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Mehr Geld für Ärzte : Der Tod wird immer teurer

Für eine Leichenschau benötigen Ärzte zwischen 30 und 60 Minuten, wenn sie sorgfältig vorgehen. Bild: dpa

Wenn der Arzt einen Totenschein ausstellt, bekommt er dafür eine festgesetzte Summe. Nun soll das Honorar für die Leichenschau um ein Vielfaches steigen – zahlen müssen das die Angehörigen.

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          Wenn es ums Geld geht, dann ist der Tod in Deutschland Privatsache. Die gesetzlichen Krankenkassen kommen nicht für die Kosten der Leichenschau auf, die ein Arzt zwingend vornehmen muss – die Person ist ja tot, also nicht mehr versichert. Lange Zeit zahlten die Kassen ein sogenanntes Sterbegeld, doch das wurde stetig verringert und zum Ende des Jahres 2003 ganz abgeschafft. Seitdem sind die Angehörigen in der Pflicht, und zwar ausschließlich. Auf sie kommen bald höhere Belastungen zu, denn das Honorar der Ärzte für Leichenschauen steigt kräftig an. Am Mittwoch hat das Bundeskabinett in Berlin eine entsprechende Verordnung des Gesundheitsministeriums beschlossen. Der Bundesrat muss noch zustimmen, was aber unstrittig sein dürfte.

          Wirklich billig war das Sterben noch nie, mehr als 6000 Euro kostet eine Bestattung in Deutschland durchschnittlich, mitsamt allen Gebühren. Doch die Leichenschau, bei welcher der Arzt feststellt, ob der Mensch auf natürliche Weise gestorben ist oder nicht, und einen Totenschein ausstellt, war bislang kein sonderlich großer Posten. Die Untersuchung eines Toten kostete zuletzt zwischen 14,57 und 33,51 Euro, je nach Aufwand der Untersuchung, da hatte der Arzt einen großen Ermessensspielraum. Wenn die Leiche verwest war, konnte der Arzt ausnahmsweise noch etwas mehr verlangen, 51 Euro nämlich, spätestens dann war aber Schluss – so regelt es die Gebührenordnung für Ärzte. Hinzu kamen allenfalls noch Zuschläge für besondere Tätigkeiten, die Entnahme eines Herzschrittmachers brachte zum Beispiel 13 Euro zusätzliches Honorar, sowie die Kosten für die Anreise. Zwischen 65 und 75 Euro konnten Mediziner den Angehörigen eines Toten bislang durchschnittlich in Rechnung stellen – viel zu wenig, wie die Bundesärztekammer unlängst rügte. Eine Leichenschau sei aufwendig, die seit 1996 geltenden Beträge „nicht einmal annähernd kostendeckend“.

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