https://www.faz.net/-gpf-acd7g

Ein persönlicher Blick : Ossis haben mehr Humor als Wessis

Orangen hießen in der DDR Apfelsinen, es gab sie kaum. Aber Kürbisse. Bild: Laila Sieber

Hat der Ostbeauftragte der Bundesregierung Marco Wanderwitz recht mit seiner Einschätzung, dass viele im Osten noch nicht in der Demokratie angekommen sind? Ein persönlicher Blick.

          7 Min.

          Die erste Hälfte meines Lebens habe ich in der DDR verbracht, die zweite im vereinten Deutschland. Das Ende der DDR und die Einheit habe ich aus vollem Herzen begrüßt. Mein Freundes- und Bekanntenkreis besteht etwa zu gleichen Teilen aus Ost- und Westdeutschen. Als Redakteur der F.A.Z. habe ich in einem westdeutschen Umfeld gearbeitet. Oft habe ich mir von Lesern der Zeitung anhören müssen, wie schlimm das doch mit den Ostdeutschen sei, wie undankbar, wie unfähig sie seien. Die Leser konnten sich nicht vorstellen, dass die Einheit auch bei uns in der Zeitung angekommen war. Ich lächelte still vor mich hin und ließ es über mich ergehen.

          Frank Pergande
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Auch meine Ehefrau kommt aus dem Westen. Mag allerdings sein, dass ich sie nicht kennengelernt hätte, wenn sie nicht im Osten gearbeitet hätte. Auch wenn umgekehrt ich einige Zeit im Westen gearbeitet habe, in Marburg, bevor ich als F.A.Z.-Redakteur zurück in den Osten ging, nach Berlin. Es waren im Westen zu meiner Überraschung schreckliche Jahre. Ich habe festgestellt, wie ostdeutsch ich bin. So sehr, dass ich westlich der Elbe schon Heimweh bekomme, obwohl ich den Westen bewundere. Verrückt, oder?

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Die HMS Defender bei ihrer Ankunft im Hafen von Odessa am 18. Juni

          Vorfall im Schwarzen Meer : Wollte die Royal Navy Russland provozieren?

          In Großbritannien verstärkt sich der Eindruck, dass die Royal Navy im Schwarzen Meer ein Zeichen setzen wollte. Moskau droht für Wiederholungen mit Bombenangriffen „nicht einfach in den Kurs, sondern auf das Ziel“.