https://www.faz.net/-gpf-7us4q

Celle : Massenschlägerei zwischen Muslimen und Yeziden

  • Aktualisiert am

Der Streit über die Situation in Syrien und im Irak endete mit Fußtritten und Faustschlägen: Im niedersächsischen Celle ist es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen yezidischen Kurden und muslimischen Tschetschenen gekommen. Beinahe 100 Personen waren daran beteiligt. Nun bemühen sich die Behörden um Dialog und Deeskalation.

          1 Min.

          Im niedersächsischen Celle haben sich am Montagabend yezidische Kurden und muslimische Tschetschenen eine Massenschlägerei geliefert. An der Auseinandersetzung waren nach Schätzungen der Polizei bis zu sechzig Yeziden und bis zu dreißig sunnitische Tschetschenen beteiligt.  Entzündet hatte sich der Streit vermutlich über unterschiedliche Bewertungen der Situation in Syrien und im Irak, wo die Yeziden als gesellschaftlich geringgeachtete religiöse Minderheit  von der sunnitischen Terrorgruppe „Islamischer Staat“ besonders brutal verfolgt werden.

          Beide Gruppen trafen am Montagabend im Celler Ortsteil Neuenhäusen aufeinander. Die zunächst verbalen Auseinandersetzungen eskalierten; es gab Faustschläge, Fußtritte, auch mit Gegenständen wurde zugeschlagen. Sechs Personen wurden ärztlich behandelt, eine davon musste am Dienstag noch im Krankenhaus bleiben. Festnahmen gab es keine, allerdings ermittelt die Polizei wegen Gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruch in besonders schwerem Fall.

          Um die Situation unter Kontrolle zu bringen, waren etwa 50 Beamte im Einsatz, die zum Teil aus benachbarten Landkreisen hinzugezogen werden mussten. Die Yeziden in Deutschland leben mehrheitlich in Nordwestdeutschland, insbesondere in Celle, das mit mehr als 7000 Angehörigen die europaweit größte yezidische Minderheit hat.

          Eine Schlägerei dieses Ausmaßes habe es bisher noch nicht gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Die Yeziden seien aus Sicht der Polizei als Gruppe „nicht besonders auffällig“. Von der tschetschenischen Gruppe sei „bisher nichts bekannt“ gewesen. Es gebe keine Hinweise darauf, dass es sich bei ihnen um radikale Islamisten handele.

          Unmittelbar nach der Schlägerei begannen die Behörden gemeinsam mit beiden Gruppen einen Dialogprozess, um weitere Konfrontationen zu verhindern. Für Dienstagabend war ein Treffen im yezidischen Kulturzentrum geplant. Nächste Woche sollen die Gespräche in einem Raum der Muslime fortgesetzt werden.

          Weitere Themen

          Tichanowskaja macht Druck auf die EU Video-Seite öffnen

          Sanktionen gegen Lukaschenko : Tichanowskaja macht Druck auf die EU

          Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja hat die EU aufgefordert, Sanktionen gegen Präsident Alexander Lukaschenko zu verhängen. Zudem bat sie die EU, Lukaschenko offiziell nicht mehr als Präsidenten von Belarus anzuerkennen.

          In der Höhle des Löwen

          „Hotel Ruanda“-Star entführt : In der Höhle des Löwen

          Während des Völkermords in Ruanda rettete er Tutsi das Leben. Nun ließ Präsident Kagame den einstigen Helden Paul Rusesabagina entführen. Seinen Prozess will die Juristin Amal Clooney beobachten.

          Topmeldungen

           Visualisierung des Tunneleingangs auf der dänischen Seite in Rodbyhavn

          Streit um die Ostseequerung : Der Bau im Belt

          Unter der Ostsee soll ein langer Tunnel Deutschland und Dänemark verbinden. Der Widerstand ist heftig – aber nur in Deutschland. Ein Ortsbesuch.
          Paul Rusesabagina vor Gericht in Ruandas Hauptstadt Kigali am 14. September

          „Hotel Ruanda“-Star entführt : In der Höhle des Löwen

          Während des Völkermords in Ruanda rettete er Tutsi das Leben. Nun ließ Präsident Kagame den einstigen Helden Paul Rusesabagina entführen. Seinen Prozess will die Juristin Amal Clooney beobachten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.