https://www.faz.net/-gpf-99l59

Merkels Amerikareise : Kein Geschenk in Washington

  • -Aktualisiert am

Keine wirklich zufriedenen Gesichter – auf beiden Seiten: Angela Merkel und Donald Trump Bild: Reuters

Angela Merkel ist ohne Aplomb nach Washington gereist. Es bleibt unklar, ob sie Donald Trump von einem Handelskrieg und der Aufkündigung des Atomabkommens abbringen konnte.

          Dieses Mal ist alles glatt gelaufen. Dieses Mal gab es kein Missverständnis zwischen dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und Bundeskanzlerin Angela Merkel wie vor einem Jahr. Dieses Mal reichte er ihr im Oval Office des Weißen Hauses ohne Umstände die Hand, als sie am Freitagmittag eintraf. Trump schaute nicht starr wie beim letzten Mal, gar unfreundlich, sondern zeigte gute Miene. Er gratulierte Merkel zum Sieg bei der Bundestagswahl, rühmte die Qualität der deutsch-amerikanischen Beziehungen und kündigte an, was man an wichtigen Dingen in den Mittagsstunden zu besprechen habe.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Trump gab im Oval Office seiner Freude Ausdruck über das Treffen der politischen Führungen Süd- und Nordkoreas, erwähnte kurz, dass er mit dem südkoreanischen Regierungschef Moon in Kontakt sei. Das war das große Thema in Washington an jenem Tag, als die Kanzlerin zu Besuch war. Nebenan war der Tisch gedeckt, an dem man essen und reden würde.

          Angela Merkel guckte ernst, fast etwas düster, nur kurz lächelte sie zu Trumps Worten. Als er sagte, was alles zu besprechen sei, ließ ihre Mimik Zustimmung erkennen. Mehr nicht. Vermutlich war sie einfach froh, dass es dieses Mal zumindest über das Händeschütteln keine Aufregung geben würde. Man darf Angela Merkel unterstellen, dass sie ausführliche öffentliche Erörterungen über die Dauer des Händeschüttelns von Politikern zu den weniger wichtigen Begleiterscheinungen ihres Kanzlerinnendaseins zählt: Gehört eben dazu. Das gilt besonders wenn es – wie am Freitag – zu Donald Trump geht, einem Mann, von dem die deutsche Regierungschefin weiß, dass er ein Meister von Inszenierungen ist. Mal drückt er einem Gast die Hand demonstrativ fest, mal schiebt er einen anderen Staatenlenker zur Seite, als drängele er sich an der Supermarktkasse nach vorne, mal schnipst er einem anderen Präsidenten vertraulich etwas vom Jackett.

          Dieses Mal klappt immerhin der „Handshake“

          Merkel hat selbst schon ihr kleines Waterloo erlebt. Als sie im Frühjahr des vorigen Jahres zum Antrittsbesuch beim kurz zuvor ins Amt gekommenen amerikanischen Präsidenten gereist war, reagierte dieser vor einer halben Kompanie Journalisten zunächst nicht auf Merkels Aufforderung, sich die Hand zu geben. Warum auch immer. Das gab eine riesige mediale Aufregung. Doch in mehr als einem Jahr Donald Trump hat Angela Merkel genug Belege finden können zur Bestätigung ihrer These, dass der Grad der Tuchfühlung mit Trump nichts über die Durchsetzung der politischen Ziele seiner Gäste aussagt. Hatte der japanische Premierminister Shinzo Abe nicht zweimal mit Trump auf dem Golfplatz gestanden? Von den amerikanischen Zöllen wurde sein Land trotzdem nicht verschont.

          Nun spielt Angela Merkel nicht Golf. Aber einen Baum könnte sie schon pflanzen. Bei einer solchen gärtnerischen Großtat hatten sich Trump und Emmanuel Macron fotografieren lassen, als der französische Präsident mit seiner Gattin diese Woche für drei Tage zum Staatsbesuch in Washington war. Da war längst bekannt, dass Merkel am Freitagmittag nur zwei Stunden mit Trump bekäme. Das ist so schlecht zwar auch wieder nicht, wenn man bedenkt, wie knauserig Merkel in der Regel beim Zuteilen von Gesprächszeit an ihre Gäste ist. Aber im Vergleich zu den drei Tagen Macrons war es eben doch nur ein längerer Wimpernschlag.

          Weitere Themen

          Union beendet Europawahlkampf Video-Seite öffnen

          Merkel ist auch da : Union beendet Europawahlkampf

          Beim Abschluss des Europawahlkampfs der konservativen EVP in München ist Bundeskanzlerin Angela Merkel mit von der Partie. Das jähe Ende der Koalition aus ÖVP und FPÖ in Österreich ist auch hier Thema.

          Macron reagiert im Livestream Video-Seite öffnen

          „Angriff“ in Lyon : Macron reagiert im Livestream

          In der Fußgängerzone der französischen Stadt Lyon ist offenbar eine Paketbombe explodiert. In einem Live-Interview auf YouTube und Facebook während einer Wahlveranstaltung der Partei La Republique En March sprach Macron von einem Angriff.

          Topmeldungen

          Amerikas Präsident Donald Trump und sein Außenminister Mike Pompeo

          Saudi-Arabien : Trump umgeht Kongress bei Waffenverkäufen

          Die amerikanische Regierung will Waffen ohne Zustimmung des Kongresses an Saudi-Arabien liefern. Außenminister Mike Pompeo sieht darin eine Abschreckung „iranischer Aggressionen“. Die Demokraten befürchten einen Einsatz der Bomben im Jemen-Krieg.
          Der russische Präsident Wladimir Putin und Viktor Orban, Ministerpräsident von Ungarn, geben sich während einer gemeinsamen Pressekonferenz in Moskau die Hand.

          Nach Ibiza-Video : Orbán und Putin wenden sich von Strache ab

          In seinem Ibiza-Video hat Heinz-Christian Strache den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán als sein Vorbild bezeichnet. Doch der hat sich nun von Österreichs ehemaligem Vizekanzler distanziert. Auch Putin wendet sich von Strache ab.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.