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Merkels Amerikareise : Kein Geschenk in Washington

  • -Aktualisiert am

Keine wirklich zufriedenen Gesichter – auf beiden Seiten: Angela Merkel und Donald Trump Bild: Reuters

Angela Merkel ist ohne Aplomb nach Washington gereist. Es bleibt unklar, ob sie Donald Trump von einem Handelskrieg und der Aufkündigung des Atomabkommens abbringen konnte.

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          Dieses Mal ist alles glatt gelaufen. Dieses Mal gab es kein Missverständnis zwischen dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und Bundeskanzlerin Angela Merkel wie vor einem Jahr. Dieses Mal reichte er ihr im Oval Office des Weißen Hauses ohne Umstände die Hand, als sie am Freitagmittag eintraf. Trump schaute nicht starr wie beim letzten Mal, gar unfreundlich, sondern zeigte gute Miene. Er gratulierte Merkel zum Sieg bei der Bundestagswahl, rühmte die Qualität der deutsch-amerikanischen Beziehungen und kündigte an, was man an wichtigen Dingen in den Mittagsstunden zu besprechen habe.

          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Trump gab im Oval Office seiner Freude Ausdruck über das Treffen der politischen Führungen Süd- und Nordkoreas, erwähnte kurz, dass er mit dem südkoreanischen Regierungschef Moon in Kontakt sei. Das war das große Thema in Washington an jenem Tag, als die Kanzlerin zu Besuch war. Nebenan war der Tisch gedeckt, an dem man essen und reden würde.

          Angela Merkel guckte ernst, fast etwas düster, nur kurz lächelte sie zu Trumps Worten. Als er sagte, was alles zu besprechen sei, ließ ihre Mimik Zustimmung erkennen. Mehr nicht. Vermutlich war sie einfach froh, dass es dieses Mal zumindest über das Händeschütteln keine Aufregung geben würde. Man darf Angela Merkel unterstellen, dass sie ausführliche öffentliche Erörterungen über die Dauer des Händeschüttelns von Politikern zu den weniger wichtigen Begleiterscheinungen ihres Kanzlerinnendaseins zählt: Gehört eben dazu. Das gilt besonders wenn es – wie am Freitag – zu Donald Trump geht, einem Mann, von dem die deutsche Regierungschefin weiß, dass er ein Meister von Inszenierungen ist. Mal drückt er einem Gast die Hand demonstrativ fest, mal schiebt er einen anderen Staatenlenker zur Seite, als drängele er sich an der Supermarktkasse nach vorne, mal schnipst er einem anderen Präsidenten vertraulich etwas vom Jackett.

          Dieses Mal klappt immerhin der „Handshake“

          Merkel hat selbst schon ihr kleines Waterloo erlebt. Als sie im Frühjahr des vorigen Jahres zum Antrittsbesuch beim kurz zuvor ins Amt gekommenen amerikanischen Präsidenten gereist war, reagierte dieser vor einer halben Kompanie Journalisten zunächst nicht auf Merkels Aufforderung, sich die Hand zu geben. Warum auch immer. Das gab eine riesige mediale Aufregung. Doch in mehr als einem Jahr Donald Trump hat Angela Merkel genug Belege finden können zur Bestätigung ihrer These, dass der Grad der Tuchfühlung mit Trump nichts über die Durchsetzung der politischen Ziele seiner Gäste aussagt. Hatte der japanische Premierminister Shinzo Abe nicht zweimal mit Trump auf dem Golfplatz gestanden? Von den amerikanischen Zöllen wurde sein Land trotzdem nicht verschont.

          Nun spielt Angela Merkel nicht Golf. Aber einen Baum könnte sie schon pflanzen. Bei einer solchen gärtnerischen Großtat hatten sich Trump und Emmanuel Macron fotografieren lassen, als der französische Präsident mit seiner Gattin diese Woche für drei Tage zum Staatsbesuch in Washington war. Da war längst bekannt, dass Merkel am Freitagmittag nur zwei Stunden mit Trump bekäme. Das ist so schlecht zwar auch wieder nicht, wenn man bedenkt, wie knauserig Merkel in der Regel beim Zuteilen von Gesprächszeit an ihre Gäste ist. Aber im Vergleich zu den drei Tagen Macrons war es eben doch nur ein längerer Wimpernschlag.

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