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Streit über „Synodalen Weg“ : Marx weist römischen Kardinal in die Schranken

Der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx im Juni in München Bild: dpa

Der Vatikan wirft deutschen Bischöfen vor, Reformgespräche seien unvereinbar mit Kirchenrecht. In einem Brief, der der F.A.Z. vorliegt, schreibt der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, Rom hätte lieber das Gespräch suchen sollen.

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          Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, hat sich mit deutlichen Worten gegen den Versuch von römischer Seite verwahrt, die Rechtmäßigkeit des „Synodalen Weges“ in Deutschland in Frage zu stellen. In einem Brief an den Präfekten der Kongregation für die Bischöfe, Kardinal Marc Ouellet, beschied Marx dem engen Mitarbeiter des Papstes, es wäre wohl hilfreich gewesen, die römische Seite hätte vor der „Versendung von Schriftstücken“ das Gespräch gesucht. So hatte Marx in der vergangenen Woche ein Schreiben Ouellets und ein Gutachten des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte erhalten, in denen die Absicht der Deutschen Bischofskonferenz, gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) auf einem „Synodalen Weg“ über Reformen in der katholischen Kirche zu beraten, als unvereinbar mit dem Kirchenrecht dargestellt wurde.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Implizit wurden den Bischöfen, die sich im März einstimmig für diesen „Weg“ ausgesprochen hatten, überdies die Kompetenz abgesprochen, sich gemeinsam mit Laien über Fragen wie die Ausübung von Macht in der Kirche, über Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche, über Aspekte der Sexualmoral und die Lebensform der Priester Gedanken zu machen und Reformen ins Auge zu fassen.

          Im Einzelnen verwahrt sich Marx in dem Schreiben, das der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt, gegen den Vorwurf, die Bischöfe würden de facto eine Synode veranstalten, ohne diese so zu nennen. In diesem Fall, so das römische Argument, würden Regelungen des Kirchenrechtes greifen, denen sich die Bischöfe um der Zusammenarbeit mit den Laien willen nicht unterwerfen sollten. Der Münchner Kardinal hält die römischen Behauptungen für gegenstandslos. „Sie wissen das aus unseren Protokollen,“ schreibt er dem Römer, dass die Bischöfe für die Beratungen bewusst keine Form gewählt hätten, die vom Kirchenrecht erfasst werden. Der „Synodale Weg“ sei vielmehr ein „Prozess sui generis“. Daher sollten die Satzungen auch nicht durch die Brille kirchenrechtlich verfasster Instrumente gelesen werden.

          Auch in den Details sieht Marx die römische Kritik ins Leere laufen. Die Anwürfe des Rates für die Gesetzestexte hinsichtlich Abstimmungsquoren und Beschlussfassungsformen beziehe sich auf einen Satzungsentwurf, der längst überholt sei. Tatsächlich wird die Deutsche Bischofskonferenz während ihrer Vollversammlung in der übernächsten Woche über eine Satzung abstimmen, die der „besonderen Verantwortung“ der Bischöfe, wie sie die Römer in Gefahr sehen, durch anspruchsvolle Bestimmungen gerecht werden soll.

          Ohnehin, so Marx, könne kein Beschluss einen Bischof rechtlich binden. „Es mag Beschlussfassungen geben, die sich an die Bischofskonferenz oder an die Bischöfe wenden, die dann über den angemessenen Weg entscheiden, wie mit diesen Beschlüssen umzugehen ist.“ Handele es sich um universalkirchlich regelungsbedürftige Fragen, würden diese dem Papst zur Kenntnisnahme und zu weiteren Schritten nach dessen Ermessen übermittelt. „Wir hoffen“, so Marx, „dass Ergebnisse einer Meinungsbildung in unserem Land auch für die Weltkirche und für andere Bischofskonferenzen im Einzelfall hilfreich sind. Jedenfalls kann ich nicht erkennen, dass und wieso Fragen, zu denen das Lehramt Festlegungen getroffen hat, jeder Debatte entzogen werden sollen, wie Ihre Schreiben suggerieren“.

          Den Hintergrund des Beschlusses, mit dem ZdK als der repräsentativen Vertretung des Laienkatholizismus einen zweijährigen Beratungsprozess zu beginnen, erläutert Marx mit dem Hinweis auf eine „massive Glaubwürdigkeitskrise der Kirche nach der Aufdeckung zahlreicher Fälle sexuellen Missbrauchs“. Wissenschaftler hätten die Vermutung geäußert, dass es in der Kirche systemische, negative Einflussfaktoren gebe, die solchen Missbrauch begünstigen. Um diese, gegen die Kirche vorgebrachten Einwände gehe es.

          Nicht gelten lassen will Marx den Verdacht, die Bischöfe ignorierten über der Beschäftigung mit Themen wie Macht, Frauen, Sexualmoral und Lebensform der Priester ihre eigentliche Aufgabe. „Wir Bischöfe handeln so, wie es unsere Hirtenaufgabe ist, um die Evangelisierung und die Verkündigung des Glaubens von Hindernissen zu befreien, die ihnen hier im Weg stehen.“ Der Mahnung des Papstes, „den sensus ecclesiae zu bewahren, und immer als Teil der Gesamtkirche zu handeln, die fundamentale Einheit zu wahren und der Evangelisierung zu dienen, werden und wollen wir entsprechen.“

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