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Virologen warnen : Kommt das Ende der Maskenpflicht in Schulen zu früh?

Schulweg mit Maske: Mehr Kinder können drauf verzichten. Bild: dpa

Während mehr Länder die Maskenpflicht abschaffen, eskaliert der Streit: Kinderärzte halten den Schritt für überfällig, Virologen warnen entschieden – der Zeitpunkt sei völlig falsch.

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          Der Streit über das Maskentragen in der Schule wird immer unerbittlicher. Während Kinder- und Jugendärzte darauf verweisen, dass die Schäden durch Ängste und Einschränkungen höher sind als eine mögliche Infektion, stößt das Ende der Maskenpflicht bei Lehrerverbänden und Virologen auf Unverständnis. Seit Montag müssen Grundschüler in Berlin (bis zur sechsten Klasse) keine Masken mehr im Unterricht tragen, in Bayern ist die Maskenpflicht für alle Schulen aufgehoben worden, im Saarland schon in der vergangenen Woche.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Auch Brandenburg verzichtet schon länger auf die Masken in der Schule. Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen beraten noch, wie sie weiter verfahren wollen. Hamburg und andere Länder dagegen wollen bei der Maskenpflicht bleiben, zumal sie Infektionen durch Reiserückkehrer aus den Herbstferien befürchten.

          Lehrergewerkschaften sind empört

          Einige Eltern sind erleichtert, weil sie die Klagen der Kinder in den Ohren haben, dass sie kaum Luft bekämen oder wegen der Maske mit Kopfschmerzen nach Hause kamen. Andere machen sich Sorgen und haben eine Petition für das Maskentragen unterschrieben, die es in Berlin gibt. Carsten Watzl, der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, kritisiert den Zeitpunkt der Entscheidungen.

          „Man sollte weiter Vorsicht walten lassen und die Infektionen nicht durchlaufen lassen, auch wenn schwere Krankheitsverläufe bei Kindern sehr selten sind“, sagte Watzl. Ganz anders sieht das Jakob Maske vom Berufsverband der Kinderärzte, der die Lockerungen in einigen Bundesländern ausdrücklich begrüßte. Maske sagte im Deutschlandfunk, „wir werden sehen, ob es ein richtiger Schritt ist, oder ob es noch verfrüht ist. Aber auf jeden Fall ist jetzt der richtige Zeitpunkt“ für das Ende der Maskenpflicht.

          Maske ließ keinen Zweifel daran, dass sich dann wieder mehr Viren verbreiteten, das sei aber ohnehin schon der Fall, weil es durch den Lockdown und das Masketragen ein Infektionsloch gegeben habe, in dem Kinder sich nicht infiziert hätten. Derzeit sähen die Kinder- und Jugendärzte viele Infektionen der oberen Atemwege, die nachgeholt würden. Eine Corona-Infektion verlaufe bei Kindern in den meisten Fällen relativ harmlos. Jörg Dötsch, der Präsident der Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, indessen mahnte zur Vorsicht: „Es ist jetzt keine günstige Zeit für diese Entscheidung, da die kalte Jahreszeit die Vermehrung des Virus begünstigt“, sagte er der Zeitung Tagesspiegel.

          Könnten Kinder ihre Eltern anstecken?

          Die Virologin Melanie Brinkmann hatte in einem Zeitungsgespräch zur Abschaffung der Maskenpflicht in den Schulen zu bedenken gegeben: „Wenn man etwas abschaffen möchte, dessen Nutzen wissenschaftlich erwiesen ist und das fast nichts kostet, kann man das machen. Die Frage ist nur, ob es klug ist“, sagte sie. Der Deutsche Lehrerverband hält den Schritt in jedem Fall für verfrüht, auch die Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sowie der VBE riefen zur Vorsicht auf.

          Die Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) belegen, dass die Infektionszahlen bei Kindern und Jugendlichen unter 19 Jahren besonders hoch sind. Bei den zwölf bis 17 Jahre alten Schülern sind erst 40 Prozent geimpft, Der Berliner Virologe Christian Drosten verwies auf England, wo die Ansteckungen sich unter Schülern und deren Eltern wieder häufen, obwohl dort die Impfquote unter Erwachsenen deutlich höher liegt als hierzulande.

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