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Merkel in Zugzwang : Die dementierte Kanzlerin

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Die Silvesternacht vor dem Kölner Dom: Ein Wendepunkt auch für Angela Merkel? Bild: dpa

Die sexuellen Übergriffe von Köln haben vieles verändert – auch die Diktion der Kanzlerin. Das „freundliche Gesicht“ des Sommers musste im Winter einem „unerträglichen Gefühl“ weichen.

          Welch ein Bruch im Tenor, in der Diktion, im „Wording“ der Kanzlerin, wie das neuerdings im Sprachgebrauch der Kommunikationsberater heißt. Was für ein Unterschied der Lage und der Stimmungen im Land, jedenfalls derjenigen, die Angela Merkel empfunden und/oder gutgeheißen hatte. Erst das Willkommenheißen der Flüchtlinge vom Spätsommer. Jetzt Warnungen und Drohungen im Winter? Es wirkt kaum noch als Ironie der Geschichte: Zentralstationen, die Bahnhöfe deutscher Großstädte im Mittelpunkt der Ereignisse, Wahrnehmungen und Deutungen. München und Köln. Auch die Merkels?

          Es war im September. Zu Gast im Bundeskanzleramt in Berlin Werner Faymann, Sozialdemokrat, Bundeskanzler der Republik Österreich. Wenige Tage zuvor hatten Merkel und Faymann, wie das in der knappen Zusammenfassung seither heißt, die Grenzen geöffnet. Bilder, jeden Tag, von Menschen, die über die seither sogenannte Balkanroute nach Mitteleuropa strebten. Zehntausende. Täglich.

          Eine Debatte war losgebrochen, mit welchen Mitteln der Flüchtlingszustrom gestoppt werden könne. Merkel: „Ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn wir jetzt noch anfangen müssen, uns dafür zu entschuldigen, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.“ Merkel sagt auch: „Die Bilder, die um die Welt gingen, waren die von den Bürgerinnen und Bürgern, die am Morgen nach dieser Entscheidung die Menschen in München und anderswo am Bahnhof empfangen haben, die ganz selbstverständlich geholfen haben – die vielen Tausenden. Da hat die Welt gesagt: Das ist aber eine schöne Geste. Das kam aus dem Herzen der Menschen.“

          Nun im Januar, ziemlich genau eine Woche nach der Schreckensnacht von Köln, nach den Exzessen zwischen Hauptbahnhof und Kathedrale. Zu Besuch im Kanzleramt ist Dacian Ciolos, Ministerpräsident Rumäniens. Merkel sagt: „Das Gefühl – von in diesem Fall Frauen –, sich völlig schutzlos ausgeliefert zu fühlen, ist auch für mich persönlich unerträglich.“

          Eine Formel im merkelschen Deutsch

          Sie sagt auch: „Natürlich ergeben sich aus dem, was dort passiert ist, einige sehr ernsthafte Fragen, die über Köln hinausgehen.“ Und schließlich: „Aber wir müssen auch immer und immer wieder über die Grundlagen unseres kulturellen Zusammenlebens in Deutschland sprechen.“ Es folgt eine Formel im merkelschen Deutsch: „Dabei muss eben immer wieder überprüft werden, ob wir, was Ausreisenotwendigkeiten oder Ausweisungen aus Deutschland anbelangt, schon alles getan haben, was notwendig ist, um hier klare Zeichen an diejenigen zu setzen, die nicht gewillt sind, unsere Rechtsordnung einzuhalten.“

          In Heidenau: zwischen Tillich (rechts) und Seiters

          In den vier Monaten dazwischen hat sich in den Umfragen der Demoskopen, wer die wichtigen, kompetenten und beliebten Politiker – Merkel und Steinmeier, Schäuble und Seehofer und so fort – seien, etwas ganz und gar Ungewöhnliches ereignet. Der Aufstieg eines Mannes war zu verzeichnen, der in der Politik, wenn sie bedeutend und mithin nachhaltig wird, nichts zu sagen hat. Eines Mannes, der nicht Partei- und nicht Fraktionsvorsitzender ist. Und der auch nicht dem Bundeskabinett angehört. Von Wolfgang Bosbach ist die Rede.

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