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Neuer Fraktionsvorsitzender : Baden-Württembergs CDU setzt auf Manuel Hagel

Manuel Hagel am Dienstag in Stuttgart. Bild: dpa

Die CDU-Fraktion in Baden-Württemberg hat einen neuen Vorsitzenden. Der 33 Jahre alte Manuel Hagel soll die Gruppe erneuern – und die CDU wieder zu der Partei machen, die in Stuttgart den Ministerpräsidenten stellt.

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          Zehn Jahre nach der ersten Niederlage bei einer Landtagswahl hat die baden-württembergische CDU einen ersten Schritt für eine grundlegende personelle Erneuerung gemacht. Die CDU-Landtagsfraktion wählte den bisherigen Generalsekretär Manuel Hagel zu ihrem neuen Fraktionsvorsitzenden. Er bekam 40 Stimmen, zwei Abgeordnete votierten mit Nein. Hagel feierte erst vor vier Tagen seinen 33. Geburtstag, auf ihn richten sich in den kommenden fünf Jahren die Hoffnungen der Südwest-CDU, wieder zu einer Partei zu werden, die den Ministerpräsidenten stellt.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Der Oberschwabe Hagel arbeitete seit fünf Jahren zielstrebig an seinem Aufstieg und der Erneuerung der CDU. 2016 und 2021 gewann er den Wahlkreis Ehingen direkt, vor fünf Jahren wurde er auf Vorschlag des CDU-Landesvorsitzenden Thomas Strobl Generalsekretär. Hagel brachte der Landesgeschäftsstelle eine Organisationsreform, machte sie überhaupt kampagnenfähig und holte neues Personal. Er war auch für den datengestützten Internet-Landtagswahlkampf verantwortlich. Seine Mitarbeiter glauben, dadurch habe die CDU entscheidende 1,5 bis zwei Prozentpunkte zusätzlich bekommen und letztlich eine grün-rote Regierung verhindert.

          Obwohl Hagel schon einmal eine der in hartem oberschwäbischen Dialekt gehaltenen Reden verrutscht, trieb er die Erneuerung der CDU unermüdlich voran. Dabei orientierte er sich an einem moderneren Konservativismus-Begriff, wie ihn etwa Hagels Freund und Vorbild, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, verkörpert. Dem Hype um Friedrich Merz, der gerade im Südwesten um sich griff, stand Hagel skeptisch gegenüber. Als junger Parlamentarier musste er in der alten, ländlich-konservativen Fraktion emsig gegen das Vorurteil kämpfen, ein nassforscher Handlanger Strobls zu sein.

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          Doch die Wahl veränderte die Mehrheitsverhältnisse in der CDU-Landtagsfraktion. Einige Hardliner der alten Schule schieden aus, von 42 Landtagsabgeordneten sind 13 Parlamentsneulinge. Hagel gab sich schon bei den Nominierungen große Mühe, die Landtagskandidaten so auszuwählen, dass die neue Fraktion jünger und weiblicher wird. Auf den Erneuerungswillen dieser Abgeordneten setzt er jetzt.

          Den Wiederwahl-Plan seines Vorgängers Wolfgang Reinhart durchkreuzte Hagel am Montag nach der Wahlniederlage. Seine Anhänger sammelten Unterschriften für einen Neuanfang, 25 Abgeordnete sprachen sich dafür aus, Reinhart nur bis zum Ende der Koalitionsverhandlungen interimistisch zu wählen. Reinhart war schon unter Günther Oettinger Minister und gehört dem Landtag seit 1992 an. Hätte sich die CDU-Fraktion für ihn entschieden, wäre das alles andere als ein Signal für einen Neubeginn gewesen, den der Landesverband ein Jahrzehnt verschleppt hat.

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