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Politischer Aschermittwoch : „Das einzige Grüne, das ich gerne umarme, sind Bäume“

  • -Aktualisiert am

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in Passau Bild: dpa

Geschickt zeigt sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder beim „Grünen-Bashing“. Auch Verkehrsminister Andreas „Andi“ Scheuer, vom Publikum hörbar ausgepfiffen, bekommt einen Seitenhieb ab.

          5 Min.

          Dass Markus Söder nicht beim traditionellen Presseabend vor dem Politischen Aschermittwoch auftauchte, mag ein Zeichen gewesen sein, dass die Aufgabe die er tags darauf zu erfüllen hatte, diesmal besonders komplex war. Die „gefühlten 10.000“, die Jahr für Jahr in die Dreiländerhalle nach Passau kommen, wollen einerseits eingeheizt bekommen; andererseits galt es nach dem rechtsextremistischen Terroranschlag von Hanau, nicht zu überdrehen. Außerdem musste gegenüber der CDU das traditionelle bayerische Selbstbewusstsein demonstriert werden, ohne sie jedoch in ihrer momentanen Empfindsamkeit zu überfordern. So viel sei vorweggenommen: Es gelang.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Das Warm-up bestreiten in Passau traditionell die niederbayerischen Hausherren. Betonung auf Herren. In diesem Jahr waren es Andreas Scheuer, der Bundesverkehrsminister und niederbayerische CSU-Bezirksvorsitzende, sowie der EVP-Fraktionsvorsitzende Manfred Weber. Beide belegen auf je eigene Weise, dass Niederbayern innerhalb der CSU schon einfachere Zeiten gesehen hat. So war es nur folgerichtig, dass man zunächst zwei Frauen, die Oberbayerin Angelika Niebler und die Unterfränkin Dorothee Bär, als Warm-up fürs Warm-up auflaufen ließ, um unter anschwellenden Bässen jeden einzelnen Regierungsbezirk zu begrüßen und gegebenenfalls aus dem Faschingsdelirium zu reißen, was nicht nur aufgrund der Stimmlagen sehr gut gelang.

          Einen guten Auftritt hatte danach auch Generalsekretär Markus Blume, der in den vergangenen Jahren mit dem Format „Politischer Aschermittwoch“ etwas gefremdelt hatte. Er zeigte, dass Antisozialismus, diesmal am Thema Thüringen durchexerziert, auch drei Jahrzehnte nach dem Ende des Kalten Kriegs noch immer mindestens so gut zieht wie Hightech-Agenda und Zukunft. Indem Blume behauptete, dass der abwesende Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber nur deshalb abwesend sei, weil er am Abend vorher durch seine bloße Anwesenheit in London den FC Bayern „zu Höchstleistungen getrieben“ habe, zeigte er außerdem, dass er sich nun auf CSU-Aschermittwochsniveau eingepegelt hat.

          „Glücklicher in einem anderen Ministerium“

          Während Manfred Weber für seine Beteuerung, er werde nach seiner Nichtberücksichtigung als EU-Kommissionspräsident „wieder aufstehen“, Jubel erntete, wirkte der Passauer Andreas Scheuer diesmal nicht wie ein Lokalmatador, sondern eher wie ein Kampfstier, der in der Arena zwar sehr tapfer ist, den aber die Pkw-Maut niederdrückt und dessen Schicksal irgendwie besiegelt scheint. Nach Nennung seines Namens wurde vernehmlich gepfiffen und gebuht. Von der Regie wurde das rasch durch die Einspielung von Musik abgewürgt.

          Dass sich Scheuer durch seinen Parteivorsitzenden in ähnlicher Weise unterstützt sah, darf freilich bezweifelt werden. Söder sinnierte in seiner gut einstündigen Rede, der besten, die er bisher in Passau gehalten hat, darüber, was wohl passiert wäre, wenn die FDP, die immer dann, wenn es wichtig ist, leider falsch entscheide, zu einer Jamaika-Koalition bereit gewesen wäre. Söder: „Die Grünen wären bei Normalmaß, Herr Hofreiter wahrscheinlich Verkehrsminister – und der Andi glücklicher in einem anderen Ministerium, schätze ich mal.“ Der bayerische Ministerpräsident schaute in die Ehrenloge vor ihm und fügte mit Blick auf Scheuer an: „Da lacht er, da lacht er!“

          Söder machte gleich zu Beginn seiner Rede klar, dass er gar nicht viel Zeit mit der SPD als Gegner zubringen werde. Zu schwach scheint sie ihm und in ihrer Führung offenbar auch zu wenig gutaussehend. Umso genüsslicher befasste sich der CSU-Chef mit den Grünen. Er stellte sie als Verbots- und Enteignungspartei dar, als Anhänger eines „grünen Sozialismus“. Söder handelte sie als Wettbewerbsfeinde ab, die am liebsten bei Kinderskifreizeiten Skirennen verbieten würden und beim Fußballspielen das Torezählen, was, wie er als Fan des 1. FC Nürnberg zugab, allenfalls bei seinem eigenen Club eine Option sein könne. Der Saal kam so sehr schnell auf Temperatur.

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