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Merkel und Laschet zu Besuch : Reden zwischen Müll und Schlamm

  • -Aktualisiert am

Auf ihrem Rundgang drängeln sich viele Anwohner um Merkel und Laschet, bei den anschließenden Statements rufen einige immer wieder: „Lauter!“ Durch Absperrungen getrennt, stehen sie jenseits der Erft, die Kanzlerin und der Ministerpräsident sind trotz Verstärkung durch Mikrofone dort nicht zu hören. Dass die Übertragung zunächst vor allem für die Fernsehkameras gedacht ist, können in Bad Münstereifel einige nicht nachvollziehen. Als Laschet sagt: „Ich will alles dafür tun, dass Bad Münstereifel schöner wird, als es vorher war“, zischt eine junge Zuschauerin durch die Zähne und sagt: „Na viel Erfolg, das wird schwierig.“ Der Ministerpräsident, der zuletzt für seine Auftritte in den Hochwassergebieten auch immer wieder kritisiert wurde, gibt sich sichtlich Mühe, Empathie zu zeigen. Den Applaus bekommt hier trotzdem eher die Bundeskanzlerin.

„Entsetzliche Zustände“ zeigten sich in der Stadt, sagt Merkel. „Wir haben Menschen gesehen, die alles verloren haben. Und eine Stadt, die so einzigartig konzipiert war wie diese Altstadt, wurde so schwer getroffen, dass es einem die Sprache verschlägt.“ Die Bundeskanzlerin dankt allen Helfern, auch den privaten Unternehmen und den vielen Ehrenamtlichen, die mit anpackten. „Es ist klar, dass wir hier einen sehr langen Atem brauchen werden“, so Merkel weiter. „Wir werden Sie nicht nach Kurzem vergessen, sondern werden uns immer ein Bild davon machen, wie es um den Wiederaufbau steht“, sagte die Bundeskanzlerin in Richtung der Bürgermeisterin und des Landrats. Auch wenn sie dann nicht mehr im Amt sei, wolle sie vorbeischauen.

Sowohl die Bundeskanzlerin als auch der NRW-Ministerpräsident betonen die Solidarität und Hilfe im Land. Bis die Schäden behoben seien, werde es aber viele Monate dauern. „In der Tat ist es eine gute Folge, dass es jetzt Bundesgesetze gibt, die die Planung und das schnelle Bauen beschleunigen“, sagt Laschet. „Wenn wir das machen würden wie immer, würde es viel zu lange dauern.“ Der Wiederaufbau werde Zeit brauchen, doch könne es vielleicht schneller gehen, als man jetzt glaube, weil so viele Menschen mit anpacken wollten. „Der Wille, es aufzubauen, ist so stark“, so Laschet.

In Bad Münstereifel mangelt es an Willen und Einsatz jedenfalls offenkundig nicht. Während Merkel und Laschet reden, wird dort, wo gearbeitet werden kann, weitergearbeitet. Gleichwohl wird Landrat Ramers noch häufiger von den Anwohnern Klagen hören, warum es um die Hilfsinfrastruktur in der Stadt noch nicht besser bestellt ist. „Es braucht jetzt Unterstützung, da stehen Land und Bund in der Verantwortung“, sagt Ramers. Ob er daran glaubt, dass Bad Münstereifel wirklich irgendwann schöner werden kann, als es war?

Der Landrat macht eine lange Denkpause. „Es würde uns weiterhelfen, wenn Bad Münstereifel belebbar und begehbar ist. Ich habe großes Vertrauen in die Menschen hier, damit es wieder so wird, wie es vorher war.“

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