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Merkel bei Macron : Abstecher auf die Trutzburg am Meer

  • -Aktualisiert am

Emmanuel Macron kommt hinter Angela Merkel (CDU), zur Pressekonferenz in der Sommerresidenz des Staatschefs, dem Fort de Bregancon. Bild: dpa

Deutsch-französische Spitzentreffen in der Sommerresidenz des französischen Präsidenten haben Seltenheitswert. Doch beim Treffen von Macron und Merkel ging es um weit mehr als Symbolik

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          Als Angela Merkel am Donnerstag in der Nachmittagssonne vor der deutschen, französischen und europäischen Flagge im Innenhof der Festung von Bréganon steht, sieht sie ganz so aus, als ermesse sie die Außergewöhnlichkeit ihres Besuches. „Dies ist ein ganz besonderer Tag für mich“, sagt sie später bei der Pressekonferenz. „Außergewöhnlich“, so hat der Elysée-Palast die Einladung der Bundeskanzlerin in der Sommerresidenz des Präsidenten genannt. Sie zeuge von „der Stärke, der Kraft und der Qualität der deutsch-französischen Beziehung“.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die Ehre einer Einladung in die präsidiale Trutzburg im Mittelmeer war bislang nur Bundeskanzler Helmut Kohl zuteilgeworden. Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme Präsident François Mitterrands und Kohls in hellen Sommeranzügen hängt bis heute an einer Wand der Festung. Am 24. August 1985, elf Monate nach ihrem historischen Händedruck vor den Kriegsgräbern von Verdun, kamen die beiden Staatsmänner zu einem „persönlichen Austausch nur in Begleitung unserer Übersetzer“ zusammen, wie Mitterrand in einer Presseerklärung zu Protokoll gab. Merkel betont, dass sie damals noch in der DDR lebte und sich nicht vorstellen konnte, eines Tages an die Riviera zu reisen.

          Gastgeber Emmanuel Macron erinnerte an das Vorbild Kohls und Mitterrands, das ein „gutes Omen“ sei. Seit dem Durchbruch im Ringen um einen europäischen Wiederaufbaufonds, der Ende Juni in Schloss Meseberg bei Berlin besiegelt wurde, sieht er Merkel und sich in den Fußstapfen der beiden großen Europäer wandeln.

          Vor 35 Jahren unternahmen der Bundeskanzler und der Präsident auch einen Ausflug auf die Insel Port-Cros, die man von der Festung aus ebenso wie die Nachbarinsel Porquerolles und die Küste zwischen Toulon und Hyères sehen kann. Für Vergnügungen wie eine Bootsfahrt auf dem Mittelmeer aber hat die Bundeskanzlerin und amtierende EU-Ratsvorsitzende am Donnerstag keine Zeit. Ihr Terminkalender ist eng gefasst, zwischen Ankunft am Flughafen Toulon-Hyères und Abreise sind gut fünf Stunden eingeplant. Für den mediterranen Abstecher wurde sie mit dem spektakulären Panaromablick vom 30 Meter hohen Felsen belohnt, der sich vom Präsidentengarten aus zwischen Zypressen, Pinien, Bougainvillea, Oleander, Hibiskus und Lorbeer mit jedem Schritt bietet. Die malerische Sicht stand im Kontrast zu den schwierigen internationalen Herausforderungen, die Merkel und Macron zu erörtern hatten.

          Der Militärputsch in Mali hat die Liste der Krisenherde verlängert und aus französischer Warte die Dringlichkeit eines koordinierten europäischen Vorgehens verstärkt. 970 Bundeswehr-Soldaten sind in Mali für die dortige EU-Ausbildungsmission (EUTM) sowie die Vereinten Nationen (Minusma) im Einsatz. Bislang deutet nichts darauf hin, dass Frankreich nach dem Staatsstreich die Strategie zur Stabilisierung Malis überdenkt. Der Sturz des seit 2013 amtierenden Präsidenten Ibrahim Boubacar Keïta hat die französische Diplomatie überrascht, Warnsignale aus dem krisengeschüttelten Land wurden überhört.

          Beim Sahel-Gipfeltreffen in Pau im Januar kündigte Macron eine Truppenverstärkung an und verfestigte den Eindruck, dass er vor allem nach militärischen Antworten auf das chronische Staatsversagen in der früheren Kolonie suchte. Damals wies Macron Kritik am Militäreinsatz empört zurück und bezeichnete sie als „unwürdig“. Doch zuletzt wurde Frankreich als letzte Stütze eines korrupten Präsidenten wahrgenommen, dessen Sohn Karim Keïta ausschweifende Feste in Spanien feierte, während viele Malier von Hunger und Terror geplagt wurden. Noch pikanter ist der Umstand, dass zumindest einer der Anführer des Putsches, General Cheikh Fanta Mady Dembélé, an den französischen Eliteschmieden Saint-Cyr und École de guerre ausgebildet wurde und zuletzt die wichtigste militärische Ausbildungsstätte für künftige Friedenshüter in Mali leitete. Aus dem Elysée-Palast hieß es, Deutschland unterstütze weiterhin „voll und ganz“ die Sahel-Strategie. Der Kampf gegen den Terrorismus und der Schutz vor neuen Flüchtlingsströmen seien „im gemeinsamen Interesse“. Macron erläuterte nicht, wie Paris sich das weitere Vorgehen gegenüber den neuen Militärmachthabern vorstellt. „Wir haben den Militärputsch klar verurteilt“, sagte er. Merkel befürwortete eine „demokratische Lösung“.

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