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Neue Umfrage : Mehrheit der Schulen hat kein Gesamtkonzept für digitalen Unterricht

Der neue Schulalltag: Unterricht in einer vierten Klasse in Hamburg. Bild: dpa

Nur ein Drittel der Lehrer findet, dass die Schulen gut auf den digitalen Unterricht vorbereitet waren, viele arbeiten mit veralteten Methoden – eine Allensbach-Umfrage dokumentiert die Unzufriedenheit im deutschen Bildungssystem.

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          Eltern und Schüler vermissen nicht nur einen geregelten Tagesablauf, sondern merken wie selten zuvor, dass Schule auch ein Beziehungsgeschehen ist. All das, der Kontakt zwischen den Kindern und mit den Lehrern, fällt momentan weg. Digitaler Ersatz steht oft nicht zur Verfügung, zumal Deutschland auch im Vergleich zu Österreich und der Schweiz mit digitaler Infrastruktur und Lernangeboten schlechter ausgestattet ist.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Die Mehrheit der Schulen hat kein Gesamtkonzept, das die Versorgung ihrer Schüler mit Lernangeboten für die Zeit der Schulschließung sicherstellt. Das berichten Lehrer in einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland. Nur ein Drittel der Lehrer findet, dass ihre Schule gut auf die neue Situation vorbereitet war. In den Gymnasien ist nahezu die Hälfte der Lehrer der Meinung, dass ihre Schule gut vorbereitet sei. An den Grundschulen sind es nur 18,3 Prozent, an den weiterführenden Schulen ohne Gymnasien sind es 36,2 Prozent der Lehrer.

          Ein Viertel der Lehrer ist bei der Umsetzung der Unterrichtsinhalte während der Krisenzeit auf sich allein gestellt und wünscht sich mehr Unterstützung von der eigenen Schulleitung oder den zuständigen Behörden. An den meisten Schulen ohne Gesamtkonzept sprechen sich die Lehrer untereinander ab (41,4 Prozent), 24,2 Prozent der Lehrer planen für sich.  Schulen, die schon vor der Krise mit vielen digitalen Lerneinheiten gearbeitet haben, erreichen ihre Schüler verlässlicher als andere. Der Mehrheit der Lehrer (87 Prozent) ist der Kontakt zu den eigenen Schülern wichtig, allerdings gelingt es nur rund einem Drittel (35 Prozent), den Kontakt auch zu halten.

          Veraltete Methode E-Mail

          Wie wenig fortgeschritten die deutschen Schulen bei der Nutzung digitaler Lerneinheiten sind, zeigt sich daran, dass die meisten Lehrer noch immer Mails schicken (62,6 Prozent), an denen meisten Arbeitsblätter oder Arbeitsanweisungen hängen. Lernplattformen werden nur von 25,3 Prozent der Lehrer genutzt und Clouds nur von 10,8 Prozent. Auch Messengerdienste und Schulserver spielen eine deutlich geringere Rolle.

          70 Prozent der Lehrer sagen, dass ihre Lernangebote die Schüler erreichen, häufig scheitern sie aber auch an mangelnder technischer Ausstattung der Schüler. Das ist im Gymnasium am wenigsten der Fall, an den nicht-gymnasialen Schulen aber bei fast 80 Prozent und bei den Grundschulen sogar bei 90 Prozent so. Erstaunlicherweise sind 24,8 Prozent der männlichen Lehrer der Meinung, ihr technisches Knowhow reiche nicht, um ausreichend Lernangebote bereitstellen zu können, bei den weiblichen Lehrern liegt der Anteil bei 5,1 Prozent.

          36,2 Prozent der Lehrer empfinden die Belastung des digitalen Fernlernens als geringer, 33,9 Prozent als höher, 28,1 Prozent sehen keinen großen Unterschied. Besonders belastend ist für Grundschullehrer nach deren Aussage die ständige Rücksprache mit den besorgten Eltern. In den Grundschulen ist der Einfluss der Eltern auf die schulischen Leistungen auch besonders hoch.

          Lehrer sehen es pragmatisch

          Die Effektivität des Lernens in der Zeit der Schulschließungen sehen die meisten Lehrer pragmatisch. Mit größeren Lernfortschritten rechnen die meisten nicht, im Gymnasium sagen 31,4 Prozent, der bisherige Lernstand solle gehalten werden, 43,8 Prozent wollen zwar vorankommen, wissen aber zugleich, dass sie weniger schnell als im Präsenzunterricht vorankommen.

          Für die Zeit nach den Schulschließungen wünschen sich die Lehrer vor allem, Lücken zu schließen und Gelerntes zu wiederholen, Niveauunterschiede auszugleichen und sich besonders um schwächere Schüler zu kümmern, digitale Lernangebote auszubauen und zu etablieren und das Gemeinschaftsgefühl zu fördern. Sie wollen versuchen, den persönlichen Kontakt mit den Schülern wieder zu stärken, um sie zu motivieren und nicht zuletzt die Gesundheitsregeln einhalten.

          Befragt wurden 93 Grundschullehrer, 122 Lehrer an weiterführenden Schulen außer Gymnasien, 84 Gymnasiallehrer und 11 Lehrer an Förderschulen. Die Stichprobe sei repräsentativ, heißt es bei der Vodafone Stiftung, die sich natürlich die Etablierung eines funktionsfähigen IT-Systems für die Schulen und Investitionen in zukunftsfähige Infrastrukturen wünscht.

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