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Merkel und die CDU : Muss sie weg?

Die letzte Wahlperiode? Annegret Kramp-Karrenbauer, Angela Merkel und Julia Klöckner im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin Bild: dpa

In der CDU gibt es eine Sehnsucht nach der Zeit ohne Merkel. Einerseits. Und was ist mit Annegret Kramp-Karrenbauer?

          12 Min.

          Von Sozialdemokraten ist oft die Anekdote zu hören, sie seien wegen Willy Brandt in die SPD eingetreten. Verbunden mit einem melancholischen Seufzen. Alexander Zollmann aus Frankfurt-Rödelheim kann auch so eine Geschichte erzählen, nur mit umgekehrtem Ergebnis: Er war als junger Mann, Anfang der siebziger Jahre, so entsetzt über Willy Brandt, den Linksdrall der Gesellschaft und die „Willy-wählen“-Kampagne, dass er schnurstracks in die CDU eintrat. Die SPD regierte damals in Frankfurt, in Hessen und im Bund. „Das war eine Stimmung bei denen“, sagt Zollmann. „Ich will das nicht vergleichen mit Parteien bei den Diktaturen. Aber es war eine unwahrscheinlich linke Stimmung. Das hat einem direkt Furcht eingeflößt. Das war der letzte Kick, zu sagen: Bei der CDU bist du richtig.“ Zollmann nennt das heute „Phase 1“, die glückliche Zeit. Damals hatte er noch „grenzenloses Vertrauen“ in die Partei.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Einer seiner Helden hieß Alfred Dregger. Man kann diesen Namen wie im Hochdeutschen aussprechen, dann ist man vielleicht Historiker und meint den früheren Fraktionsvorsitzenden der Union als Person. In Zollmanns Garten in Rödelheim aber wird kein Hochdeutsch gesprochen. Hier werden die Silben hessisch weich gemacht: Dräggä. Spitzname: Django, der Retter. Oder: Don Alfredo. Stahlhelm-Fraktion. Dregger ist nicht nur ein Name, sondern auch ein Gefühl: gegen Russland, gegen Hippies und Sozen, gegen Einwanderung und die Erhöhung der Mehrwertsteuer; für die Atomkraft, für Nato und Westbindung, für Wehrpflicht und Landesgrenzen. Auf Dreggers Beerdigung sagte Helmut Kohl, dieser habe nicht morgens den Finger in die Luft gehalten, um zu fühlen, wo der Wind herkomme. Das konnte man sagen. Wenn Dregger eine These über die Wehrmacht äußerte, herrschte mitunter wochenlang Gesprächsbedarf in der Republik. Schon optisch stand er mit Seitenscheitel und Motivkrawatte für die alte, die westdeutsche CDU – für „Phase 1“. Die dauerte bis in die neunziger Jahre, als plötzlich eine Ostdeutsche namens Angela Merkel erschien. Da begann bei Zollmann „Phase 2“. Die schwere Zeit.

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