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Mecklenburg-Vorpommern : Die Rückkehr der Tagestouristen

Noch ohne Tagestouristen, aber auch ganz schön voll: Badegäste in Warnemünde Bild: dpa

Wegen der Pandemie war die Einreise nach Mecklenburg-Vorpommern für einen Tagesausflug nicht erlaubt. Wieso die Landesregierung solange an dem Verbot festhielt – und es gerade jetzt kippt.

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          Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus wurde in den vergangenen Monaten vieles möglich, was zuvor kaum vorstellbar gewesen wäre. Manches hat sich bewährt, anderes wurde wieder abgeschafft, und neues beschlossen. Nur in Mecklenburg-Vorpommern ist noch immer eine Regel in Kraft, die wie aus der Zeit gefallen zu sein scheint: das Land verbietet „Tagestouristen“ die Einreise.

          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Wer also aus Hamburg, aus Brandenburg, Berlin oder Schleswig-Holstein nur mal schnell an einen See wollte im Nordosten oder an die Küste, durfte es nicht, auch Freunde und Verwandte durften nicht besucht werden, wenn man nicht zur „Kernfamilie“ gehörte. Man musste nicht nur damit rechnen, von der Polizei wieder weggeschickt zu werden, sondern es drohte auch ein Bußgeld von bis zu 2000 Euro. Damit soll es aber jetzt Schluss sein. Am Dienstag hat das Kabinett zusammen mit Kommunen und Verbänden in Schwerin beschlossen, das Verbot zu kippen. Zum 4. September soll man also auch einfach mal so wieder einreisen dürfen.

          Als die Corona-Krise die Republik traf und im März die ersten harten Einschnitte vereinbart worden sind, sahen sich vor allem touristisch geprägte Länder wie Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern nicht nur vor der Frage, wie sie eine Überlastung der medizinischen Kapazitäten verhindern – sondern auch, wie sie mit all den Urlaubern umgehen sollen. Schließlich galt es die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

          Die Antworten in Kiel und Schwerin fielen zunächst ähnlich aus, sie lauteten: Einreiseverbot für Touristen, auch Ausflügler waren davon betroffen und Zweitwohnungsbesitzer. Die Begeisterung bei den Nachbarn hielt sich in Grenzen, Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sprach damals von „Kleinstaaterei“.

          Die mitregierende FDP kritisierte das Verbot

          Als die Zahlen sanken und die Länder die Maßnahmen lockerten, fielen diese Verbote aber bald, nur in Mecklenburg-Vorpommern nicht. Im Mai durften zwar die eigenen Einwohner wieder an die Küste und später auch Touristen, die Übernachtungen gebucht hatten – nur eben keine Tagestouristen. Darüber wurde auch aus Kiel Empörung geäußert, wo die Strände im Sommer so noch voller waren.

          Aus der mitregierenden FDP wurde über das Verbot geklagt, die Abschaffung begrüßte der Fraktionsvorsitzende Christopher Vogt, sie sei überfällig. „Es ist wirklich skurril, dass wir schon seit Monaten ohne Begründung nach Dänemark fahren können, aber nicht nach Mecklenburg-Vorpommern.“ Tschentscher sprach von einer „nachrangigen Thematik“ im Vergleich zu dem, was man nun mit den Reiserückkehrern erlebe.

          In Schwerin waren in den vergangenen Woche die Forderungen nach weiteren Lockerungen lauter geworden, das dünnbesiedelte Land steht so gut da wie kein anderes: 998 Infektionen gibt es bislang, in den letzten sieben Tagen waren 22 neue hinzugekommen. Vor allem die Tourismusbranche sprach sich für die Abschaffung des Verbots aus, die Hochsaison geht im Land zu Ende und die Einbrüche im Geschäft sind ohnehin enorm.

          Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sagte nun nach der Sitzung in Schwerin, ihr Land komme gut und sicher durch die Krise. Deshalb sei man der Meinung, weitere Lockerungen seien möglich. An der Maskenpflicht im Handel, über die im Land auch diskutiert worden war, hält man aber fest.

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