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Gewalt bei Corona-Demos : Journalisten-Union: „Physische Attacken haben deutlich zugenommen“

  • Aktualisiert am

Die Ausrüstung eines Kamerateams liegt nach einem Übergriff im Mai 2020 in Berlin zwischen Alexanderplatz und Hackescher Markt auf dem Boden. Bild: dpa

Bedrohungen, Attacken, Beleidigungen: Die Zahl tätlicher Angriffe auf Journalisten ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Besonders bei Corona-Protesten stieg das Gewaltpotential.

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          Die Zahl der Attacken auf Pressevertreter ist in Deutschland im vergangenem Jahr massiv gestiegen. Bis Ende 2021 habe es 119 Meldungen zu Bedrohungen, Angriffen, Beleidigungen, Behinderungen, aber auch juristische Attacken gegeben, sagte die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten Union (dju) in der Gewerkschaft ver.di, Monique Hofmann, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin. Im Jahr 2020 seien es 72 Angriffe gewesen. Dabei bezog sich Hofmann auf Zahlen des Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF) in Leipzig.

          Die Organisation dokumentiere Angriffe auf Twitter und unterstütze damit auch die Zählungen des ECPMF, sagte Hofmann. Dabei hätten die Angriffe auf Medienschaffende im Zusammenhang mit Anti-Corona-Protesten im Vergleich zum Vorjahr noch einmal eine neue Dimension der Gewaltbereitschaft erreicht. „Physische Attacken haben deutlich zugenommen“, sagte sie.

          „Weitere Hemmschwellen eingerissen“

          Weitere Hemmschwellen seien eingerissen, was zu einem neuen Schub hinsichtlich des Gewaltpotenzials der Teilnehmer an diesen Protesten geführt habe. „Gewalterfahrungen und Bedrohungssituationen, die in vorpandemischen Zeiten überwiegend Medienschaffende erleben mussten, die in rechtsextremen Kontexten recherchierten, gehören erschreckenderweise inzwischen für immer mehr Journalistinnen und Journalisten zum beruflichen Alltag“, beklagte Hofmann.

          Zwar komme noch immer der überwiegende Teil der Angriffe aus dem rechten Spektrum. Zugleich nehme jedoch die Zahl der Attacken durch Teilnehmer an Demonstrationen zu, die mit einem bürgerlichen Anstrich daherkommen, so Hofmann; dies sei ein besorgniserregender Befund. Hauptbrennpunkte seien dabei nach wie vor Berlin und Sachsen. „Dennoch muss man leider feststellen, dass wir hier von einem gesamtdeutschen Problem sprechen“, so die dju-Bundesgeschäftsführerin.

          Wie zuletzt auch der Deutsche Journalistenverband (DJV) fordert die dju mehr Gespräche zwischen Polizeien, Innenministerien und Journalistenorganisationen. Die grassierende Medienfeindlichkeit sei nicht auf einzelne Bundesländer beschränkt, sagte Hofmann. Daher könne dieses Problem auch nicht nur auf Länderebene angegangen werden, sondern müsse vom Bundesinnenministerium behandelt werden. Aus diesen Gesprächen müssten beispielsweise Vereinbarungen über Schutzkonzepte entstehen sowie Aus- und Fortbildungen von Polizisten im Umgang mit Journalisten und zum Presserecht.

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