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Offener Brief : Altenahr beschwert sich bitter bei Merkel

Ein völlig zerstörtes Haus am Ortseingang von Altenahr am 27. Juli 2021 Bild: dpa

In einem Brief an Kanzlerin Merkel und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Dreyer fordern Betroffene eine Perspektive für das Ahrtal. Die bisherigen Hilfen würden nicht ansatzweise ausreichen.

          2 Min.

          Vom Hochwasser betroffene Ortschaften fordern von der Bundesregierung die Einsetzung eines Sonderbeauftragten für den Wiederaufbau des Ahrtals. Das geht aus einem offenen Brief der Verbandsgemeinde Altenahr an Bundeskanzlerin Angela Merkel und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hervor. Der Brief, der am Wochenende verschickt wurde, liegt der F.A.Z. vor.

          Tobias Schrörs
          Politikredakteur.

          „Die Bundesregierung muss einen Sonderbeauftragten mit sehr weitgehenden Kompetenzen für den Wiederaufbau des Ahrtals ernennen“, schreiben die Vertreter der Kommunen; dazu zählen die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr, Cornelia Weigand, sowie Albrecht Freiherr von Boeselager und die zugehörigen Ortsbürgermeister.

          Angesichts des Ausmaßes der Zerstörung sei „klar, dass all die bisherigen Hilfen und deren Organisation nicht ansatzweise ausreichen werden“. Gleichwohl würdigen sie die Spendenbereitschaft und erwähnen auch die Bemühungen von Bund und Land.

          Betrieb von Schulen und Kitas ermöglichen

          Der Sonderbeauftragte müsse einen Wiederaufbauplan entwickeln und dessen Umsetzung leiten. Dieser Plan soll unter anderem neun Punkte berücksichtigen. Zum einen müsse es „jetzt sehr schnell eine Zusage geben“, wann mit Strom, Wasser, der Abwasserentsorgung zu rechnen sei und von welchem Zeitpunkt an wieder geheizt werden könne. Zudem sei ein schneller Wiederaufbau der Verkehrsinfrastruktur erforderlich. In dem Brief wird die Sorge deutlich, dass Bürger abwandern könnten. „Ohne eine bestehende Infrastruktur von Straße und Schiene werden viele nicht im Ahrtal bleiben“, heißt es darin. Schließlich arbeiteten viele Bewohner des Ahrtals in Bonn, Köln und im Umland.

          Die Unterzeichner verweisen darauf, dass viele Schulen und Kitas auch nach den Sommerferien den Betrieb in den „weitgehend zerstörten Gebäuden“ nicht wiederaufnehmen könnten, Krankenhäuser seien „kaum einsatzbereit“. Eine „klare Vorstellung einer guten Notversorgung“ müsse schnell aufgezeigt werden.

          Ein völlig zerstörtes Auto liegt nach der Hochwasserkatastrophe im Flussbett der Ahr in Altenahr am 27. Juli 2021
          Ein völlig zerstörtes Auto liegt nach der Hochwasserkatastrophe im Flussbett der Ahr in Altenahr am 27. Juli 2021 : Bild: dpa

          Zudem fordern die Unterzeichner dazu auf, Sicherheit für zukünftige Hochwasser zu schaffen. „Eine zeitige Warnung hat es dieses Mal oft nicht gegeben“, schreiben sie. „Das darf sich nicht wiederholen!“ Es brauche ein „verlässliches, differenziertes Frühwarnsystem und einen geübten Katastrophenschutz“.

          Ein weiterer Punkt des Wiederaufbauplans sind „hochwassertaugliche Bauvorhaben“. Brücken und einzelne Gebäude dürften „nur so wieder aufgebaut werden, dass sie nicht zu tödlichen Staufallen werden“, heißt es im Brief. Experten sollten Bauweisen vorschlagen, die bei zukünftigem Starkregen Zerstörung verhindern oder zumindest abschwächen könnten. Für Bewohner in Überflutungsgebieten sollten neue Baugebiete ausgewiesen werden. Dazu müssten „sehr schnell ‚Sonderbaugebiete‘ für den Bau neuer Häuser geschaffen werden.

          Auch im Hinblick auf die steigenden Kosten für den Versicherungsschutz im Ahrtal appellieren die Unterzeichner des Briefs: „Sorgen Sie für die Möglichkeit, dass alle sich zu akzeptablen Konditionen versichern können.“

          Schließlich wird im Brief „schnelle unkomplizierte finanzielle Aufbauhilfe“ für Betriebe in Weinbau und Tourismus gefordert. Die angedachten steuerlichen Maßnahmen reichten nicht, heißt es. Ferner soll der Wiederaufbauplan auch Privatpersonen berücksichtigen. „Viele haben alles verloren, teilweise müssen sogar Kredite für Weggeschwemmtes abbezahlt werden.“ Gefordert wird eine „sinnvolle Kombination“ aus Transferleistungen, Förderkrediten und Steuererleichterungen.

          Der letztgenannte Punkt für den Wiederaufbauplan ist das Ansinnen, ein Programm zur Traumabewältigung auf den Weg zu bringen. „Nahezu alle im Ahrtal sind schwer traumatisiert“, heißt es im Brief. „Die schrecklichen Bilder werden uns bis ans Lebensende begleiten.“

          Update: Der Brief wurde mittlerweile auf der Internetseite der Verbandsgemeinde Ahrweiler veröffentlicht (siehe hier).

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