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Baden-Württemberg : Lehrer sollen künftig mehr arbeiten

Eine Lehrerin schreibt in einer Grundschule in Baden-Württemberg Wörter an eine Tafel. Bild: dpa

Die baden-württembergische Kultusministerin Theresa Schopper will mit einem Maßnahmenpaket den Lehrkräftemangel bekämpfen. Darunter wird wohl die Work-Life-Balance der Lehrer leiden.

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          Ein Teil der etwa 125.000 Lehrkräfte in Baden-Württemberg muss mehr arbeiten. Damit will Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) den Lehrkräftemangel bekämpfen. Mit einem Paket von 18 Maßnahmen sollen 500 Deputate geschaffen werden; nach offizieller Zählung des Kultusministeriums fehlen etwa 1000 Deputate. Eingeschränkt werden sollen die Möglichkeiten, eine Teilzeitbeschäftigung zu übernehmen und ein Sabbatical zu beantragen.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Nach einer Studie des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) in Baden-Württemberg ist an jeder zweiten Schule des Landes mindestens eine Lehrerstelle unbesetzt. Außerdem steigt die Quote von Seiteneinsteigern stark an, was die Unterrichtsqualität mindere. Schopper will die Möglichkeiten einer Teilzeitbeschäftigung aus „sonstigen Gründen“ einschränken. Es soll nur noch eine Reduktion von 25 Prozent möglich sein.

          Die Möglichkeit, ein Sabbatical zu nehmen, soll erst nach einer fünfjährigen Dienstzeit möglich werden. Teilzeitanträge aus pflegerischen, gesundheitlichen oder familiären Gründen sind weiterhin möglich. Außerdem soll die Unterrichtszeit von Referendaren um eine Stunde erhöht werden. Das entspreche stundenmäßig, sagte Schopper, dem Umfang von 200 Stellen.

          Etwa 14.000 Lehrkräfte arbeiten derzeit in „voraussetzungsloser Teilzeit“, davon arbeiten 4000 weniger als 70 Prozent. Sie sind die Hauptzielgruppe des Programms, die gerade von jüngeren Lehrern geschätzte Work-Life-Balance wird damit verschlechtert. Der Philologenverband lehnt die Pläne rundherum ab: „Es muss um Qualität und nicht um Quantität gehen. Es muss der Anspruch und die Idee der Bildungspolitik sein, diesen Beruf attraktiv zu machen“, sagte Cord Santelmann vom Landesvorstand des Philologenverbandes. Schon heute würde nur ein Drittel der Lehrkräfte die reguläre Altersgrenze erreichen.

          Der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Stoch sagte: „Das ist das Gegenteil von Wertschätzung. Das geht nur auf freiwilliger Basis. Wir haben ja einen Arbeitnehmerarbeitsmarkt.“ FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke warf der Landesregierung vor, ein Versprechen gebrochen zu haben. Sie habe im vergangenen Jahr noch zugesichert, die Idee der Einschränkung von Lehrerteilzeit nach entsprechender Prüfung“ nicht weiterzuverfolgen.

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