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Merkel-Nachfolge in der CDU : Jetzt beginnt der Dreikampf

Drei Kandidaten, aber nur ein Vorsitz: Annegret Kramp-Karrenbauer mit Friedrich Merz (l.) und Jens Spahn Bild: dpa

In Lübeck stellen sich Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn und Friedrich Merz am Abend bei der ersten von acht Regionalkonferenzen der Parteibasis. Wer kann wie punkten?

          Eine Merkel-Nachfolge, viele Anwärter: An diesem Donnerstagabend beginnt in Lübeck ein Schaulaufen, das es in der deutschen Politik so noch nicht gegeben hat. Mit Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn werben bei der ersten von acht Regionalkonferenzen gleich drei hochkarätige Kandidaten für den Parteivorsitz um die Unterstützung der Basis – ein Novum in der CDU-Geschichte und eine Frischzellenkur für eine Partei, die vor kurzem noch in Merkel-Endzeit-Stimmung gelähmt schien. Die Erwartungen an den Abend sind groß, schon weil er eine erste Ahnung davon vermitteln könnte, wer am 7. Dezember beim Finale in Hamburg die meisten Sympathiepunkte bei den 1001 Delegierten des Bundesparteitags gewinnen könnte.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          In den ersten Tagen, nachdem Angela Merkel Ende Oktober ihren Rückzug von der Parteispitze angekündigt hatte, sah vieles danach aus, als könnte Friedrich Merz die größten Chancen haben. Der Polit-Heimkehrer gilt vielen als Balsam für die gepeinigte konservative Seele – vielleicht schon deshalb, weil er einst eines der prominentesten männlichen Opfer von Merkels untrüglichem Machtinstinkt war. Wenn einer die CDU wieder profilieren und der AfD Wähler abspenstig machen könne, dann er, glauben viele im konservativen Parteiflügel. Schon kurz nach der Bekanntgabe seiner Kandidatur sprach sich eine Gruppe von CDU-Politikern aus Baden-Württemberg für Merz aus, und auch der dortige Landesverband der Werte-Union, einem Zusammenschluss konservativer Politiker in der CDU, schlug sich auf seine Seite. Als Merz nach Jahren der Abwesenheit zum ersten Mal wieder in der Bundespressekonferenz auftrat, um sich zu seiner Kandidatur zu erklären, war der Medienrummel so groß wie sonst nur bei Auftritten der Kanzlerin.

          Merz und die „gehobene Mittelschicht“

          Doch seither hat der Stern von Merz schon einiges an Glanz eingebüßt. Schon die Tatsache, dass der Jurist Merz nach seinem Ausstieg aus der Politik in die Wirtschaft ging und seit 2016 als Aufsichtsratsvorsitzender des Vermögensverwalters Blackrock Millionen verdiente, der mit Steuertricks krumme Geschäfte gemacht haben soll, warf bei manchem in der CDU die Frage auf, ob Merz wirklich ein unabhängiger Parteivorsitzender sein könne. Merz hat eine umfassende Aufklärung der Vorwürfe gegen Blackrock versprochen und angekündigt, im Falle seiner Wahl alle Aktivitäten in der freien Wirtschaft aufzugeben. Das Misstrauen, das seine einflussreiche Rolle bei manchem in der CDU geweckt hat, dürfte das aber kaum entkräften.

          Auch, dass Merz die AfD pauschal als „offen nationalsozialistisch“ bezeichnet hat, dürfte manchen ebenso vor den Kopf gestoßen haben wie das „Bild“-Interview, in dem er sich auf die Frage, ob er Millionär sei, als Teil „der gehobenen Mittelschicht in Deutschland“ und nicht „dieser kleinen sehr vermögenden, sehr wohlhabenden Oberschicht“ bezeichnete. Das weckte Erinnerungen an den früheren SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, der 2013 im Bundestagswahlkampf über Wein für „nur fünf Euro“ gelästert und damit ebenfalls nicht gerade den Eindruck allzu großer Volksnähe geweckt hatte. Immerhin fängt ein trinkbarer Wein für Merz bei 4,50 Euro an, wie er jetzt – offenkundig mit dem Gedanken an Steinbrück – erklärte.

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