https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/merkel-sah-sich-2021-machtlos-gegenueber-putin-18484825.html

Deutsche Russlandpolitik : Merkel sah sich machtlos gegenüber Putin

  • Aktualisiert am

Angela Merkel und Wladimir Putin im Juni 2019 in Japan Bild: dpa

Zum Ende ihrer Amtszeit sei sie nicht mehr zum russischen Präsidenten durchgedrungen, sagt Angela Merkel. Den habe nur Macht interessiert.

          1 Min.

          Die frühere Kanzlerin Angela Merkel hat einem „Spiegel“-Bericht zufolge am Ende ihrer Amtszeit keine Möglichkeit mehr gesehen, auf Russlands Präsident Wladimir Putin einzuwirken. Bei ihrem Abschiedsbesuch in Moskau im August 2021 habe sie das Gefühl gehabt: „Machtpolitisch bist du durch. Für Putin zählt nur Power“, zitiert das Magazin aus einem Gespräch mit Merkel.

          Merkel habe zudem gesagt, das Abkommen von Minsk, das 2014 einen ausufernden Krieg zwischen Russland und der Ukraine verhindern sollte, sei 2021 „ausgehöhlt“ gewesen. Sie habe sich im Sommer 2021 vergeblich zusammen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron um ein EU-Treffen mit Putin bemüht. Sie sei außenpolitisch „keinen Millimeter mehr weitergekommen. Nicht nur was die Ukraine angeht. Transnistrien und Moldau, Georgien und Abchasien, Syrien und Libyen.“ Es sei Zeit für einen neuen Ansatz gewesen.

          Sie sei sich mit dem damaligen amerikanischen Präsidenten Barack Obama in der Einschätzung von Putin einig gewesen. „Wir haben nach der Krimannexion Russlands (2014) alles versucht, um weitere Überfälle Russlands auf die Ukraine zu verhindern, und unsere Sanktionen im Detail abgestimmt“, wird Merkel zitiert. Sie war in den vergangenen Wochen öffentlich kritisiert worden, weil sie keine Fehler in der Russlandpolitik der vergangenen 16 Jahre eingeräumt habe.

          Merkel lobt den Widerstand der Ukrainer

          Durch den russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 sei eine „euphorische Phase“ der Geschichte abgeschlossen worden. „Heute steht man eher einer Welt gegenüber, die wieder voller Komplikationen ist“, sagte Merkel. „Geschichte wiederholt sich nicht, aber ich fürchte, dass sich Muster doch wiederholen. Das Grauen verschwindet mit den Zeitzeugen. Aber es verschwindet auch der Versöhnungsgeist.“

          Merkel lobte in dem Gespräch den Widerstand der Ukrainer. Sie glaube, dass Deutschland nicht als erste Nation modernste Panzer schicken sollte, weil man in Russland „mit Deutschland immer noch gut Stimmung machen kann“. Zugleich äußerte sie Respekt für den kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew. Dieser habe sich auf offener Bühne geweigert, Putins Krieg zu unterstützen. „Es kostet, denke ich, so einen Mann unfassbare Kraft, sich gegenüber Russland zu behaupten.“ In Zentralasien bewege sich etwas mit Blick auf Russland. Zugleich warnte Merkel davor, in der Außenpolitik zu hohe Ansprüche zu stellen. „Wir müssen aufpassen, dass wir unsere Latte nicht so hoch hängen, dass zum Schluss niemand übrig bleibt, der unseren Ansprüchen noch genügen kann.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Berlin, 29. August 2020: Polizisten sichern den Reichstag, nachdem es bei Protesten gegen die Corona-Politik zu einem Sturm auf das Gebäude gekommen war.

          Sorge um Sicherheit : Wie sicher ist das Reichstagsgebäude?

          Nach dem Schlag gegen einige „Reichsbürger“ wächst die Sorge im Bundestag. Vertreter der Ampel-Fraktionen diskutieren, ob das Parlament besser vor möglichen Angreifern geschützt werden muss.
          Im Vergleich: Welche Bank zahlt jetzt wie viel Zinsen?

          Zinswende : Welche Bank jetzt wie viel Zinsen zahlt

          So langsam kommt auch bei den großen Banken Fahrt in die Zinswende. Zahlen Commerzbank und Deutsche Bank für Tages- und Festgeld mehr als die Sparkasse von nebenan?
          Reichsbürger auf dem Marsch zum Reichstag? Es könnten auch Diplomaten darunter sein.

          Fraktur : Baerbock gegen Bismarck

          Warum zögert die Außenministerin noch damit, das ganze Auswärtige Amt umzubenennen? Sind auch Diplomaten „Reichsbürger“?
          Bayern-Chef Oliver Kahn bei der Jahreshauptversammlung der Münchener im Oktober 2022

          Krise bei DFL und DFB : Wo ist eigentlich der FC Bayern?

          Im deutschen Diskurs um die Zukunft des Fußballs gibt gerade Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund den Ton an, nicht Oliver Kahn vom FC Bayern. Das wirft Fragen auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.