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Martin Schulz : Kandidat mit Stallgeruch

  • -Aktualisiert am

Mai 2014: Martin Schulz auf der Berliner SPD-Party zur Europawahl Bild: dpa

Ein Sozialdemokrat alter Schule wird Kanzlerkandidat der SPD. Vom Bürgermeister in Würselen arbeitete sich Martin Schulz bis an die Spitze des Europaparlaments empor. Doch innenpolitische Erfahrung hat er nicht.

          Am Ende ist es doch so gekommen, wie es manche in der SPD vermutet und andere bis zuletzt bestritten haben: Martin Schulz, ein Sozialdemokrat alter Schule, einst Bürgermeister seiner Heimatstadt Würselen nahe Aachen, und ein Europa-Politiker, der es bis in das Amt des Präsidenten des Europäischen Parlaments gebracht hatte, wird die SPD als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf führen.

          Schulz wird – falls alles nach Plan und den Absprachen verläuft – auch Vorsitzender der ältesten deutschen Partei werden. Er wird ein Amt übernehmen, das Franz Müntefering einst als das schönste „nach Papst“ bezeichnet hatte. Dass beide Aufgaben in eine Hand gehören, gilt seit Langem als Selbstverständlichkeit. In der Schlussphase Gerhard Schröders als Bundeskanzler und auch bei den SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier (2009) und Peer Steinbrück (2013) war das noch anders gewesen. Dreimal ging es für die SPD schief. Gabriel sagt seit langem, wie Vertraute nun versichern, daraus die Konsequenz ziehen zu wollen. Das Motto heißt nun wieder: Alles oder nichts.

          Gabriel und Schulz wirkten lange Zeit zusammen. Jahre ist es her, dass sie einen Kreis von Sozialdemokraten um sich versammelten, die die Rechts-Links-Differenzen in der SPD überwinden wollten. Sie vertrauten einander. Die Erfahrung, dass es in den Beziehungen zwischen sogar befreundeten Spitzenpolitikern zu Differenzen kommen kann, machten sie auch – eine Erfahrung, die einst auch größere Sozialdemokraten erlebt hatten.

          Schulz wurde 1955 geboren. Sein Vater war sozialdemokratisch, seine Mutter christdemokratisch geprägt. Nach der mittleren Reife verließ er das Gymnasium und wurde Buchhändler. 1974 trat er der SPD bei. 1984 kam er in den Stadtrat von Würselen. 1987 wurde er Bürgermeister – damals der jüngste in Nordrhein-Westfalen. 1994 wurde Schulz in das Europa-Parlament gewählt. Er wurde dort zu einer der Schlüsselfiguren – erst in der sozialdemokratischen Fraktion, später im ganzen Parlament. Seine Sprachkenntnisse halfen ihm dabei. Schulz verstand sich gut mit Politikern anderer Parteien – allen voran mit dem Christdemokraten Jean-Claude Juncker. Im Europa-Wahlkampf 2014 traten die beiden als Spitzenkandidaten gegeneinander an. Danach handelten sie die Aufteilung europäischer Führungsämter aus.

          Mit Schulz zieht die SPD erstmals mit einem Kandidaten ohne innenpolitische Erfahrung in einen Bundestagswahlkampf. Schulz gehörte nie einem Landtag an und war auch nie Landesminister. Auch dem Bundestag hat er nie angehört. Gabriel hat nun dafür zu sorgen versucht, dass Schulz nicht Bundesminister werden wird. Vom „Kabinettstisch aus“ könne kein Wahlkampf gegen die Bundeskanzlerin geführt werden, lautete sein Argument. Für Schulz kann sich das als Manko erweisen. Vom Bundestag aus jedenfalls kann er keinen Wahlkampf führen. Auch das hat es in der Geschichte der SPD noch nie gegeben.

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