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Flüchtlinge und Migranten : Experten fordern mehr legale Migrationswege

Junge Flüchtlinge lernen in Ingolstadt den Wiederaufbau von Häusern und die Arbeit mit einem Schweißbrenner (Archivbild aus dem September 2016) Bild: dpa

Migranten mit geringer oder mittlerer Qualifikation sollten leichter nach Deutschland kommen dürfen, fordert der Sachverständigenrat. Für den Arbeitgeberpräsidenten läuft die Integration der Flüchtlinge schon jetzt viel besser als erwartet.

  • Aktualisiert am

          Nicht aus der EU stammende Ausländer mit geringer oder mittlerer Qualifikation sollten nach Ansicht von Fachleuten leichter legal nach Deutschland kommen können. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), die am Freitag in Berlin vorgestellt wurde. Aktuell gebe es „kaum Zuwanderungsmöglichkeiten“ für diese Gruppe, schreiben die Forscher. Auch das geplante Fachkräftezuwanderungsgesetz richte sich eher an hoch qualifizierte Migranten. Als geringqualifiziert bezeichnen die Forscher Menschen, die lediglich über einen ersten Schulabschluss verfügen. Als mittelqualifiziert gilt demnach, wer zwar über Abschlüsse oder Berufserfahrung verfügt, diese aber in Deutschland nicht nachweisen kann.

          Nach Einschätzung der Forscher könnte eine Ausweitung legaler Migrationsmöglichkeiten für Menschen mit geringen und mittleren Qualifikationen das deutsche Asylsystem entlasten, das bislang für viele den einzigen Weg nach Deutschland darstellt. Profitieren könnten auch die Herkunftsländer vom Einkommen und den Erfahrungen ihrer Staatsbürger, argumentieren die Forscher. Die Regierungen könnten sich kooperativer zeigen, wenn es um die Rücknahme abgelehnter Asylbewerber gehe. Schließlich ließen sich durch eine gezielte Zuwanderungspolitik auch Lücken auf dem deutschen Arbeitsmarkt schließen.

          Dagegen zog Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer eine positive Bilanz. Die Integration der Flüchtlinge in Deutschland laufe deutlich erfolgreicher als angenommen. „Von mehr als einer Million Menschen, die vor allem seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, haben heute bald 400.000 einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz“, sagte Kramer der „Augsburger Allgemeinen“ vom Freitag. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe mit ihrem Satz „Wir schaffen das“ Recht behalten.

          „Die meisten jungen Migranten können nach einem Jahr Unterricht so gut Deutsch, dass sie dem Berufsschulunterricht folgen können“, sagte Kramer. Die große Mehrheit der erwerbstätigen Flüchtlinge arbeite in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung und sei damit integriert.

          Kramer: Thema Migration nüchterner betrachten

          „Viele Migranten sind eine Stütze der deutschen Wirtschaft geworden“, betonte der Arbeitgeberpräsident. „Wir dürfen keine Angst vor Zuwanderung haben, sondern müssen Menschen, die zu uns kommen und hier arbeiten, als Bereicherung sehen.“ Die meisten Mittelständler seien nach wie vor auf der Suche nach Mitarbeitern und hofften auf das geplante Fachkräfteeinwanderungsgesetz der großen Koalition, sagte Kramer der Zeitung weiter.

          „Wir müssen das Thema Migration auf alle Fälle nüchterner betrachten als in der Vergangenheit.“ Deutschland müsse weiterhin eine offene Gesellschaft bleiben, die bereit ist, Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben. "Wenn uns das nicht gelingt, besteht die Gefahr, dass wir wirtschaftlich wieder zurückfallen wie in den neunziger Jahren."

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