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Merkel bei der Jungen Union : Wenigstens keine Buhrufe

Kein frenetischer Applaus: Kanzlerin Merkel beim Deutschlandtag der Union Bild: dpa

Angela Merkel spricht auf dem Deutschlandtag der Jungen Union über Zukunftsfragen, muss sich aber mit magerem Applaus begnügen. Eines kennt die Kanzlerin auch schon aus Berlin: direkte Angriffe aus Bayern.

          4 Min.

          Als Bundeskanzlerin Angela Merkel die Tagungshalle betritt, bleiben die Delegierten aus Bayern wie im vergangenen Jahr fast geschlossen sitzen. Die Übrigen stehen, der Applaus ist ordentlich, aber nicht frenetisch. Mit Spannung wurde nicht nur ihre Rede auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Kiel erwartet, sondern vor allem die anschließende Fragerunde. Sie werde sich Kritik stellen müssen, hatte zuvor der JU-Vorsitzende Paul Ziemiak gesagt.

          Tim Niendorf

          Politikredakteur.

          Wer auf dem Deutschlandtag spricht, bekommt, wie beim Boxen, sein eigenes Einlauflied. Bei Merkel ist es „Don´t Stop Believin´“ der amerikanischen Rockband Journey – die Hoffnung nicht aufgeben. „Begrüßt doch mal die Bundeskanzlerin“, sagt Ziemiak. Wirkliche Herzlichkeit hört sich anders an. Er verteidigt Angela Merkel in der Causa Maaßen, kritisiert aber die schlechten Umfragewerte. Tags zuvor hatte Ziemiak gesagt: „Wer Bundeskanzler dieses Landes sein möchte, der muss auch immer bereit sein, dieses Land in die Zukunft zu führen.“ So ist denn auch das Motto des Deutschlandtags: Deutschland 2030. Und Merkel antwortet dem JU-Vorsitzenden. Sie spricht über das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten, über das Thema Wohnen, über Mobilität und über Migration. Über all die Zukunftsfragen. 

          Den meisten Applaus bekommt sie für die Forderung nach einer einheitlichen Gesundheitskarte („Es muss gelingen, sonst fallen wir zurück.“), für ihre Unterstützung von Manfred Weber (CSU), den Spitzenkandidaten der Europäische Volkspartei für die EU-Wahlen, und für ihr Eingeständnis, abgelehnte Asylbewerber müssten konsequenter abgeschoben werden. Die Wähler müssten gehört werden:„Sie sind nicht bereit zu verstehen, warum jemand nicht wieder nach Hause gebracht wird, der kein Aufenthaltsrecht hat.“ Sie sagt aber auch: „2015 haben wir uns nicht darum gekümmert was der Bürgerkrieg in Syrien und der IS im Irak für uns bedeutet.“Das UN-Flüchtlingshilfswerk sei finanziell nicht gut genug ausgestattet gewesen. „Haben wir gelernt?“, fragt sie: „Ich muss leider sagen nein.“

          Deutschland müsse zwar mehr für Entwicklungspolitik tun, allein damit werde man aber nicht genügend Arbeitsplätze für die vielen jungen Afrikaner schaffen. Deshalb sei eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit vonnöten. „Afrika ist ein Markt der Zukunft. Lasst uns Afrika nicht immer als Problemfall betrachten, sondern auch als Kontinent der Chancen.“ Auch auf die Kritik an den schlechten Umfragewerten geht Merkel ein. Nach den Koalitionsverhandlungen mit der SPD habe man gehofft, dass der Streit in der Union aufhöre. „Das was danach kam, war auch aus meiner Sicht enttäuschend. Die Wählerinnen und Wähler goutieren es nicht, wenn wir miteinander streiten und sie die Inhalte nicht verstehen.“

          Über weite Teile ihrer Rede fällt der Applaus verhalten aus. Buh-Rufe bleiben aber auch aus. Immer wieder schwingt Merkel ihre rechte Faust, um ihren Willen zu unterstreichen, die Union in die Zukunft zu führen. Derweil spielen einige Delegierte aus Bayern auf ihren Smartphones herum, drehen sich zur Seite. Einer liest demonstrativ von Anfang bis Ende der Rede die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Es handelt sich um Matthias Böttger aus München. Merkel schließt mit für sie ungewöhnlich energischer Stimme ab: „Deutschland 2030, dafür müssen wir brennen.“ Der Applaus währt nicht einmal eine Minute. Doch immerhin: Nun stehen auch die meisten Delegierten aus Bayern auf und applaudieren. Böttger und eine Handvoll Parteifreunde bleiben sitzen.

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