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Umfrage zur Wiedervereinigung : Mehrheit der Ostdeutschen sieht kein besseres Verhältnis zum Westen

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„Wir sind ein Volk“? Beinahe 29 Jahre nach dem Mauerfall können 60 Prozent der Ostdeutschen fremdeln Ost und West noch immer miteinander. Bild: Reuters

Nie sei es den Menschen in den neuen Ländern besser gegangen, sagt Sachsens Ministerpräsident Kretschmer. Doch eine Umfrage zeigt: Ost und West fremdeln auch 28 Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch miteinander.

          Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat eine Schieflage bei der Beurteilung der Deutschen Einheit beklagt und zu mehr Zuversicht aufgerufen. „Die Deutsche Einheit ist die größte patriotische Leistung des Landes“, sagte Kretschmer anlässlich des Tags der Deutschen Einheit der „Rheinischen Post“. „Im Westen haben Menschen auf Wohlstandszuwachs verzichtet, in Ostdeutschland hat sich der überwiegende Teil der Bevölkerung ein neues Leben aufgebaut.“

          Nie sei es den Menschen in den neuen Ländern besser gegangen, sagte Kretschmer weiter. „Nie stand uns die Welt so offen wie heute. Die Diskussion hat aber eine Schlagseite ins Negative bekommen. Das müssen wir wieder geraderücken. Wir müssen die Freude zurückgewinnen.“ Der Ministerpräsident fügte hinzu: „Miesepetern sage ich: Es ist das beste Deutschland, das wir je hatten."

          Derweil zeigt eine aktuelle Umfrage, dass die Ostdeutschen auch 28 Jahre nach der Wiedervereinigung den Zustand der inneren Einheit des Landes viel kritischer einschätzen als die Westdeutschen. Wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die „Bild am Sonntag“ ergab, finden nur 33 Prozent der Befragten in Ostdeutschland, dass sich die Bevölkerung in Ost und West nähergekommen sei. Für sechs von zehn Personen aus der ehemaligen DDR hat sich das Verhältnis seit der Wiedervereinigung nicht verbessert, 22 Prozent gaben sogar an, dass es sich sogar verschlechtert habe.

          Weitverbreitete Vorurteile

          Ein Befund, den die Befragten im Westen nicht teilen: Laut der Umfrage ist dort eine Mehrheit von 56 Prozent der Ansicht, dass sich die deutsche Bevölkerung in den letzten 28 Jahren einander angenähert habe, während bloß 10 Prozent eine Entfremdung wahrnahmen. Etwas mehr als jeder Fünfte gab an, dass sich das Verhältnis weder verbessert noch verschlechtert habe.

          Zudem sind bei beiden Gruppen negative Klischees über Ost- beziehungsweise Westdeutsche weitverbreitet. So werfen 39 Prozent der Befragten aus Westdeutschland dem Osten vor, zu undankbar für den Aufbau Ost zu sein. Dem stimmen 19 Prozent der Ostdeutschen zu. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) im Westen und beinahe Dreiviertel im Osten teilen diesen Eindruck nicht. Unter den Ostdeutschen ist hingegen der Eindruck, dass die Westdeutschen sie arrogant behandeln, weit verbreitet – 56 Prozent teilen diesen Eindruck laut der Umfrage. Auch jeder vierte Westdeutsche findet, dass der Westen sich gegenüber Ostdeutschland arrogant verhalte. 64 Prozent im Westen und 27 Prozent im Osten teilen diesen Eindruck nicht.

          Außerdem fragte Emnid, wie die 505 Befragten zu der Einführung einer sogenannten Ostquote stünden. Hintergrund für diese Frage war eine Aussage der sächsischen Integrationsministerin Petra Köppig (SPD), die in der „Bild am Sonntag“ bemängelte, „dass immer noch 70 Prozent der Führungspositionen im Osten von Westdeutschen besetzt sind.“ Ein solcher Vorschlag stieß jedoch sowohl bei Ost- (49 Prozent) wie auch bei Westdeutschen (63 Prozent) ab.

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