDU-Bundesvorsitzender und damit auch Kanzlerkandidat der Union und 2021 dann als zweiter Rheinländer nach Konrad Adenauer Bundeskanzler werden. Alles, was er tut, was ihm gelingt und vor allem was ihm misslingt, wird seither vor diesem Hintergrund durchinterpretiert, gewichtet und bewertet. Zudem kann der über viele Jahre ungebrochen treue Merkelianer Laschet derzeit Anschubhilfe ganz gut gebrauchen. Anders als Söder, dessen Beliebtheitswerte seit Beginn der Corona-Krise in extraterrestrische Höhen schossen, dümpelt Laschet nun schon seit Monaten in den Umfragen auf mediokrem Niveau dahin. Daran hat auch der Umstand nichts geändert, dass er schon lange nicht mehr als oberster Lockerer auftritt. Mittlerweile gibt es in Nordrhein-Westfalen längst schärfere Corona-Regeln als in vielen anderen Bundesländern: In weiterführenden Schulen müssen die Kinder und Jugendlichen nun auch im Unterricht Mund-Nasen-Schutz tragen, Maskenverweigerern in Bussen und Bahnen wird ein Bußgeld von 150 Euro auferlegt.

          Eine überschwängliche Kanzlerin

          Es dürfte Balsam für Laschet sein, dass Merkel im gemeinsamen Pressestatement unter der gläsernen Dachkuppel des Düsseldorfer Ständehauses manch freundliches Wort nicht nur für den Corona-Kurs in Nordrhein-Westfalen findet. Ausdrücklich stimmt sie Laschet zu, der kurz zuvor seine Philosophie so beschrieben hatte: „Wenn Infektionszahlen sinken, müssen Grundrechtseingriffe zurückgenommen werden, wenn Infektionszahlen wieder steigen wie in diesen Tagen, müssen Schutzvorkehrungen verstärkt werden.“ Für ihre Verhältnisse überschwänglich lobt die Kanzlerin das Krisen-Management des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministers Karl-Josef Laumann (CDU) als „exzellent“.

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