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Merkel und Laschet zu Besuch : Reden zwischen Müll und Schlamm

Ohne Gummistiefel: Bundeskanzlerin Merkel und Ministerpräsident Laschet am Dienstag in Bad Münstereifel Bild: EPA

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Armin Laschet besuchen den Kreis Euskirchen. Nicht alle Menschen dort freuen sich über ihren Besuch.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Die Bundeskanzlerin und der Ministerpräsident sind gerade weg, da wird Markus Ramers von zwei jungen Frauen mit Schubkarren angehalten. Warum das denn sein musste mit dem Politikzirkus, wollen sie wissen, sie seien die ganze Zeit mit ihrem Müll nicht mehr durchgekommen. Der Landrat des Kreises Euskirchen steht mitten in der Altstadt von Bad Münstereifel und muss den Anwohnern erklären, was der Auflauf am Dienstagmittag eigentlich sollte. „Ich könnte platzen, das ist so gestellt. Ich komme mir vor wie im Film“, sagt eine Frau, die Ramers kurz vor dem Rathaus abgepasst hat. „Wir haben Waschmaschinen organisiert und wissen nicht mal, wo wir die hinstellen sollen. Ich hätte mich gefreut, die Merkel zu sehen, wenn die einen Blaumann angehabt hätte.“

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Ramers hat in Bad Münstereifel selbst lange als Lehrer unterrichtet, er kennt die Leute hier, und sie kennen ihn. Deshalb kriegt er auch den Ärger ab. „Es geht mir persönlich immer noch enorm nah, zu sehen, wie die Stadt aussieht“, sagt Ramers. „Ich glaube, dass sowohl Frau Merkel als auch Herr Laschet diese Berührung gespürt haben, dass eine liebenswerte Stadt völlig zerstört ist“, sagt der Landrat. „Es war wichtig, dass sie vor Ort waren. Es ist etwas anderes, wenn man die Zerstörung vor Ort sieht.“

          Mit Menschenketten schöpfen sie gerade den Müll und Schlamm aus der historischen Altstadt in Bad Münstereifel. Die Erft, die mitten durch die Stadt entlang der Fachwerkhäuser fließt, hat eine Schneise der Zerstörung hinterlassen. Überall liegen Schutt und zerstörte Möbel, die ganze Zeit fahren Helfer und Anwohner in Lkw und Gabelstaplern umher. Dazwischen immer wieder völlig verdreckte Helfer mit Schubkarren. Die Hilfsbereitschaft in der Region ist riesig: Schausteller aus Bonn sind vorbeigekommen, um mit ihren Fahrzeugen Autos aus dem Schlamm zu ziehen. Am Rathaus sind Verpflegungsstationen eingerichtet worden, drei Mitarbeiter einer Versicherung haben einen Tisch vor ihrem Laden in der Nähe des Rathauses aufgebaut. Sie nehmen ununterbrochen Schadensmeldungen auf. In jedem Geschäft und Wohnhaus ist Bewegung mit Schaufeln, Besen und Eimern. Immer ist jemand da, der mit anpackt.

          „Das kann man nicht wiedergutmachen“

          Bundeskanzlerin Angela Merkel und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU) haben sich am Dienstagmittag ein Bild von der Lage gemacht. Mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war Laschet am Wochenende in Erftstadt südlich von Köln und mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) an der Steinbachtalsperre, die wie Bad Münstereifel im besonders von der Flut betroffenen Kreis Euskirchen liegt. 47 Menschen sind in Nordrhein-Westfalen durch das Hochwasser gestorben, 26 davon im Kreis Euskirchen.

          „Das kann man nicht wiedergutmachen“, sagt Laschet. Um Anteilnahme zu zeigen, ist der Ministerpräsident nun mit der Bundeskanzlerin auch noch einmal nach Bad Münstereifel gekommen. Mit ernsten Gesichtern lassen sie sich die Verwüstung in der Altstadt zeigen. Laschet kündigt an, dass Nordrhein-Westfalen die erste Soforthilfe, die das Bundeskabinett am Mittwoch beschließen will, verdoppeln wird. „Wir können alles tun, damit das, was an Sachschäden da ist, wiederhergestellt wird“, sagte Laschet. „Die erste Soforthilfe muss so unbürokratisch und schnell wie möglich kommen.“

          Auf ihrem Rundgang drängeln sich viele Anwohner um Merkel und Laschet, bei den anschließenden Statements rufen einige immer wieder: „Lauter!“ Durch Absperrungen getrennt, stehen sie jenseits der Erft, die Kanzlerin und der Ministerpräsident sind trotz Verstärkung durch Mikrofone dort nicht zu hören. Dass die Übertragung zunächst vor allem für die Fernsehkameras gedacht ist, können in Bad Münstereifel einige nicht nachvollziehen. Als Laschet sagt: „Ich will alles dafür tun, dass Bad Münstereifel schöner wird, als es vorher war“, zischt eine junge Zuschauerin durch die Zähne und sagt: „Na viel Erfolg, das wird schwierig.“ Der Ministerpräsident, der zuletzt für seine Auftritte in den Hochwassergebieten auch immer wieder kritisiert wurde, gibt sich sichtlich Mühe, Empathie zu zeigen. Den Applaus bekommt hier trotzdem eher die Bundeskanzlerin.

          „Entsetzliche Zustände“ zeigten sich in der Stadt, sagt Merkel. „Wir haben Menschen gesehen, die alles verloren haben. Und eine Stadt, die so einzigartig konzipiert war wie diese Altstadt, wurde so schwer getroffen, dass es einem die Sprache verschlägt.“ Die Bundeskanzlerin dankt allen Helfern, auch den privaten Unternehmen und den vielen Ehrenamtlichen, die mit anpackten. „Es ist klar, dass wir hier einen sehr langen Atem brauchen werden“, so Merkel weiter. „Wir werden Sie nicht nach Kurzem vergessen, sondern werden uns immer ein Bild davon machen, wie es um den Wiederaufbau steht“, sagte die Bundeskanzlerin in Richtung der Bürgermeisterin und des Landrats. Auch wenn sie dann nicht mehr im Amt sei, wolle sie vorbeischauen.

          Sowohl die Bundeskanzlerin als auch der NRW-Ministerpräsident betonen die Solidarität und Hilfe im Land. Bis die Schäden behoben seien, werde es aber viele Monate dauern. „In der Tat ist es eine gute Folge, dass es jetzt Bundesgesetze gibt, die die Planung und das schnelle Bauen beschleunigen“, sagt Laschet. „Wenn wir das machen würden wie immer, würde es viel zu lange dauern.“ Der Wiederaufbau werde Zeit brauchen, doch könne es vielleicht schneller gehen, als man jetzt glaube, weil so viele Menschen mit anpacken wollten. „Der Wille, es aufzubauen, ist so stark“, so Laschet.

          In Bad Münstereifel mangelt es an Willen und Einsatz jedenfalls offenkundig nicht. Während Merkel und Laschet reden, wird dort, wo gearbeitet werden kann, weitergearbeitet. Gleichwohl wird Landrat Ramers noch häufiger von den Anwohnern Klagen hören, warum es um die Hilfsinfrastruktur in der Stadt noch nicht besser bestellt ist. „Es braucht jetzt Unterstützung, da stehen Land und Bund in der Verantwortung“, sagt Ramers. Ob er daran glaubt, dass Bad Münstereifel wirklich irgendwann schöner werden kann, als es war?

          Der Landrat macht eine lange Denkpause. „Es würde uns weiterhelfen, wenn Bad Münstereifel belebbar und begehbar ist. Ich habe großes Vertrauen in die Menschen hier, damit es wieder so wird, wie es vorher war.“

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