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Nach Abrechnung mit Ministerin : Marine: Kommandeur muss keine Nachteile fürchten

Wie steht es um die Ausstattung und Einsatzbereitschaft der Deutschen Marine? Ein Kommandeur platzte der Kragen – muss aber offiziell nichts Schlimmes befürchten. Also weiter im Marsch, wie hier bei einem militärischen Zeremoniell in Warnemünde (Ostsee). Bild: dpa

Wie viel öffentlichen Gegenwind aus den eigenen Reihen dulden die deutschen Seestreitkräfte? Offenbar mehr als angenommen. Zumindest aber erwartet Kapitän Horn ein „klärendes Gespräch“.

          Die Deutsche Marine ist Befürchtungen entgegengetreten, dass der bisherige Kommandeur ihres größten Einsatzverbandes, Jörg-Michael Horn, wegen massiver Kritik an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), der Marineführung und Zuständen in seinem Verantwortungsbereich mit Konsequenzen für seine Karriere rechnen muss. Das teilte der Sprecher des Inspekteurs der Marine, Kapitän zur See Johannes Dumrese, am Montagabend dieser Redaktion mit.

          Kapitän zur See Jörg-Michael Horn werde seinen neuen Dienstposten als Referatsleiter im Bundesamt für Personalmanagment der Bundeswehr „ganz normal“ antreten, so Dumrese. Allerdings wird es laut Informationen dieser Zeitung dabei zu zeitlichen Verzögerungen kommen. Der Dienstantritt von Horn war ursprünglich für den 26. März vorgesehen. Die Marine erklärte das damit, dass es zuvor noch ein „klärendes Gespräch“ zwischen Horn und seinem bisherigen Vorgesetzten, Flottillenadmiral Christoph Müller-Meinhard, geben werde. Meinhard hatte die Zeremonie bei der Übergabe des 2. Fregattengeschwaders durchgeführt, war aber bei der Rede Horn nicht zugegen. Die Marine teilte mit, das entspreche dem üblichen Ablauf. Nun prüfe der Admiral die Rede des scheidenden Kommandeurs. Es bestehe der Verdacht, dass Horn darin gegen die Verschwiegenheitspflicht verstoßen haben könnte.

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          Horns massive Kritik an der Verteidigungsministerin und der Marineführung, so hob Dumrese ausdrücklich hervor, spiele dabei keine Rolle. Sie sei zwar „sehr bedauerlich“ gewesen und „nicht, was der Inspekteur von einem Kommandeur erwartet.“ Aber „das halte man locker aus.“ Die Kritik an der Verteidigungsministerin teile die Marine „in keiner Form.“ Schließlich sei sie es gewesen, die viele Dinge angestoßen und eine Reihe wichtiger Trendwenden eingeleitet habe. Was den Ist-Zustand der Marine angehe, enthalte die Schilderung Horns zudem nichts Neues.

          Horn, der rund 30 Monate lang bis vergangenen Mittwoch das 2. Fregattengeschwader führte, hatte in seiner Abschiedsrede neben persönlicher Enttäuschung und einem Vertrauensverlust in die politische Führung zahlreiche Schwierigkeiten benannt, mit denen sein Verband konfrontiert sei. Es sei „materiell und personell fünf nach Zwölf“, hatte Horn gesagt. Grundsätzlich wurden die Probleme von der Marineführung auch bestätigt. Der Geschwaderkommandeur habe es jedoch versäumt, sie in den Kontext der Marine und der laufenden Entwicklungen einzubetten. Er habe bei der Rede nur „das Standlicht“ angehabt.

          So werde sich etwa die vor drei Jahren eingeläutete „Trendwende Personal“ an Bord der Schiffe des Geschwaders erst in den kommenden Jahren bemerkbar machen, da die Ausbildung jetzt erst voll anlaufe qualifizierter Crewmitglieder drei bis fünf Jahre dauere. Die Fähigkeiten zur Landes- und Bündnisverteidigung, die Horn in seinem Geschwader gefährdet sieht, würden aufgrund seiner Einsatzbelastung derzeit stärker durch andere Teile der Flotte abgedeckt. Die Marine beteilige sich mit Schiffen an den ständigen Nato-Einsatzgruppen und habe bereits im vergangenen Jahr damit begonnen, ihre Übungstätigkeit in der Ostsee gemeinsam mit Marinen anderer Anrainerstaaten zu intensivieren. Die deutschen Seestreitkräfte würden wohl noch drei Jahre lang mit Problemen zu kämpfen haben, doch dann werde sich die Situation allmählich verbessern. Bedauerlich sei es, dass Horn seine Kritik erst jetzt äußere. Kurz vor seiner Abschiedsrede habe noch die Kommandeurstagung der Marine stattgefunden. Dort habe sich Horn nicht zu Wort gemeldet. Aus Teilnehmerkreisen hieß es indes, Horn habe gar nicht teilgenommen. Das bestätigte die Marine am Dienstagmorgen.

          Die Abschiedsrede Horns war vergangene Woche zunächst nur von lokalen Medien aufgegriffen worden, am Wochenende aber dann einem größeren Kreis bekannt geworden, nachdem das sicherheitspolitische Blog „Augen Geradeaus!“ am Sonntag große Teile von ihr veröffentlicht hatte. Das Verteidigungsministerium hatte am Montag auf der Bundespressekonferenz auf Fragen von Journalisten zunächst ausweichend reagiert. So hieß es unter anderem, man kenne im Hause nur die Berichterstattung der Presse (in der zu dem Zeitpunkt bereits große Teile der Rede veröffentlicht worden war), nicht aber die Rede selbst. Auch auf spätere Anfrage dieser Redaktion hin wollte sich das Ministerium nicht weiter äußern. Ein Sprecher verwies an die Marine. Verteidigungsministerin von der Leyen hatte am Morgen dem „Morgenmagazin“ des ZDF“ gesagt, man spüre nun bitter, dass der Grundbetrieb in den vergangenen Jahrzehnten zugunsten der Einsätze vernachlässigt worden sei. Die lückenhafte Ausstattung für Übungen sowie die Landes- und Bündnisverteidigung zu schließen, sei Aufgabe der neuen Legislaturperiode. Hohle Strukturen müssten nun aufgefüllt werden.

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