https://www.faz.net/-gpf-9keka

Einsatz für Klimaschutz : Merkel lobt Schülerdemos

  • Aktualisiert am

Schüler demonstrieren am Freitag in Hamburg für den Klimaschutz. Bild: AFP

„Ich unterstütze sehr, dass Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen und dafür kämpfen“, sagt die Kanzlerin. Sie bittet die jungen Leute allerdings um etwas Geduld.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich hinter die wöchentlichen Schülerdemonstrationen für mehr Klimaschutz gestellt. „Ich unterstütze sehr, dass Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen und dafür kämpfen“, sagte die CDU-Politikerin in ihrem am Samstag veröffentlichten Videopodcast. „Ich glaube, dass das eine sehr gute Initiative ist.“ Die Klimaschutzziele seien nur erreichbar, wenn es Rückhalt in der Gesellschaft gebe.

          Schüler und Studenten in Deutschland und aller Welt demonstrieren mittlerweile jeden Freitag unter dem Motto „FridaysForFuture nach dem Vorbild der jungen schwedischen Aktivistin Greta Thunberg. Thunberg nahm diese Woche an einem Protestmarsch mit mehreren tausend Teilnehmern in Hamburg teil. „Politiker und Leute an der Macht sind schon zu lange damit durchgekommen, nichts zu tun, um die Klimakrise zu bekämpfen“, sagte sie dort. „Wir werden sicherstellen, dass sie damit nicht länger durchkommen.“

          Das Engagement hat eine Debatte um die Schulpflicht ausgelöst. Merkels Parteikollegin Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) pochte zuletzt auf die Einhaltung. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) verteidigte die Demos, betonte unter Verweis auf die Schulpflicht aber auch, das sei nicht dauerhaft machbar. Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) war dafür, diesmal ein Auge zuzudrücken, beharrte grundsätzlich aber auch auf dem Schulbesuch. „Sonst fällt künftig jeden Tag aus irgendeinem Grund die Schule aus – Probleme und Anlässe gibt es genug in der Welt.“

          Die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Katja Suding schrieb in einem Gastbeitrag für die „Nordwest-Zeitung“, sie respektiere das Engagement zwar. „Es spielt aber auch eine wichtige Rolle, in welcher Form man sich politisch engagiert. In Deutschland gilt die Schulpflicht; und zwar für alle und unabhängig von der politischen Einstellung.“ Die jungen Menschen sollten besser in ihrer Freizeit auf die Straße gehen.

          Justizministerin Katarina Barley (SPD) lobte die Demonstranten hingegen ausdrücklich. „Dass die Jugendlichen jetzt für den Klimaschutz demonstrieren und sich so engagieren, ist doch großartig. Das räumt mit dem Vorurteil auf, dass junge Leute nicht aktiv genug wären und sich nicht politisch engagieren“, sagte sie der „Passauer Neuen Presse“. „Diese Proteste, bei denen Schülerinnen und Schüler Freitag für Freitag für ihre Zukunft auf die Straße gehen, verdienen hohen Respekt: Solche jungen Leute wünschen wir uns.“ Sie plädierte zudem für das Wahlrecht ab 16 statt bislang 18 Jahren.

          In der Sache warb Merkel bei den Marschierern um Verständnis für die Dauer politischer Prozess. „Ich weiß, dass die Schülerinnen und Schüler sich manches schneller wünschen, zum Beispiel den Ausstieg aus der Kohle“, erklärte sie. Als Regierungschefin erinnere sie aber daran, dass vieles zu bedenken sei. „Wir müssen Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft auf der einen Seite mit den Zielen des Klimaschutzes versöhnen.“

          Die Kohlekommission hatte ein Konzept für einen Kohleausstieg vorgelegt. Die Umsetzung liegt aber bei der Politik. „Man hat sich entschieden, bis 2038 planbar und berechenbar den Kohleausstieg zu bewältigen in Deutschland“, erklärte Merkel. „Das scheint aus der Perspektive der Schülerinnen und Schüler vielleicht sehr lange, aber es wird uns sehr fordern und dafür werbe ich, auch dies zu verstehen.“

          Weitere Themen

          Greta spricht in New York

          Klimastreik in Amerika : Greta spricht in New York

          An hunderten Orten sind auch in den Vereinigten Staaten Schüler und andere Demonstranten auf die Straße gegangen. Etwa 250.000 Menschen waren es in New York, wo eine bestimmte Berufsgruppe allerdings nicht teilnehmen durfte.

          „Wir müssen der Wissenschaft folgen“ Video-Seite öffnen

          Merkel bei UN-Klimagipfel : „Wir müssen der Wissenschaft folgen“

          Kanzlerin Angela Merkel hat deutsche Hilfen beim Erhalt des Regenwaldes weltweit zugesagt. Dabei sei wichtig, nicht nur auf den Amazonas, sondern auch das Kongo-Becken zu schauen, sagte Merkel auf dem Amazonas-Gipfel am Rande der UN-Vollversammlung in New York.

          Topmeldungen

          Thunberg beim Klimagipfel : „Wie könnt Ihr es wagen!“

          Greta Thunberg kritisiert beim UN-Klimagipfel in New York die zögerliche Haltung der Politik beim Klimaschutz und reicht eine Menschenrechtsbeschwerde ein. Bundeskanzlerin Merkel antwortet: „Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört.“

          Pendlerpauschale : Habecks Eigentor

          Es sei doch sympathisch, wenn Politiker mal zugeben, dass sie keine Ahnung haben, heißt es. Das stimmt – bei Robert Habeck und der Pendlerpauschale aber ist es fatal.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.