https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/markus-soeder-laesst-kabinett-beschliessen-in-bayerischen-amtsraeumen-kreuze-aufzuhaengen-15575624.html
 

Kruzifix-Debatte : Das Kreuz

  • -Aktualisiert am

In allen bayrischen Amtsräumen Kreuze? - Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder möchte sich klar zu christlichen Werten bekennen. Bild: Markus Söder/Twitter

Markus Söder wirft einen Schatten auf die Wände bayerischer Amtsstuben. Dabei geht es ihm, so sagt er, um Identität und Werte.

          5 Min.

          Der bayerische Ministerpräsident Söder hat sein Kabinett beschließen lassen, in bayerischen Amtsräumen seien Kreuze aufzuhängen. Er hat sich selbst beim Aufhängen eines Kreuzes im Eingangsbereich der Staatskanzlei filmen und fotografieren lassen. Das Kreuz ist das Symbol des Christentums. Es war davor aber schon ein Symbol des Römischen Reiches. Kein geradezu offizielles, wie der Legionsadler oder das Siegel SPQR. Aber ein nicht weniger bedeutsames. Soweit einst die römische Macht reichte, dienten ihr Sterbende und Tote an Kreuzen als Zeichen. Abertausende, jahrhundertelang. Im Jahr 71 vor unserer Zeitrechnung säumten 6000 gekreuzigte Sklaven die Via Appia zwischen Rom und Capua. Sie dienten auf diesen zweihundert Kilometern als Zeugen eines gescheiterten Aufstands. Das Kreuz war also ein Symbol der „Pax Romana“, des römischen Friedens.

          Die Römer haben diese Form der Hinrichtung nicht erfunden. Jemanden einfach festzubinden und sterben zu lassen, ursprünglich an einem Baum – so etwas tun Menschen einander wohl schon seit unvordenklicher Zeit an. Historisch schreibt man die Kreuzigung den Phöniziern zu. Sie sollen sie im Mittelmeerraum verbreitet haben. Viele Völker haben sie dann übernommen, zum Beispiel die Griechen. Bei der Kreuzigung geht es nicht etwa nur darum, einen Menschen vom Leben zum Tode zu bringen, sondern ihn so langsam und qualvoll wie möglich sterben zu lassen. Rom hat das perfektioniert.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+