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Verzicht auf Ehrenvorsitz : Das weiß niemand so gut wie Merkel

Angela Merkel: Nicht der Typ, der vergangenen Zeiten und Kontakten nachhängt. Bild: dpa

Die ehemalige Parteichefin der CDU verzichtet auf den Ehrenvorsitz. Das dürfte ihr nicht schwergefallen sein.

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          Ehre, wem Ehre gebührt, schrieb schon der Apostel Paulus an die Römer. An diesen Rat müsste sich also gerade eine Partei halten, die sich christlich nennt. Doch dazu, wer wie viel Verehrung verdient hat, kann es auch unter Christenmenschen unterschiedliche Vorstellungen geben. Und das sogar im Fall der sehr langjährigen Vorsitzenden Angela Merkel, die nicht ohne Grund die Führung der Partei vorzeitig abgegeben hatte.

          Doch eine solche Debatte erspart Merkel der CDU und vor allem sich selbst: Sie verzichtet auf die Wahl zur Ehrenvorsitzenden. Dieses Ehrenamt passe nicht mehr in die Zeit, durfte der scheidende Parteichef Laschet seine Vorvorgängerin zitieren.

          Nie so ein inniges Verhältnis wie Kohl

          Der vorsorgliche Verzicht auf diesen Titel dürfte Merkel kaum schwerer gefallen sein als die Absage zu dem Abendessen, zu dem Merz sie eingeladen hatte. Kompromisse muss sie keine mehr machen. Und dass der Ehrenvorsitz nicht davor schützt, vom Sockel gestoßen zu werden, weiß niemand besser als Merkel selbst. Sie hatte im Zuge der Spendenaffäre mit ihrer Kritik an Kohl maßgeblich dazu beigetragen, dass dieser von diesem Ehrenamt zurücktrat.

          Ein so inniges Verhältnis zur CDU wie Kohl hatte Merkel zu keinem Zeitpunkt. Sie ist auch nicht der Typ, der vergangenen Zeiten und Kontakten nachhängt. Ihr Verzicht auf die Ehre, die freilich auch erst noch hätte beschlossen werden müssen, ist somit: ehrlich.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

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