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Merkels Sommerpressekonferenz : Mit müden Augen und wachem Lächeln

Angela Merkel demonstriert in ihrer Pressekonferenz am Freitag in Berlin Geschäftsmäßigkeit. Bild: dpa

Die Bundeskanzlerin demonstriert in ihrer traditionellen Sommerpressekonferenz Geschäftsmäßigkeit. Alle Fragen bekommen eine unaufgeregte Antwort. Nur einmal schimmert ein bisschen Stolz auf.

          Was ist die wichtigste Eigenschaft, um den Arbeitsmarathon eines Bundeskanzlers zu bewältigen? „Dass man immer neugierig auf Menschen bleibt“, sagt Angela Merkel, und demonstriert es neunzig Minuten lang selbst in ihrer Jahrespressekonferenz, in der die Berliner Politikjournalisten auf sie einfragen. Warum es im Klimakabinett bei der CO2-Senkung wieder keine Fortschritte gegeben habe? Wann es endlich zu einer europäischen Flüchtlingslösung komme? Ob die Union in den Umfragen jemals wieder auf mehr als 30 Prozent klettern werde? Die anwesenden ausländischen Journalisten im großen Saal der Bundespressekonferenz wollen Antworten haben zur russischen Finanzierung italienischer Rechtsparteien, zum Machtwechsel in Griechenland, zur Zukunft des iranischen Atomabkommens und zu Hetztiraden Donald Trumps.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Mit müden Augen und wachem Lächeln gibt die Kanzlerin Antwort um Antwort und demonstriert damit eine Geschäftsmäßigkeit, die stärker wirkt als es alle Beteuerungen täten. Und während im politischen Berlin inzwischen viele zweifeln, ob die Bundesregierung in der Gestalt der großen Koalition das Enddatum der Wahlperiode im Herbst 2021 erreicht, steckt Merkel die Verwerfungen der kopflosen SPD und einige Irritationen in der eigenen Partei in die Normalitätsschublade.

          Hohes Interesse an ihrer Gesundheit

          Sie habe hohen Respekt vor dem Mechanismus der Kandidatenfindung für den SPD-Parteivorsitz, sagt sie, sie zählt die Gesetze und Maßnahmen auf, welche die Regierung schon alle verabredet und verabschiedet habe, und nennt weitere Vorhaben, die noch anzupacken seien, neben dem Klimaschutz gehöre die Grundrente dazu. „Da wo ein guter Wille ist, haben sich noch immer Wege gefunden“, stellt die Kanzlerin fest, und nennt Streitereien, Differenzen und unterschiedliche Positionen „normal“ in einer Koalition, die ja aus „drei verschiedenen Parteien“ bestehe.

          Auch die Fragen, die ihre eigene Durchhaltefähigkeit betreffen, bekommen eine unaufgeregte Antwort. Die Kanzlerin war in den vergangenen Wochen einige Male bei Protokollterminen im Stehen von Zitteranfällen heimgesucht worden und nimmt an solchen Veranstaltungen inzwischen im Sitzen teil. Es sei ja wichtig, „dass ich mich zu der Verantwortung bekenne, als Regierungschefin leistungsfähig zu sein“, sagt sie, und fügt zur Befestigung der Glaubwürdigkeit hinzu, sie habe ja auch persönlich ein hohes Interesse an ihrer Gesundheit – denn sie hoffe ja, dass es nach dem Ende ihrer Amtszeit „ein neues Leben“ für sie geben werde.

          Nur einmal schimmert in all der Routiniertheit und Abgeklärtheit ein wenig Stolz durch, verbunden mit einem Seitenhieb auf den respektierten Koalitionspartner SPD. Da geht es um die Wahl Ursula von der Leyens an die Spitze der EU-Kommission. Das sei schon etwas gewesen, „was mich positiv bewegt“, sagt Merkel. Und sie hat auch parat, dass es das erste Mal seit mehr als 50 Jahren sei, dass eine Deutsche diesen Posten wieder besetzte, während Italien immerhin schon vier Mal das Amt des EU-Kommissionschefs versehen habe. „Wir müssen ja nicht übermäßig stolz sein darauf“, stellt sie weiter fest, „aber dass wir die einzigen sind, die deswegen griesgrämig herumlaufen, das muss ja auch nicht sein“.

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