https://www.faz.net/-gpf-9f21l

28 Jahre Wiedervereinigung : Merkel: Deutsche Einheit ist langer Prozess

  • Aktualisiert am

Bei dem Festakt traf die Kanzlerin sich auch mit einigen Bürgern und stand für Selfies bereit. Bild: EPA

Die Kanzlerin betont bei den Feierlichkeiten in Berlin, die Einheit erfordere weiterhin „zuzuhören, aufeinander zuzugehen, nicht nachzulassen“. Politiker und Kirchen fordern indes mehr gesellschaftlichen Dialog.

          Für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist die deutsche Einheit noch nicht vollendet. 28 Jahre nach der Wiedervereinigung „wissen wir, dass das, was wir deutsche Einheit nennen, ein Prozess ist“, sagte Merkel am Mittwoch am Rande des Festaktes zum Tag der Deutschen Einheit in Berlin. Die Einheit sei ein „langer Weg, der immer wieder herausfordert zuzuhören, aufeinander zuzugehen, nicht nachzulassen“.

          Auch 28 Jahre nach der staatlichen Vereinigung sei es immer wieder eine Freude diesen Tag zu begehen, besonders in der Bundeshauptstadt, sagte Merkel weiter. Sie persönlich erinnere sich immer wieder voller Emotionen an den Tag der Deutschen Einheit und das, was vorher geschehen sei. Die in Ostdeutschland aufgewachsene Bundeskanzlerin erinnerte in diesem Zusammenhang an die friedliche Revolution, die ganz stark von mutigen Menschen in der DDR ausgegangen sei, aber auch das Glück, dass es Helmut Kohl als „Kanzler der Einheit“ geglückt sei, die Einheit in Frieden herzustellen.

          Der 28. Jahrestag der Deutschen Einheit wurde am Mittwoch mit einem ökumenischen Gottesdienst im Berliner Dom und einem Festakt in der Staatsoper Unter den Linden gefeiert. Als Redner vorgesehen waren Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Ausrichter der zentralen Feierlichkeiten ist Berlin, das in diesem Jahr turnusgemäß den Vorsitz im Bundesrat innehat. Bereits seit Montag findet am Brandenburger Tor ein dreitägiges Bürgerfest statt, auf dem sich Bundesländer, Institutionen, Vereine und Verbände präsentieren.

          „Gesellschaft muss mit sich selbst ins Gespräch kommen“

          Angemeldet sind zudem zahlreiche Demonstrationen in Berlin. Mehrere Kundgebungen richten sich gegen einen Aufzug der rechtspopulistischen Vereinigung „Wir für Deutschland“, die zu einem „Tag der Nation“ aufgerufen hatte.

          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach sich indes für einen stärkeren gesellschaftlichen Dialog in Deutschland aus. „Wir müssen nach vorne schauen und die Gesellschaft zusammenhalten“, sagte er nachdem ökumenischen Gottesdienst bei einer Begegnung mit Bürgern. „Das Wichtigste ist, dass die Gesellschaft mit sich selbst ins Gespräch kommt.“

          Bundesratspräsident Michael Müller (SPD) sieht im Einheitsjubiläum sowohl einen Tag der Freude als auch einen Tag der Mahnung. „Es ist ein fröhlicher Tag, der uns aber auch gerade in diesen Zeiten mahnt, für unsere Demokratie einzustehen und zu kämpfen“, erklärte Berlins Regierender Bürgermeister via Facebook. „Jeder und jeden Tag. Gegen Ausgrenzung, gegen Hass für ein offenes und tolerantes Land.“

          Auch Kirchenvertreter mahnten ein stärkeres Miteinander an. „Die Mauer, die uns trennte, ist Geschichte. Dafür entstehen heute an anderer Stelle Fliehkräfte, die unsere Gesellschaft auseinander treiben wollen“, sagte der evangelische Berliner Bischof Markus Dröge bei einem ökumenischen Gottesdienst zu Beginn der Feierlichkeiten. „Einheit bedeutet deshalb heute nicht nur die Einheit von Ost und West, sondern auch die soziale Einheit unseres Landes. Nur wenn wir alle mitnehmen, sichern wir den sozialen Frieden in unserem Land.“ Der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch beklagte in seiner Predigt „Verhärtungen in unserer Gesellschaft“ sowie „Empörungswellen im Populismus“. Menschen und Gesellschaft müssten sich wieder als Lernende verstehen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson

          Brief an Tusk : Johnson will Brexit-Deal neu verhandeln

          Bisher wollte der britische Premier sein Land auch ohne Deal aus der EU führen. Nun schreibt er an EU-Ratspräsident Tusk, ein Abkommen habe „oberste Priorität“. Zugleich fordert er, die Backstop-Regelung zu streichen – und schlägt Alternativen vor.
          Unser Sprinter-Autor: Timo Steppat

          F.A.Z.-Sprinter : Eine Ursula-Koalition für Italien?

          In Italiens Regierungskrise entscheidet sich, ob es Neuwahlen gibt, „Fridays for Future“ feiert Geburtstag – und in Brandenburg denkt man über eine Kenia-Koalition nach. Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.