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Rede zu 70 Jahren Grundgesetz : Merkel sieht Deutschland als Einwanderungs- und Integrationsland

  • -Aktualisiert am

Sieht das Grundgesetz als Antwort auf die Frage, wie heutzutage mehr als achtzig Millionen Menschen „mit all ihren Unterschieden gut zusammenleben können“: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag in Berlin Bild: EPA

Deutschlands Erfolg entscheide sich an der Frage, wie es mit Einwanderung und Integration umgeht, ist die Kanzlerin überzeugt. Zum 70. Jahrestag der Unterzeichnung des Grundgesetzes ruft sie dazu auf, sich gegen Rassismus und Antisemitismus zu stellen.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich überzeugt gezeigt, dass der Umgang mit Einwanderung und Integration darüber entscheide, wie erfolgreich Deutschland ist. Es müsse „sowohl ein Einwanderungs- als auch ein Integrationsland sein“, dieses gelte „ganz besonders mit Blick auf gleiche Bildungs- und Ausbildungschancen“, sagte Merkel in einer Rede, die sie anlässlich des 70. Jahrestages der Unterzeichnung des Grundgesetzes am Dienstag in Berlin hielt. An dieser Frage „entscheidet sich wesentlich die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit unseres Landes“, äußerte die Kanzlerin.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Sie erinnerte daran, dass mittlerweile mehr als 19 Millionen Menschen in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte hätten. Das Grundgesetz erweise sich als das Programm für Zusammenhalt und Integration einer vielfältigen Gesellschaft. Es sei eine Antwort auf die Frage, wie heutzutage mehr als achtzig Millionen Menschen „mit all ihren Unterschieden gut zusammenleben können“. Merkel ordnete den großen Zustrom von Flüchtlingen vor allem aus Syrien und dem Irak in den Jahren seit 2015 ein in die Geschichte anderer Migrationsbewegungen in Richtung Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. „Wir haben mühsam verstanden, dass und wie die Einwanderung unser Land verändert und wie sie unser Land auch noch weiter verändern wird.“

          Merkel sprach auf Einladung der „Deutschlandstiftung Integration“. Diese ehrte am Dienstag die 97 Jahre alte Holocaust-Überlebende Margot Friedländer mit ihrem neu geschaffenen „Talisman“-Preis. Die in Berlin geborene Friedländer hatte den Aufenthalt im Konzentrationslager Theresienstadt überlebt und war gleich nach dem Krieg mit ihrem Mann nach New York ausgewandert. Kurz nach der Jahrtausendwende kam sie erstmals wieder nach Deutschland und beschloss bald darauf, nach Berlin zu ziehen, wo sie bis heute lebt. „Ich habe es noch keine Minute bereut“, sagte sie, als sie den Preis entgegennahm. Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff sagte: „Sie sind ein Leuchtturm, ein herausragendes Vorbild, eine Persönlichkeit unbeschreiblicher Größe.“ Merkel, die Schirmherrin der Stiftung ist, dankte der Geehrten dafür, dass sie als Zeitzeugin Gespräche besonders mit jungen Menschen führe. Es sei „alles andere als eine Selbstverständlichkeit“, dass sie bereit sei, ihre Geschichte zu erzählen.

          Die Bundeskanzlerin rief dazu auf, die Werte des Grundgesetzes zu schützen und sich gegen Rassismus, Antisemitismus, Hass und Gewalt zu stellen, „und zwar mit allen Mitteln“, die der Rechtsstaat zur Verfügung stelle. Oft seien es „die kleinen Nadelstiche“, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf die Probe stellten. Das fange bei der Wortwahl an, die „ausgrenzend und diffamierend wirken“ könne, sagte Merkel. „Nicht selten werden die Grenzen der Meinungsfreiheit auch sehr kalkuliert ausgetestet.“ Das müsse „auf unseren Widerstand“ stoßen.

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