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Krisenmanager Söder : Nach Lage der Dinge

Heute der, morgen ein anderer: Markus Söder (CSU) Bild: dpa

Angela Merkel und Markus Söder unterscheiden sich in ihrem politischen Habitus weniger, als es mitunter den Anschein hat. Beide können abrupt Positionen wechseln. Auch deswegen „können“ beide auch Krise.

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          Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Corona-Krise nicht nur vertraute Muster des wirtschaftlichen oder religiösen Feldes zersetzt, sondern auch den Erfahrungsraum Politik irritiert, so hört dieser Beweis auf den Namen Söder. Sicher ist es erstaunlich, dass sich in diesen Monaten eine Mehrheit der Deutschen noch einmal hinter jener Bundeskanzlerin versammelt, der noch vor wenigen Monaten ein quälend langes Ende ihrer letzten Amtszeit vorhergesagt wurde.

          Noch erstaunlicher aber ist der demoskopische Höhenflug eines Ministerpräsidenten, der auf dem Weg nach oben politische Positionen wechseln konnte wie seine Kostüme in der fränkischen Fastnacht. Noch am selbstgesteckten Ziel, der Münchner Staatskanzlei, sollte sich Söder mit einer Annäherung an AfD-Positionen als Populist erweisen – und in der Landtagswahl 2018 der CSU das schlechteste Ergebnis seit 1950 bescheren.

          Nicht einmal zwei Jahre später können sich fast zwei Drittel der Deutschen diesen Mann als Merkels Nachfolger vorstellen – mit weitem Abstand vor allen anderen Unionspolitikern. Ein akuter Fall von kollektiver Amnesie liegt indes nicht vor. Merkel und Söder unterscheiden sich in ihrem politischen Habitus weniger, als es im Blick auf die Inhalte mitunter den Anschein hat. Beide können abrupt Positionen wechseln. Auch deswegen „können“ beide auch Krise. Und darauf wird es noch sehr lange ankommen.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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