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Martin Schulz : Klatsche!

„Ruft doch mal“: Die Begeisterung für Martin Schulz ist so groß, da kann man auch mal schwächeln Bild: dpa

„Ruft doch mal“: Martin Schulz fordert seine Anhänger zu Sprechchören auf, weil sie nicht von selbst darauf kommen. Vielleicht sollte die SPD ihr Gesamtkonzept noch einmal überdenken. Eine Glosse.

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          Normalerweise ist es mit dem Martin ja so: Wo immer er auch vorbeischwebt, vergessen ganze Generationen von Sozialdemokraten ihre Muttersprache, verfallen Frauen in Hechelatmung, bricht bei den Schwarzen und bei Angela Merkel der Schweiß aus. Der Prophet spricht in Gestalt seines Bartes zum Volk – ein seelenloser Klotz, wer da nicht auf die Knie sinkt.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Umso irritierender waren die Bilder, die uns in der vergangenen Woche aus Würzburg erreichten. Nach seiner üblichen Ruck-Rede (Agenda, Gerechtigkeit, Aufbruch, Wir!) trat Schulz vom Rednerpult, um die üblichen Huldigungen seiner Anhänger (Sprechchöre, Blumen, übermalte Gabriel-Plakate, Parteieintritte!) entgegenzunehmen. Und was macht die tumbe Menge? Klatscht höflich, schaut betreten und ist ansonsten so euphorisch wie Erdogan nach dem Entzug der Landeerlaubnis auf Zypern. Da ist es doch nur zu verständlich, dass der Martin bei einer Gruppe Jusos, die in Rufnähe am Bühnenrand stand, ein bisschen nachhelfen wollte („Fangt doch mal an zu rufen!“ Ihr könnt mal rufen! Martin rufen!“).

          Fehlbarkeit ist schließlich kein Privileg von Donald Trump oder dem Papst, sondern kann auch arme Genossen ereilen, die von den ständigen Jubelarien der letzten Wochen schlichtweg entkräftet sind. Und als die Menge endlich verstanden hatte und umso spontaner und enthemmter „Martin, Martin“ rief, passte ja auch schon wieder kein Blatt zwischen die SPD und ihren Messias.

          Wie haben wir sie satt, die ewigen Nörgler und Bedenkenträger, die jetzt schon wieder die Flöhe husten hören und das Wunder von Würselen für nicht mehr als das Placebo eines Quacksalbers halten, der sich eilfertig aus dem Staub gemacht hat (Gabriel). Auch soll jetzt bitte niemand auf die abstruse Idee kommen, Martin Schulz mit dem erfolglosen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Jeb Bush zu vergleichen.

          So sieht echte Begeisterung aus: Die Genossen in Würzburg feiern Martin Schulz

          „Bitte klatschen Sie“, bettelte der im Februar 2016 auf einer Wahlveranstaltung in New Hampshire, als Donald Trump noch die irre Chimäre war, die er bis heute geblieben ist – aber mal abgesehen davon, dass bei Bush nicht mal sein Bruder George W. geklatscht hätte, wenn er denn da gewesen wäre: Eine aufstrebende Lichtgestalt aus Würselen mit einem erfolglosen Loser aus der texanischen Pampa zu vergleichen, das geht gar nicht. Da können angebliche Amerika-Kenner noch so oft davon anfangen, dass auch Jeb Bush mal ein Hoffnungsträger war, dem in seiner Partei so gut wie alles zugetraut wurde.

          Die SPD sollte aus der „Klatsche von Würzburg“ lernen

          Sicherheitshalber sollte die SPD die „Klatsche von Würzburg“, als die missliebige Zeitgenossen sie  in die Geschichtsbücher aufnehmen werden, aber vielleicht trotzdem zum Anlass nehmen, ihr Verhalten gegenüber ihrer Basis noch einmal grundlegend zu überdenken. Viel sicherer, als weiter auf spontane Begeisterung zu bauen, wäre doch, bei Wahlveranstaltungen künftig auch für das Publikum große Videoleinwände einzusetzen, auf denen der jeweils erbetene Grad der Euphorie in leicht verständlichen Ausschnitten vorgemacht wird.

          Als Anheizer könnten ja alte Schimpftiraden von Wehner dienen, oder Spots von Obama, in denen er Gospels singt. Oder in Dreigottesnamen auch Hannelore Kraft, die Schuhplattler tanzt. Erlaubt ist, was immer die Genossen zum Jubeln bringt, und sei es auch noch so absurd.

          Mit ehrlicher Begeisterung kommt man nämlich vielleicht in den Himmel. Aber nicht unbedingt ins Kanzleramt.

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