https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/mehr-interne-beschwerden-bei-der-bundeswehr-15107507.html

Nach Bundeswehr-Skandalen : Mehr interne Beschwerden über Missstände

  • Aktualisiert am

Bundeswehrsoldaten im sächsischen Marienberg bei einer Zeremonie (Archivbild) Bild: EPA

Wegen Vorwürfen um sexuelle Übergriffe und rechtsextreme Tendenzen wurde die Bundeswehr heftig kritisiert. Jetzt machen offenbar immer mehr Soldaten Meldungen zum Fehlverhalten von Kameraden und Vorgesetzten.

          1 Min.

          Interne Beschwerden bei der Bundeswehr über Missstände wie sexuelle Belästigungen, Rechtsextremismus oder Fehlverhalten von Vorgesetzten haben im ersten Halbjahr 2017 offensichtlich drastisch zugenommen. Das berichtete die Düsseldorfer „Rheinische Post“ am Samstag unter Berufung auf Daten des Verteidigungsministeriums. Ein Ministeriumssprecher wies darauf hin, dass es sich bei den Meldungen zum Teil um ältere Vorkommnisse handele und führte den Anstieg auch auf eine gewachsene Sensibilität in der Truppe zurück.

          Am deutlichsten ist der Anstieg dem Bericht zufolge bei Verdachtsfällen von Fehlverhalten Vorgesetzter gegenüber Untergebenen. Während 2016 nur 28 solcher Fälle gemeldet worden seien, waren es demnach bis zum 9. Juli dieses Jahres schon 56 Fälle. Bei Meldungen von Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurde zu diesem Zeitpunkt mit 127 erfassten Verdachtsfällen bereits das Vorjahresniveau von 128 Fällen erreicht. Zudem habe es im laufenden Jahr bereits 96 Meldungen wegen Vorfällen mit rechtsextremem beziehungsweise fremdenfeindlichem Hintergrund gegeben. Im Gesamtjahr 2016 seien dies 63 Verdachtsfälle gewesen.

          „Die Sensibilität in der Truppe für Vorkommnisse, wie wir sie im Frühjahr öffentlich diskutiert haben, ist messbar gestiegen“, zitierte die „Rheinische Post“ dazu einen Ministeriumssprecher. Er betonte, dass es sich um intern angezeigte Verdachtsfälle handele. „Gemeldet wurden dabei nicht nur frische neue Fälle, sondern auch eine Vielzahl alter Vorkommnisse, die aus der Perspektive der Betroffenen zuvor noch nicht angemessen bearbeitet oder gewürdigt wurden.“ Viele dieser Verfahren würden nun neu überprüft.

          Für Aufsehen hatten in den vergangenen Monaten unter anderem Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe im Rahmen der Bundeswehr-Ausbildung am Standort Pfullendorf sowie Rechtsextremismus-Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Fall des Bundeswehr-Oberleutnants Franco A. gesorgt. Er soll einen Anschlag vorbereitet haben.

          Weitere Themen

          Suizidbeihilfe nur nach Beratung

          Gesetzentwurf : Suizidbeihilfe nur nach Beratung

          Abgeordnete aller Fraktionen außer der AfD haben sich für eine Neuregelung der Sterbehilfe zusammengetan. Es ist der bislang strengste Entwurf.

          Moskau unzufrieden mit US-Nato-Brief Video-Seite öffnen

          Ukraine-Krise : Moskau unzufrieden mit US-Nato-Brief

          In der Ukraine-Krise hat Moskau auf das Schreiben aus Washington mit Enttäuschung reagiert: Russland begrüßt die Gesprächsvorschläge, kritisiert aber, dass der Brief "keine positive Antwort auf die Hauptfrage" enthalte - nämlich die gewünschte "Unzulässigkeit einer weiteren NATO-Osterweiterung".

          Topmeldungen

          Kranzniederlegungszeremonie am Berliner Holocaustdenkmal (v.l.n.r.): Bundesverfassungsgerichtspräsident Stephan Harbarth, Bundestagspräsidentin Bärbel Bas, Knesset-Parlamentspräsident Mickey Levy, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Olaf Scholz und Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow

          Holocaust-Gedenken : Eine Vergangenheit, die alle angeht

          In einer Gedenkstunde wendet sich die Bundestagspräsidentin dagegen, aus falsch verstandener Toleranz nachgiebig gegen Antisemitismus zu sein. Die Holocaust-Überlebende Auerbacher wünscht sich die „Versöhnung aller Menschen“.