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Verfahren gegen Max Strauß : Ein zwölf Jahre andauernder Schatten

  • -Aktualisiert am

Strauß lässt sich von seiner Schwester Monika Hohlmeier beglückwünschen Bild: dpa

Zwölf Jahre lang habe der Vorwurf der Steuerhinterziehung „wie ein Schatten“ über ihm gehangen, sagte Max Strauß nach seinem Freispruch. Das Gericht sah in dem Fall am Ende vor allen den Lobbyisten Schreiber in der Verantwortung.

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          Nach dem Freispruch, vor den Türen des Schwurgerichtssaals im Augsburger Strafjustizzentrum, lässt Max Strauß die knapp zwölf Jahre Revue passieren, in denen er sich gegen den Vorwurf der Steuerhinterziehung wehren musste. „Die Ermittlungen hätten mich persönlich und auch wirtschaftlich fast umgebracht", sagt er mit ruhiger, gefasster Stimme. Depressionen, Panikattacken und suizidale Krisen hatten Max Strauß im ersten Verfahren heimgesucht, immer wieder wurde er psychiatrisch behandelt. „Das war wie ein schwerer Schatten über meinem Leben", sagt Strauß.

          Ein Schatten, der zurückgeht auf einen kleinen, aber ausgesprochen umtriebigen Mann, den der frühere Staatssekretär im Verteidigungsministerium Ludwig-Holger Pfahls bei seiner Aussage in der Neuauflage des Prozesses gegen Max Strauß als einen „Landsknechtstypen" beschrieb – trinkfest, leutselig, aber auch „rattenhaft“ und dazu „bereit, Menschen zu vernichten auch um den Preis der eigenen Vernichtung“: Karlheinz Schreiber. Der Lobbyist für Rüstungs- und Flugzeuggeschäfte entzog sich vor bald acht Jahren seiner drohenden Verhaftung und setzte sich nach Kanada ab, wo er sich seither mit schwindenden juristischen Mitteln gegen seine Auslieferung nach Deutschland wehrt.

          „Anderweitig verfolgter Karlheinz Schreiber“

          Ehedem lebte Schreiber in Kaufering bei Augsburg; deshalb urteilte das Augsburger Landgericht schon über eine Reihe von Männern, die Schreibers millionenschwerem Charme erlagen, Ludwig-Holger Pfahls und die beiden früheren Thyssen-Manager Jürgen Maßmann und Winfried Haasters. Und wäre da am Montag im Augsburger Gerichtssaal nicht die massige Gestalt von Max Strauß, flankiert von seinen vier Verteidigern, begleitet von seinen Geschwistern Franz Georg Strauß und der früheren bayerischen Kultusministerin Monika Hohlmeier – man könnte meinen, hier würde nicht über den Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß zu Gericht gesessen, sondern über Karlheinz Schreiber.

          Denn der Vorsitzende Richter Manfred Prexl verwendet ein Gutteil der Urteilsbegründung darauf, das allen Prozessbeteiligten seit langem sattsam bekannte Geschäftsmodell des „anderweitig verfolgten Karlheinz Schreiber“ zu erklären: Schreiber vermittelte in den späten achtziger und frühen neunziger Jahren Panzer in die Vereinigten Staaten und nach Saudi-Arabien, Airbus-Flugzeuge nach Kanada und Thailand. Die beteiligten Firmen, Airbus und Thyssen, ließen Schreiber für seine Lobbyarbeit etliche Millionen Dollar auf Liechtensteiner Konten seiner Firmen zukommen.

          Keine Mark für Strauß

          Von dort überwies er Geld auf Konten beim Schweizer Bankverein in Zürich, die unter wenig kreativen Tarnnamen wie „Jürglund“ für Jürgen Maßmann, „Winter“ für Winfried Haasters oder „Holgart“ für Ludwig-Holger Pfahls liefen. Von dem von Schreiber unter der Bezeichnung „Maxwell“ geführten Konto, auf dem einst knapp 5,2 Millionen Mark verbucht waren und das die Anklage Max Strauß zuschrieb, ist nie auch nur eine Mark tatsächlich an Strauß geflossen – „ein wesentlicher Unterschied zu den abgeschlossenen Verfahren“, sagt Richter Prexl.

          Auch hat Strauß immer bestritten, dass er von Schreiber irgendwelche Provisionen erhalten habe oder hätte einfordern können. Das im ersten Urteil gegen Strauß vom Juli 2004 angenommene „Treuhandverhältnis“, kraft dessen Schreiber das Konto „Maxwell“ für Strauß geführt habe, wurde vom Bundesgerichtshof im Oktober 2005 als pure Fiktion abgetan.

          „Kein einziges Dokument“

          Richter Prexls hebt seine etwas heisere Stimme, wenn er davon spricht, dass es nicht nur „nie auch nur den geringsten Hinweis" auf eine Zahlung von Provisionen an Strauß gegeben habe, sondern auch „kein einziges Dokument", dass eine Vermittlungstätigkeit von Strauß für Schreiber beweise. Damit scheidet auch eine Tätigkeit von Strauß als „gewerblicher Lobbyist“ aus, der etwaige Forderungen gegen Schreiber bereits bei deren Entstehung hätte bilanzieren müssen, ohne dass tatsächlich Geld geflossen sein müsste.

          Während Richter Prexl in deutlichen Worten die Argumente der Vertreter der Staatsanwaltschaft zerpflückt, die seinen Ausführungen mit versteinerten Mienen folgen, liest Max Strauß schon die eintreffenden Glückwünschnachrichten auf seinem Mobiltelefon. Sollte die Staatsanwaltschaft nicht binnen einer Woche Revision einlegen – man prüfe das, lässt die Behörde verlauten – wären die juristischen Nachwehen seiner Beziehung zu Karlheinz Schreiber tatsächlich zu Ende.

          „Maxwell“ als „Entschädigungsfonds“

          Schreiber galt als eine Art geschäftlicher Mentor von Max Strauß. Ein Foto, das die Staatsanwaltschaft im ersten Prozess an die Wände des Gerichtssaals projizierte, zeigt die beiden auf einer gemeinsamen Auslandsreise Seite an Seite, mit dunklen Krawatten und großen Sonnenbrillen, die Anzüge zu klein bemessen. Gegen die Bezeichnung Schreibers als „Vaterersatz“ hatte sich die Familie Strauß gewehrt. „Wer Franz Josef Strauß als Vater hatte, der brauchte keinen anderen, die Stelle war zu hundert Prozent besetzt“, hatte Max Strauß' Bruder Franz Georg im ersten Prozess erklärt.

          Aber die Frage bleibt, warum Franz Josef Strauß es zuließ, dass der windige Schreiber in die Nähe seiner Familie geriet. Das Verhältnis zwischen Schreiber und dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten hatte sich 1982 abgekühlt, nachdem die Familie bei Immobiliengeschäften Schreibers in Kanada Millionenverluste erlitten hatte – für Schreiber ein Nachteil, hatte er doch nur über Franz Josef Strauß, der auch Aufsichtsratsvorsitzender bei Airbus war, Zugang zu dem Kreis internationaler Geschäftsleute erhalten, der ihm als Betreiber eines Geschäfts für Fahrbahnmarkierungen sonst verschlossen geblieben wäre. Richter Prexl schließt denn auch in der Urteilsverkündung nicht aus, dass es sich bei dem Geld auf dem Konto „Maxwell“ um eine Art „Entschädigungsfonds“ für das fehlgeschlagene Kanada-Geschäft gehandelt haben könnte – ehe er das Konto Mitte der neunziger Jahre abräumte und das Geld für eigene Zwecke verwendete.

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