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Mehr als 11.000 Neuinfektionen : Welche Beschränkungen ergeben Sinn?

  • -Aktualisiert am

Die Hamsterkäufe sind zurück: Eine ganze LKW-Ladung Toilettenpapier wird ins Lager eines Supermarktes in Mülheim transportiert. Bild: dpa

Niemand will einen zweiten nationalen Lockdown. Wie aber lässt er sich vermeiden? Die Corona-Maßnahmen im Schnelltest.

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          11.287 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) am Donnerstag. Dieser Rekordwert wirft die Frage auf, ob die zusehends strengeren Schutzmaßnahmen wirklich effektiv sind, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Wir haben uns im Licht der aktuellen RKI-Statistiken den Katalog möglicher Regeln und Maßnahmen noch einmal angeschaut und für Sie zusammengefasst, welche davon sinnvoll sind – und welche nicht.

          AHA(+L)-Regeln

          Abstand zueinander halten, auf Hygiene achten, Alltagsmaske tragen und regelmäßiges Lüften sind nach wie vor das wichtigste und sinnvollste Instrument zur Eindämmung des Coronavirus. Das bestätigte RKI-Präsident Lothar Wieler am Donnerstag noch einmal. Er appellierte, vor allem auch im privaten Raum achtsam zu sein. Die wöchentlichen Erhebungen zeigten, dass inzwischen ein Großteil der Neuinfektionen in privaten Haushalten stattfänden.

          Kontaktbeschränkungen

          Da der überwiegende Teil der Infizierten sich im privaten Umfeld anstecke, sei es sinnvoll, die Anzahl der Personen, mit denen man sich trifft, zu reduzieren, so Wieler. Wer weniger Menschen trifft, der kann das Virus auch an weniger Menschen weitergeben – und reduziert das Ansteckungsrisiko für sich selbst. Obergrenzen für Zusammenkünfte sollten laut Wieler möglichst einheitlich und nachvollziehbar sein, um die Akzeptanz der Menschen für die Maßnahmen hochzuhalten. Außerdem schloss sich Wieler dem Vorschlag des Virologen Christian Drosten an, ein Kontakttagebuch zu führen. Ein Problem bei der Nachverfolgung der Infektionsketten sei, dass einige Infizierte sich nicht mehr genau erinnerten, wen sie in den vergangenen Tagen getroffen hätten, so Wieler. Jeder nachverfolgte Kontakt könne helfen, eine Infektion zu verhindern. Er appellierte auch an die Gesundheitsämter, weiter so viele Kontakte wie möglich zu ermitteln.

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          Obergrenzen für Feiern

          Private Feiern wie Hochzeiten und Geburtstage mit vielen Gästen sind laut RKI immer noch einer der Haupt-Infektionsherde. Das Virus verbreite sich dort, wo Menschen „gerne und intensiv“ zusammenkämen, so Wieler. Viele Infizierte steckten keine weiteren Leute an, es gebe aber eben auch „Superspreader“, die das Virus gleich an mehrere Mitmenschen weiterreichten. Ziel müsse es sein, gar nicht erst Situationen zu schaffen, in denen sich so genannte „Quell-Cluster“ bilden können.

          Beherbergungsverbote

          Laut RKI-Informationen haben sich bislang nur sehr wenige Menschen in Deutschland bei Hotelübernachtungen mit dem Coronavirus an. Unter diesem Gesichtspunkt scheinen Beherbergungsverbote – Stand jetzt – kein starkes Instrument im Kampf gegen das Virus zu sein.

          Läden und Restaurants schließen

          Die RKI-Statistiken zeigen auch, dass sich nur ein sehr kleiner Teil der Infizierten beim Einkaufen oder Essengehen ansteckt. Überall dort, wo die AHA(+L)-Regeln eingehalten würden, sei das Infektionsrisiko deutlich geringer, so Wieler. Das RKI empfiehlt daher keinen pauschalen Lockdown. Wieler gestand aber ein, dass die Sinnhaftigkeit solcher Maßnahmen immer vom lokalen Infektionsgeschehen abhänge und die Gesundheitsämter vor Ort daher individuell über sie entscheiden sollten.

          Öffentliche Verkehrsmittel meiden

          Auch hier gilt: Unter Einhaltung der AHA-Regeln ist die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel relativ sicher. Im Infektionsgeschehen spielen sie kaum eine Rolle. Die Deutsche Bahn hat übrigens gemeinsam mit der Charité eine Studie veröffentlicht, in der das Risiko für das Zugpersonal in Fernzügen untersucht wurde. Ergebnis: Kein erhöhtes Risiko. Den S-Bahn-Verkehr und das Risiko für Pendler wurde in dieser Studie jedoch nicht untersucht.

          Grundsätzlich gilt es aber zu beachten, dass das aktuelle Infektionsgeschehen die Effektivität der Maßnahmen von vor zwei bis drei Wochen widerspiegelt. Ob also die vergangene Woche beschlossenen Sperrstunden die Zahl der Neuinfektionen zu reduzieren vermögen, lässt sich aktuell also noch nicht mit Sicherheit sagen.

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