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Merkel und die Grünen : Die Ansage als Absage an die Absage

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Es sei der Bundeskanzlerin nicht um eine „Absage” an Schwarz-Grün gegangen, sagen Freunde Frau Merkels Bild:

Angela Merkels Wort von Schwarz-Grün als einem Hirngespinst ist begierig aufgenommen worden. Dabei gibt es genügend Hinweise darauf, dass es nie so gemeint war, wie es interpretiert wurde. Insofern kann nicht einmal die FDP beruhigt sein.

          Falls „irgendjemand“, hatte Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag fordernd gerufen, in „schwachen Momenten“ auf andere Gedanken über „Alternativen“ zur christlich-liberalen Bundesregierung gekommen sein sollte – die große Koalition sei keine solche Alternative. „Die Alternative ist auch keine schwarz-grüne Koalition. Oder Jamaika.“ Und dann folgte die Zuspitzung, die am Tag danach – im Sinne einer „Absage“ – Gegenstand der Schlagzeile so gut wie aller Zeitungen in Deutschland wurde: „Das sind Illusionen, Hirngespinste.“

          Gemeinhin wurde die Rede-Passage der CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzlerin mit dem Tenor interpretiert, Angela Merkel wende sich – inhaltlich und persönlich – ganz und gar und grundsätzlich gegen jegliche Vorstellung, es könne, gar im Bund, nach der nächsten Bundestagswahl unter ihrer Führung zu einer Koalition mit den Grünen kommen. Das erlaubte die Interpretation, für ein solches Bündnis stehe sie als Bundeskanzlerin nicht mehr zur Verfügung, was wiederum mit der Einschätzung von Kennern Frau Merkels übereinstimmt, sie wolle nicht so werden wie Helmut Kohl und quasi aus dem Bundeskanzleramt hinausgetragen werden. Die Passage endete freilich implizit mit der Vorausahnung, die Grünen würden ein Bündnis mit der Union ablehnen, und ausdrücklich mit der analytisch begründeten Prognose, dass es für „Rot-Grün“ keine Mehrheit geben werde. Es folgte ein „Nein, die Alternative zu unserer Regierung wäre nichts anderes als Rot-Rot-Grün.“

          Ein leises Bedauern Frau Merkels

          Freunde Frau Merkels versichern nun ausdrücklich, es sei der Bundeskanzlerin nicht um eine „Absage“ an Schwarz-Grün gegangen. Sie habe ein solches Bündnis nicht von sich aus ausschließen, sondern lediglich das Verhalten der Grünen voraussagen (und kritisieren) wollen. Insofern kann nicht einmal die FDP beruhigt und mit Frau Merkels Kurs zufrieden sein. Und Peter Müller, der saarländische Ministerpräsident einer Jamaika-Koalition, braucht nicht böse auf Frau Merkel zu sein. Er habe, könnte er sagen, geschafft, was andere als illusorisch bezeichnen.

          „Die Alternative ist auch keine schwarz-grüne Koalition. Oder Jamaika”

          Schon auf dem Parteitag in Karlsruhe freilich war zu vernehmen, eigentlich spiegelten die Schlagzeilen nicht die Wirklichkeit. Nie sei „Schwarz-Grün“ wahrscheinlicher gewesen als derzeit, wurde gesagt – mit Hinweis auf die Umstände: Die FDP sei schwach wie nie; nicht einmal in Baden-Württemberg reiche es – nach den Umfragen – für eine Koalition aus CDU und FDP; im Bund seien die schwarz-gelben Bündnispartner seit Monaten weit von einer demoskopischen Mehrheit entfernt. Wie also, wurde kritisiert, könne nun behauptet werden, schwarz-grüne Optionen seien „Illusionen, Hirngespinste“? Nur wer unbedingt wollte, konnte in Karlsruhe ein leises Bedauern Frau Merkels heraushören, dass sich Schwarz-Grün als „Illusion“ entpuppt habe – im Sinne eines „schade eigentlich“.

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