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Merkel und Gauck : Standhaft bis zum Umfallen

  • -Aktualisiert am

„Keinesfalls Gauck“: Merkel Bild: dapd

Angela Merkel hat eine herbe Niederlage eingesteckt. Bis zuletzt hat sie sich mit aller Kraft gegen Joachim Gauck als Kandidaten gestemmt. Ihr Zorn richtet sich auf die FDP.

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          Es ist das erste Mal seit ihrem Verzicht auf die Kanzlerkandidatur des Jahres 2002 gewesen, dass Angela Merkel eine solche Niederlage hat einstecken müssen. Es ist das erste Mal für sie gewesen, dass sie sich in einer als wesentlich erachteten personalpolitischen Angelegenheit nicht hat durchsetzen können. Alle Kämpfe hatte sie durchgestanden und gewonnen - jene gegen die CDU-Landespolitiker des „Anden-Paktes“ und jenen gegen Friedrich Merz, den sie gegen dessen Willen einst als Fraktionsvorsitzende abgelöst hatte. Zwei Bundespräsidentenkandidaten hatte Angela Merkel mit Erfolg nominiert - Horst Köhler zu Oppositionszeiten und im Bündnis mit Guido Westerwelle 2004 sowie Christian Wulff 2010. Nun ist Angela Merkel an einem Ampelbündnis von SPD, Grünen und FDP, die allesamt Joachim Gauck zum Bundespräsidenten küren wollten, gescheitert.

          Aus Sicht der maßgeblichen Unionspolitiker wurde der personalpolitische Kurswechsel Frau Merkels mit einem Wortbruch der FDP-Führung eingeleitet. Am Freitag, nach dem Rücktritt von Christian Wulff, sei zwischen der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel, dem CSU-Vorsitzenden Seehofer und dem FDP-Vorsitzenden Rösler noch ein „Wir bleiben beieinander“ vereinbart gewesen. Diese Verabredung sei vor allem mit Rücksicht auf Rösler und den FDP-Fraktionsvorsitzenden Brüderle getroffen worden, die Sorge gehabt hätten, die Unionsparteien könnten sich hinter dem Rücken der FDP mit SPD und Grünen verständigen können. Auch am Samstag noch wurde einander versichert, „nicht über Bande“ spielen zu wollen.

          Die Spannweite der politischen Themen

          Am Sonntagnachmittag dann, bei einer ersten Gesprächsrunde der drei Partei- und der drei Fraktionsvorsitzenden, warb Frau Merkel für den früheren Umweltminister Klaus Töpfer (CDU) und den früheren Bischof Wolfgang Huber. Sie sprach sich gegen Gauck aus. Das wurde zum einen mit den Nöten von Unionsdelegierten bei der Bundesversammlung begründet, weil die vor knapp zwei Jahren Wulff und eben nicht Gauck gewählt hätten. Das andere Argument Frau Merkels betraf die Spannweite der politischen Themen, die Gauck beherrsche. Sie umfasse nicht die Gebiete der Außen- und der Währungspolitik.

          Sodann hätten Rösler und Brüderle gegen 15 Uhr den Raum verlassen, ohne zu sagen, worum es nun gehen werde. Eine dreiviertel Stunde später seien über die Nachrichtenagenturen die Eilmeldungen eingetroffen, das FDP-Präsidium habe sich einstimmig für Gauck ausgesprochen. Währenddessen gab es auch eine Schaltkonferenz der CDU. Der Niedersachse McAllister fragte, wen die FDP bevorzuge. Frau Merkel erwiderte, die FDP habe den früheren Botschafter Ischinger ins Gespräch gebracht. Mit einer für die Teilnehmer ungewohnten Aggressivität sagte Frau Merkel, Gauck jedenfalls werde nicht Kandidat.

          Brüderle und Rösler kamen zurück zu ihren Gesprächspartnern. Die waren verärgert. FDP-Politiker sollten später Freunden aus der Union berichtet haben, Frau Merkel habe mit dem Ende der Koalition gedroht. Sie warb für Töpfer. Die Unionsteilnehmer registrierten, dass es vor allem Brüderle gewesen sei, der auf FDP-Seite den Kurs bestimmte. Jeden Auftritt Töpfers bei Veranstaltungen der Grünen habe Brüderle im Kopf gehabt, was der FDP-Fraktionsvorsitzende als Belege für schwarz-grüne Ambitionen ansah.

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