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Medikamente nicht lieferbar : Ärger auf Rezept

Bitte hier unterschreiben: Petent Jürgen Hoffmann in seiner Apotheke in Burgstädt bei Chemnitz Bild: Roger Hagmann

Immer mehr Medikamente sind nicht lieferbar, das Problem betrifft Krankenhäuser und Kassenpatienten. Ein Apotheker aus Sachsen will die Politik jetzt zum Handeln zwingen.

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          Noch passen die Bogen in eine Klarsichthülle, 51 Blätter sind es ganz genau. Auf jedem stehen zwölf Namen, Adressen, Unterschriften. Das macht 612 Beschwerden in wenigen Wochen. Das Thema: „Nein zu Lieferengpässen von Medikamenten“. Wenn der Apotheker Jürgen Hoffmann aus Burgstädt, einem kleinen Ort nördlich von Chemnitz, 50.000 Unterschriften beisammen hat, will er die Petition an den Deutschen Bundestag schicken. Weil Burgstädt aber nur knapp 11.000 Einwohner zählt, die sich zudem auf die drei Apotheken im Ort aufteilen, hat Hoffmann den Bogen ins Netz gestellt, damit Kollegen in ganz Deutschland sich beteiligen. Auf jedem Blatt steht noch: „Die Unterzeichnenden sind besorgte Bürger, die unsere politische Führung zum Handeln auffordern.“ Und Hoffmann ist ein besorgter Apotheker, 59 Jahre alt, der nicht hinnehmen will, was da seit einer Weile vor sich geht.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          Kurz nach der Wende hat Hoffmann die Schwanen-Apotheke in Burgstädt gegründet. Es gab damals schon eine Elefanten- und eine Adler-Apotheke im Ort, seine war die dritte. Lange war alles gut, die Burgstädter kamen mit ihren Rezepten vom Hausarzt hinüber, Hoffmann schaute im Computer nach und kurze Zeit später ging eine Packung Tabletten über den Tresen. In den vergangenen Jahren zeigte ihm sein Bildschirm aber immer häufiger eine Fehlermeldung an; das vom Arzt verschriebene Medikament war nicht verfügbar. Hoffmann muss dann einen Ersatz suchen, was oft gelingt, aber nicht immer. „In diesem Jahr hat sich die Lage noch einmal massiv verschlechtert“, sagt der Apotheker. Von den rund 150 Kunden, die jeden Tag bei ihm im Laden stehen, gebe es bei etwa zehn ein Problem, sagt Hoffmann. Mal seien Antibiotika nicht verfügbar, mal Mittel gegen hohen Blutdruck. Gerade habe ein Hersteller von Ibuprofen Lieferschwierigkeiten, einem populären Schmerzmittel, das rezeptfrei erhältlich ist. Bei manchen Psychopharmaka gebe es auch Engpässe, und da könne man die Patienten nicht einfach so auf ein anderes Medikament umstellen. Hoffmann sagt: „Das ist fast schon Körperverletzung.“

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