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Marina Weisband im Gespräch : „Ich ziehe mich nicht zurück, ich nehme Anlauf“

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Befindet sich in einer Notlage: Marina Weisband, politische Geschäftsführerin der Piratenpartei und bald nur noch „Basispiratin“ Bild: dapd

Marina Weisband gilt als „Gesicht“ der Piratenpartei, doch nun will sie sich aus dem Vorstand zurückziehen. Im FAZ.NET-Interview erklärt sie, welche „Notlage“ sie dazu gebracht hat - und warum sie sich nach einer Rückkehr ein Bundestagsmandat vorstellen kann.

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          Der Parteivorsitzende Sebastian Nerz hat heute gesagt, er habe Hoffnung, dass Sie sich noch umentscheiden und im April doch noch für den Vorstand kandidieren. Ist seine Hoffnung berechtigt?

          Nein. Was ich beschlossen habe ist eigentlich relativ endgültig. Ich kann bloß nicht drei Monate in die Zukunft sehen, deshalb will ich es im April erst offiziell verkünden. Aber ich wollte jetzt schon mal etwas sagen, damit sich andere trauen, zu kandidieren. Viele trauen sich aus Respekt vor mir im Moment noch nicht, zu kandidieren.

          In der Partei ist gerade aber niemand in Sicht, der die Partei so wie Sie in der Öffentlichkeit repräsentieren kann. Fällt Ihnen jemand ein?

          Meine primäre Arbeit war ja nicht die Medienarbeit, sondern die organisatorische Arbeit. Da gibt es in der Partei viele, die besser geeignet wären als ich. Wir haben sehr viele fähige Leute, da wird sich sicherlich ein mehr als guter Ersatz finden. Und es stimmt nicht, was die Medien im Moment schreiben, dass die Partei mit mir ihr „Aushängeschild“ verliert. Es stimmt nur, wenn die Medien das beschließen. Sie haben es sich einfach selbst zum Gesetz gemacht, mich nichts mehr zu fragen, sobald ich nicht mehr den Stempel der Politischen Geschäftsführerin habe. Aber ich werde ja weiter für die Partei arbeiten, nur eben an der Basis. Ich habe immer gesagt, die Medien sollen auch mit Leuten an der Basis reden, wir sind schließlich eine basisdemokratische Partei. Aber sie stürzen sich immer auf die Leute mit Ämtern. Vielleicht können wir sie ja noch umerziehen.

          Noch im Dezember haben Sie auf Ihrem Blog geschrieben, Sie selbst seien ein Experiment, das des „offenen Politikers“. Ist das nun erstmal gescheitert?

          Das Experiment hat gerade erst begonnen. Ich mache jetzt nur ein Jahr Pause, danach lege ich volle Kanne los. Und in diesem Jahr werde ich jetzt mit dem letzten Rest an Medienpräsenz, der mir noch bleibt, zeigen, was es an der Basis passiert, was man da alles machen kann in unserer Partei. Ich muss mich jetzt einfach physisch erholen. Ich habe im Moment drei Aufgaben, die organisatorische, die Öffentlichkeitsarbeit und das Diplom – und das schaffe ich nicht mehr Alles. Aber wenn ich das Diplom hinter mir habe, und dieser Druck von mir abfällt, kann ich mich wieder der Politik widmen. Ich ziehe mich nicht zurück, ich nehme Anlauf.

          Wollen Sie rechtzeitig zur Bundestagswahl 2013 zurückkommen?

          Meine Diplomarbeit werde ich bis dahin auf jeden Fall geschrieben haben. Vielleicht schaffe ich es sogar, sie in diesem Herbst abzugeben. Aber dann sind Vorstandswahlen ja erst wieder im Frühjahr 2012, also kann ich vorher nicht wieder einsteigen. Danach kann ich mir alles mögliche vorstellen: Vielleicht Bundesvorstand, vielleicht Bundestag, ich weiß es noch nicht.

          Sie gehen also schon jetzt fest davon aus, dass die Piraten 2013 in den Bundestag einziehen?

          Ich kann es mir gut vorstellen.

          Dieses Jahr ist mit den zwei Landtagswahlen im Hinblick auf 2013 sehr wichtig für die Piratenpartei – hätten Sie das Diplom nicht auch später machen können?

          Nein, weil der Studiengang Diplompsychologie nur noch bis 2013 angeboten wird. Wenn ich es also bis dahin nicht mache, dann hätte ich 5 Jahre umsonst studiert. Ich lasse also nicht die Partei im Stich, sondern ich bin in einer Notlage.

          Sie haben sich mal als Therapeutin der Partei beschrieben, die ständig Streit schlichtet und auf Parteitagen herumgeht und die Leute „knuddelt“. Werden Sie das weitermachen, oder wer soll das für Sie tun?

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