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Maschmeyer und Schröder : Beim Geld beginnt die Freundschaft

  • -Aktualisiert am

Nicht nur Sportsfreunde: Schröder und Maschmeyer im April 2007 bei einem Spiel von Hannover 96 auf der Tribüne Bild: dapd

Der frühere AWD-Chef Carsten Maschmeyer hat Gerhard Schröder die Rechte an dessen Memoiren abgekauft. Für zwei Millionen Euro. Dahinter steht gnadenloses Netzwerken und ein gutes Gespür für politische Karrieren - unabhängig vom Parteibuch.

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          Nach allem, was man weiß, haben Ursula von der Leyen und Carsten Maschmeyer keine gemeinsame Leiche im Keller, also ein Geheimnis, das im beiderseitigen Interesse besser ein solches bleiben sollte. Aber es gibt Hinweise, dass sie zumindest eine gemeinsame Leiche auf dem Tisch hatten. Das soll während des Medizinstudiums im Anatomiekurs gewesen sein. Jedenfalls erinnerte sich der mit dem Finanzunternehmen Allgemeiner Wirtschaftsdienst (AWD) reich gewordene Niedersachse Maschmeyer kürzlich in einem Interview so an seine Vergangenheit. Von der Leyen, die Tochter des niedersächsischen Ministerpräsidenten, studierte in Hannover. Für einen Netzwerker wie Maschmeyer war das eine gute Gelegenheit und Grund genug, sie in den Blick zu nehmen.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Über Maschmeyers Künste, Netzwerke herzustellen und zu pflegen, ist vieles Geschrieben worden. Im Droemer Verlag ist jetzt ein Buch erschienen, das dieses Bild vertieft, das beschreibt, wie der Mann Beziehungen zum späteren Kanzler Gerhard Schröder, zum späteren Bundespräsidenten Christian Wulff, aber eben auch zu Albrecht und von der Leyen aufbaute.

          Das Buch lebt davon, Maschmeyer zu zitieren. Eher selten aus Interviews, dafür aber ausführlich aus Mails, Briefen, Mitteilungen ans Finanzamt. Angeblich sind es Tausende persönliche, firmeneigene und juristische Dokumente, eine Liste mit 240 000 Namen von AWD-Kunden, die nach Auskunft der Autoren ausgedruckt 9000 Seiten umfasst. Mehrere sogenannte Whistleblower sollen geliefert haben. Der Horror für jeden Verfasser der durchgesteckten Dokumente. Eine Goldgrube für denjenigen, der sie zugesteckt bekommt. Edward Snowden lässt grüßen.

          Dass Maschmeyer enge, wie man hört freundschaftliche Beziehungen zu den beiden ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder von der SPD und Christian Wulff von der CDU unterhielt, ist bekannt. Der Mann hat offenbar ein sehr feines Näschen. Schröder und Wulff stiegen auf nach ganz oben, der eine wurde Bundeskanzler, der andere Bundespräsident. Doch Maschmeyer legte sein Netz viel weiter aus.

          „Politische Schiene hervorragend abgedeckt“

          Schließlich war auch Ursula von der Leyens Vater Ernst Albrecht, ein CDU-Mann, einmal niedersächsischer Ministerpräsident und eine sehr bekannte Größe im Lande. Im Jahr 1997, Albrecht war schon lange nicht mehr Regierungschef, soll es gewesen sein, dass Maschmeyer auch den Vater der heutigen Ministerin für seine Interessen gewinnen konnte. Zitiert wird aus einem Brief Maschmeyers an seinen Freund Jean-Remy von Matt, den Besitzer einer Werbeagentur, nachdem es gelungen war, Ernst Albrecht zum Eintritt ins Kuratorium der AWD-Kinderhilfe zu bewegen: „Mit Herrn Dr. Albrecht, dem ehemaligen MP (Ministerpräsident, d.Red.) von Niedersachsen, ist die politische Schiene hervorragend abgedeckt“, schrieb Maschmeyer. Verwerflich ist daran nichts. Es belegt schlicht die Fähigkeit, Politiker für die eigenen Zwecke zu gewinnen.

          Ernst Albrecht als Ehemaliger war natürlich nicht mehr der wichtigste Ansprechpartner für Maschmeyer. Nach der Jahrtausendwende zeichnete sich ab, dass dessen Tochter Ursula von der Leyen politisch Karriere machen könnte. Ein Mittagessen im Dezember 2001 mit Christian Wulff, der zum wiederholten Mal Anlauf nahm, um endlich Ministerpräsident zu werden, bestärkte Maschmeyer in dieser Annahme. Bei der niedersächsischen Landtagswahl im Februar 2003 gewann Wulff und machte von der Leyen zur Landesministerin. „Ganz begeistert“ sei er, schrieb Maschmeyer an die ehemalige Mitstudentin von der Leyen. In seinem Schreiben benutzte er allerdings Formulierungen, wie er sie in Briefen an Wulff und Schröder schon verwandt hatte.

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