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Mehr Vorfälle in Berlin : „Wir haben ein Antisemitismusproblem“

  • -Aktualisiert am

Ein Mann trägt eine Kippa in einer Synagoge Bild: dpa

Einem Bericht zufolge ist die Zahl antisemitischer Taten in der Hauptstadt im Vorjahr weiter gestiegen – auf mehr als 1000 Vorfälle. Besonders stark haben demnach Taten mit hohem Gefährdungspotential zugenommen.

          Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Berlin ist weiter gewachsen. Vor allem bei Vorfällen mit einem besonderen Gefährdungspotential für die Betroffenen wurde ein deutlicher Anstieg verzeichnet. Das geht aus dem Bericht der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (Rias) für das Jahr 2018 hervor. Er wurde am Mittwoch in Berlin vorgestellt. Wurden im Jahr 2017 noch 18 Angriffe mit besonderem Gefährdungspotential registriert, so stieg die Zahl auf 46 im vorigen Jahr. Auch die antisemitisch motivierten Bedrohungen in der Hauptstadt sind dem Bericht deutlich mehr geworden: Sie nahmen von 26 auf 46 zu. Insgesamt erfasste Rias für das Jahr 2018 1083 antisemitische Vorfälle. Das bedeutet eine Steigerung von 14 Prozent gegenüber 2017, als 951 Vorfälle registriert worden waren.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) sagte: „Die Zahlen zeigen: Wir haben ein Antisemitismusproblem. Es ist gewachsen und in unserer Gesellschaft verfestigt.“ Weil der Kampf gegen den Antisemitismus als Querschnittsaufgabe verstanden werden müsse, habe man sich im Senat auf ein Landeskonzept zur Weiterentwicklung der Antisemitismus-Prävention verständigt. Rias-Projektleiter Benjamin Steinitz sagte, man stelle im Vergleich zu den vergangenen Jahren eine wachsende Bereitschaft fest, „antisemitische Aussagen mit konkreten Gewaltandrohungen zu verbinden“. Das finde jedoch „nicht im luftleeren Raum“ statt, sondern sei im Zusammenhang zu sehen, mit wachsenden Zahlen „niederschwelliger“ Formen von Antisemitismus. So wurden im Jahr 2018 in Berlin 831 Fälle von verletzendem Verhalten registriert, was eine Steigerung von 22 Prozent bedeute. Dabei handelte es sich um schriftliche oder mündliche Anfeindungen, Propaganda oder Veranstaltungen mit antisemitischen Inhalten.

          In dem mehr als 50 Seiten umfassenden Bericht wird genau aufgeschlüsselt, wo und wann es Schwerpunkte gab. Mit weitem Abstand die meisten antisemitischen Vorfälle wurden im Bezirk Mitte registriert (146), gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf (80), Friedrichshain-Kreuzberg (65) und Neukölln (56). Am wenigsten Meldungen gab es in Reinickendorf (6). Vor allem im Mai, Juli und August wurden viele Vorfälle registriert.

          Zu den Motiven und politischen Hintergründen heißt es in dem Rias-Bericht, dass diese in 49 Prozent der Fälle unbekannt seien. Von den übrigen hätten 18 Prozent, und damit die meisten, einen rechtsextremen Hintergrund gehabt, neun Prozent einen israelfeindlichen, sieben Prozent seinen aus der „politischen Mitte“ gekommen, sechs Prozent seien „verschwörungsideologisch“ motiviert gewesen, fünf Prozent rechtspopulistisch, vier „links-antiimperialistisch“ und zwei Prozent islamistisch.  

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