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Mehr Verantwortung im Urlaub : Menschenrechtsbeauftragte nimmt Reisende in die Pflicht

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Touristen im ägyptischen Hurghada: Menschenrechtsbeauftragte Kofler appelliert an Urlauber, sich vorab über die Menschenrechtssituation am Reiseziel zu informieren. Bild: AFP

Über ein Gesetz zur Einhaltung von Menschenrechten von Reiseanbietern wird noch diskutiert. Bundesbeauftragte Kofler appelliert aber auch an die Urlauber: Wer Preise checken könne, könne auch nachsehen, ob Menschenrechtsstandards erfüllt würden.

          Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, spricht sich für gesetzliche Regelungen aus, die Tourismusunternehmen zur Einhaltung von Menschenrechtsstandards verpflichten. Neben dem im Dezember 2016 beschlossenen Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte brauche es ein Haftungsrecht, „damit bestimmte Standards klar im Gesetz geregelt sind“, sagte Kofler der „Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft“. Dazu liefen Gespräche.

          In Deutschland werde derzeit eine Debatte geführt, ob man Unternehmen dazu bringen könne, sich freiwillig an Menschenrechtsrichtlinien zu halten, oder ob es eine gesetzliche Regelung geben muss, sagte Kofler. Gegen ein Gesetz gebe es Widerstände von Verbänden, aber viele Unternehmen wollten gesetzliche Standards, die für alle gleichermaßen gelten und damit eine „unfaire Konkurrenzsituation“ beseitigten.

          Zugleich appellierte die SPD-Politikerin an die Reisenden, sich über das Zielland ihres Urlaubs vorab zu informieren. So sollten sich Urlauber fragen, wie die Menschenrechtslage im Land selbst aussehe und ob man mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen könne. Man könne kritisch sein und hinterfragen, wo die Lebensmittel herkommen und wie die Beschäftigten wohnen. „Wenn ich morgens um 7 Uhr beim Frühstück denselben minderjährigen Kellner sehe, wie schon am Vorabend um 22 Uhr, dann kann ich Rückschlüsse über Arbeitsbedingungen ziehen.“

          „Warum nicht auch mündige Touristen?“

          Informieren könnten sich Reisende im Internet etwa bei Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International oder Human Rights Watch, bei der Zertifizierungsstelle TourCert für nachhaltige und verantwortungsbewusste Tourismusunternehmen und auf den Webseiten des Auswärtigen Amts. „Wir verlangen oft den mündigen Patienten – warum nicht auch den mündigen Touristen?“, sagte Kofler. Viele Urlauber checkten Preise und bemühten Vergleichsportale. „Wer das kann, der kann auch nachsehen, ob die Menschenrechtsstandards erfüllt werden“, betonte sie.

          Zugleich könne Tourismus möglicherweise auch die Lage der Menschenrechte verbessern. „Wenn man dort mit den Leuten spricht, dann kann das Einfluss haben“, sagte sie. Kofler warnte Touristen andererseits aber davor, vor Ort zum politischen Aktivisten zu werden und sich durch politische Diskussionen in Gefahr zu bringen. „Das hätte mit Urlaub sowieso nicht mehr viel zu tun und kann auch sehr gefährlich sein.“ In manchen Regionen sei die politische Lage schwierig. „Da muss ich mir schon aus Selbstschutz überlegen, ob ich meinen Urlaub dort verbringen muss“, sagte die Menschenrechtsbeauftragte. Repressionen wie in der Türkei oder in Ägypten könnten sich auch gegen Touristen richten, „wenn man sich für dortige Verhältnisse unpassend äußert“.

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