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Abschied der Kanzlerin : Merkels Wagnis

  • -Aktualisiert am

Keine lahme Ente: Merkel am Donnerstag Bild: Reuters

Merkel nahm drei Jahre lang Abschied. Aus dem Wagnis wurde keine Katastrophe, aus der Kanzlerin keine lahme Ente. Das lag nicht nur an ihr. Merkel hatte Glück.

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          In diesen Tagen des nahenden Abschieds von der Macht erweckt die Bundeskanzlerin den Eindruck, sie sei mit sich im Reinen. Bisweilen spricht sie es sogar ausdrücklich aus. Merkel ist am Ende einer Strecke, die sie selbst als Wagnis bezeichnet hat, als sie 2018 im Herbst ankündigte, bei der Bundestagswahl in diesem September nicht noch einmal anzutreten.

          Wollten oder konnten ihre christdemokratischen Vorgänger Adenauer und Kohl nicht von der Macht lassen und kamen die CDU-Kanzler Erhard und Kiesinger überhaupt nur auf drei Amtsjahre, so nahm Merkel drei lange Jahre Abschied.

          Sehnsüchte richteten sich auf Merkel

          Dass aus dem Wagnis keine Katastrophe geworden ist, dass sie nicht zu der sprichwörtlichen lahmen Ente wurde, hat die erste Frau an der Spitze einer Bundesregierung nicht nur ihrer Leistung zu verdanken. Merkel hatte großes Glück. In den Unionsreihen geriet die Suche nach dem Nachfolgekandidaten (die Kandidatin hatte nicht lange durchgehalten) derart zu einem Schlingerkurs, dass viele Wähler ihre Sehnsüchte auf Merkel konzentrierten und dabei geflissentlich ausblendeten, dass diese nicht mehr zur Verfügung steht. Frühere Konkurrenz wie die SPD versinkt in den Umfragen, und die Hoffnungsträgerin der Grünen hielt als solche noch kürzer durch als Annegret Kramp-Karrenbauer in der CDU.

          Insofern konnte die Kanzlerin auch am Donnerstag beim letzten ihrer jährlichen Sommerauftritte vor der Bundespressekonferenz den Eindruck erwecken, mit sich im Reinen zu sein.

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          Zu vielen Herausforderungen – allen voran der Klimapolitik – sagte sie zwar, dass noch große Aufgaben zu bewältigen seien. Doch auf diesem Feld, ähnlich wie beim Blick auf die Corona-Pandemie, machte Merkel deutlich, dass die Bundesregierung und damit an erster Stelle natürlich sie selbst einiges erreicht hätten. Für diejenigen, die immer noch kritische Fragen hatten, ergänzte sie, dass die großen Herausforderungen nicht national zu lösen seien, sondern Deutschland Teil einer „Weltgesamtheit“ sei. Das Wagnis scheint für Merkel einigermaßen gut auszugehen.

          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

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